Israel als Täterstaat, Juden, die sich angeblich vom Opfer zum Täter entwickelt haben, Genozidvorwurf. All das wurde und wird so oft wiederholt, dass es in einigen Kreisen als unumstößliche Wahrheit gehandelt wird – Faktenresistenz inbegriffen. So inbegriffen, dass jemand in der TAZ über seinen Vater schreibt, der die Polio-Impfung nicht rechtzeitig erhalten haben soll, weil die Familie 1948 im israelisch-arabischen Krieg vertrieben wurde. Dass diese Impfung erst Jahre später erstmals zugelassen wurde – geschenkt. Wir wollen uns jedoch weniger auf die TAZ konzentrieren, sondern vielmehr fragen: wie ist es möglich, dass so etwas heute problemlos durchgewunken wird, und zwar nicht als journalistisches Versagen, sondern „Israelkritik“?
Unser Gast ist der Jurist und Autor Tilman Tarach, der diesen Fall sehr pointiert kommentiert hat. Er beschäftigt sich mit der Ideen- und Wirkungsgeschichte des Antisemitismus. In seiner Arbeit zeigt er, wie sich Vorstellungen vom Gottesmörder, vom heimlichen Strippenzieher oder vom Juden als Täter verändert und bis in die heutige Wahrnehmung von Israel fortgesetzt haben.
Moderation: Nelly Eliasberg, WerteInitiative e.V.