WerteInitiative e. V.

Pressemitteilung: Wir kritisieren mediale Überhöhung einzelner jüdischer Israelkritiker: „Jüdische Identität ist kein Wahrheitsbeweis“

Berlin, 12. Oktober 2026. Die WerteInitiative widerspricht dem französisch-britischen Juristen und Autor Philippe Sands, der am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche mit dem renommierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde. Der Preis wird seit 1950 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse verliehen. Sands hatte Deutschland in seiner Dankesrede ein „unanständiges Schweigen“ gegenüber Israels Vorgehen vorgeworfen. Angesichts der seit Jahren intensiv geführten öffentlichen und politischen Debatte über Israel hält die WerteInitiative diesen Vorwurf für realitätsfern.

„Deutschland schweigt nicht zu Israel. Im Gegenteil: Kaum ein anderes außenpolitisches Thema wird derart intensiv, kontrovers und emotional diskutiert. Das eigentliche Problem ist, wessen jüdische Stimmen in dieser Debatte besondere Aufmerksamkeit erhalten“, erklärt Elio Adler, Vorstandsvorsitzender der WerteInitiative.

Die Organisation kritisiert eine mediale Praxis, bei der einzelne jüdische Kritiker Israels bevorzugt als vermeintlich besonders authentische Gegenstimmen präsentiert werden, während die starke Verbundenheit der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland mit Israel in den Hintergrund rückt.

Dabei sprechen die verfügbaren Daten eine deutliche Sprache: Laut Gemeindebarometer 2023/24 des Zentralrats der Juden unterstützen 87 Prozent der befragten jüdischen Gemeindemitglieder Israel ausdrücklich regierungsunabhängig.

„Philippe Sands darf jede politische Position vertreten. Aber er spricht nicht für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland. Seine jüdische Herkunft verleiht seinen Aussagen weder zusätzliche Richtigkeit noch Repräsentativität. Wer einzelne jüdische Stimmen zu Kronzeugen erhebt, weil ihre Aussagen in das gewünschte politische Narrativ passen, instrumentalisiert jüdische Identität“, so Adler.

Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der beide Preise ausrichtet, stand erst kürzlich in der Kritik, weil er trotz Protesten jüdischer Organisationen an der umstrittenen Jurorin Maha El Hissy für den Deutschen Buchpreis festhielt. „Wenn jüdische Organisationen mit ihrer Kritik an israelfeindlichen Positionen kaum Gehör finden, während die Israelkritik eines jüdischen Friedenspreisträgers besondere Aufmerksamkeit erhält, wirft das grundlegende Fragen über den Umgang des deutschen Kulturbetriebs mit jüdischen Perspektiven auf“, erklärt Adler.

Die WerteInitiative betont, dass die Unterstützung Israels keineswegs mit vorbehaltloser Zustimmung zu jeder Entscheidung seiner Regierung gleichzusetzen sei. Entscheidend sei vielmehr, dass die Vielfalt jüdischer Positionen nicht durch eine selektive öffentliche Wahrnehmung verzerrt werde.

„Jüdische Stimmen verdienen Gehör – nicht erst dann, wenn sie Israel kritisieren. Und jüdische Identität ist kein Gütesiegel für politische Wahrheiten.“, so Adler abschließend.

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