Verschwörungsideologie: Allmacht und ständige Bedrohung
Auf einen Blick
Antisemitismus und Verschwörungsideologien sind seit Jahrhunderten eng verbunden. Fast jede große Verschwörungserzählung bedient sich des Bildes einer „geheimen jüdischen Macht“, die im Hintergrund lenkt und kontrolliert.
Grundprinzip von Verschwörungsideologien:
Sie erklären komplexe Krisen und Entwicklungen als gezielte Machenschaften einer kleinen Elite. Zufälle, soziale Dynamiken oder Mehrdeutigkeiten werden ausgeblendet – alles erscheint planvoll gesteuert. Belege spielen keine Rolle, Gegenargumente gelten als Teil der Verschwörung.
Antisemitische Muster:
Jüdische Menschen werden als mächtig, ominös und manipulativ dargestellt. Typisch ist die Gleichzeitigkeit von Allmacht und Bedrohung – „die Juden“ erscheinen als übermächtig und zugleich als Gefahr. Zentral ist dabei der Mythos der „jüdischen Weltverschwörung“, wie in den
Protokollen der Weisen von Zion
.
Moderne Erscheinungsformen:
In sozialen Medien und populistischen Milieus kursieren Verschwörungserzählungen über eine „globale Elite“, die Medien, Finanzsysteme oder Politik kontrolliere. Oft werden antisemitische Chiffren oder Symbole genutzt, um solche Behauptungen zu tarnen.
Wirkung und Gefahr:
Diese Erzählungen schaffen ein geschlossenes Weltbild, das Angst, Misstrauen und Abwehr schürt – und komplexe Probleme scheinbar einfach erklärt. Sie entlasten, indem sie Schuld externalisieren – und legitimieren zugleich Abwertung, Hass und Gewalt. Immer wieder sind antisemitische Verschwörungsideologien Ausgangspunkt realer Anschläge und Gewalttaten.
Verschwörungsideologie: Allmacht und ständige Bedrohung
Antisemitismus und Verschwörungsideologie sind seit Jahrhunderten eng miteinander verflochten: Kaum eine Verschwörungserzählung kommt ohne das Bild einer im Verborgenen agierenden, allmächtigen jüdischen Macht aus.
Verschwörungsideologien zeichnen sich dadurch aus, dass sie gesellschaftliche Ereignisse und Krisen nicht als Ergebnis komplexer Prozesse, sondern als Ergebnis geheimer Machenschaften einer verschworenen Elite deuten. Dabei gilt: Eine kleine, mächtige Gruppe plane und manipuliere „hinter den Kulissen“, während breite Bevölkerungsschichten nichtsahnend die Konsequenzen tragen. Solche Erzählungen sind oft einfach zu verstehen, emotional aufgeladen und zugleich schwer widerlegbar – denn Gegenbelege werden gerne als Teil der Verschwörung abgetan.
Im Kontext des Antisemitismus kommt hinzu: Viele dieser Verschwörungsmythen greifen auf historische Projektionen zurück, die jüdische Menschen schon lange mit übermäßiger Macht, heimlicher Einflussnahme und subversivem Verhalten verknüpfen. Ein zentraler Mythos ist die „jüdische Weltverschwörung“, wie sie im Pamphlet
Die Protokolle der Weisen von Zion
propagiert wurde.
Verschwörungsideologisches Magazin „Compact“ und „QAnon“-Buttons auf einer Demonstration von „Querdenker 711“ 2020 in Berlin.
Foto: Sean Gallup/Getty Images[/caption]
In sozialen Medien wird häufig behauptet, eine geheime Elite kontrolliere Medien, Finanzwesen oder politische Prozesse – teils in direkter Verbindung mit antisemitischer Symbolik oder Chiffren. Diese Narrative dienen nicht nur der Erklärung von Machtverhältnissen, sondern erzeugen ein ständiges Gefühl der Bedrohung. Antisemitische Verschwörungsideologien inszenieren „die Juden“ oder „das Jüdische“ zugleich als übermächtige Täter und als unsichtbare, allgegenwärtige Gefahr, die das „Volk“, die „wahre Nation“ oder die „reine Ordnung“ bedrohe.
Gerade diese Doppelstruktur aus Allmacht und Bedrohung macht antisemitische Verschwörungserzählungen so wirkmächtig: Sie liefern ein geschlossenes Weltbild, in dem jedes politische, gesellschaftliche oder persönliche Scheitern auf eine verborgene jüdische Einflussnahme zurückgeführt werden kann. So entsteht ein paranoides Deutungssystem, das ständige Angst, Misstrauen und Abwehrhaltungen produziert – und gleichzeitig Entlastung bietet, weil es komplexe Probleme sche
inbar einfach erklärt. Diese emotional aufgeladene Konstruktion von Bedrohung legitimiert in der Folge Abwertung, Ausgrenzung und Gewalt.
Zudem ist zu beobachten, dass Verschwörungsideologien nicht nur randständige Phänomene bleiben: Sie mobilisieren Realangst, verbinden sich mit anderen extremistischen Ideologien und sind vielfach Ausgangspunkt für antisemitisch motivierte Gewalttaten. Beispiele wie Tatorte oder Anschläge belegen den engen Zusammenhang zwischen antisemitischem Verschwörungsdenken und konkreter Gewalt.
Die „Protokolle der Weisen von Zion“
Die
Protokolle der Weisen von Zion
sind eine der folgenreichsten Fälschungen des 20. Jahrhunderts. Das Dokument wurde um 1903 im zaristischen Russland von der Geheimpolizei (Ochrana) erstellt und behauptet, geheime Sitzungen jüdischer „Weltverschwörer“ zu protokollieren. Die Handlung, in der sich Rabbiner auf einem jüdischen Friedhof treffen, um ihre Weltherrschaftspläne zu diskutieren, vermittelt den Lesern den Eindruck, vom geheimen Geschehen aus erster Hand zu erfahren, also zu den Aufgeklärten zu gehören, Bescheid zu wissen. Tatsächlich handelt es sich um ein Plagiat aus französischen und deutschen politischen Satiren, das gezielt antisemitisch umgeschrieben wurde.
Antisemitische verschwörungsideologische Schriften von Dietrich Eckart. Bild: Hulton Archive[/caption]
Trotz frühzeitiger Entlarvung als Fälschung (u. a. durch die
Times
1921) verbreiteten sich die
Protokolle
in zahllosen Übersetzungen weltweit. Sie wurden zum ideologischen Fundament moderner antisemitischer Bewegungen, dienten Nationalsozialisten als „Beleg“ jüdischer Machtbestrebungen und finden bis heute in islamistischen, rechtsextremen und verschwörungsideologischen Milieus Verwendung.
Auch im digitalen Zeitalter kursieren sie in Blogs, Telegram-Kanälen oder YouTube-Videos — oft in modernisierter Sprache, aber mit demselben Narrativ: „Die Juden“ steckten hinter Globalisierung, Finanzwesen, Medien oder Pandemien. Damit wirken die
Protokolle
bis heute als kultureller Code, der klassische antisemitische Stereotype an zeitgenössische Themen anschließt.
Nach- und Weiterwirken der „Protokolle der Weisen von Zion“
Der Industrielle Henry Ford veröffentlichte im Blatt
The Dearborn Independent
regelmäßig Auszüge und Kommentare zu den „Protokollen“.
Seine Publikationen erreichten eine Auflage von über 500.000 Exemplaren und verbreiteten die Fälschung weit in die amerikanische Öffentlichkeit.
1925–1945 – Nationalsozialistische Propaganda
Im NS-Staat erschienen die „Protokolle“ als „Volksausgabe“ im Parteiverlag Franz Eher Nachf. und wurden in Schulen und Auslandspropaganda genutzt – bis nach Japan und Südamerika exportiert. Hitler glaubte oder tat so, als glaube er an die „Protokolle“ – unabhängig von ihrer Echtheit. In
Mein Kampf
(1925/26) schreibt er über die
Protokolle
: „Am besten beweist die Echtheit dieser Protokolle die Tatsache, dass das, was in ihnen steht, sich erfüllt hat und täglich erfüllt.“ Für ihn zählte nicht die historische Faktizität, sondern die ideologische „Wahrheit“, die sie angeblich ausdrückten.
1930er–1960er – Verbreitung im arabischen Raum
Bereits 1938 wurden arabische Übersetzungen der „Protokolle“ auf einer von der Muslimbruderschaft organisierten Konferenz in Kairo verbreitet. Nach der Gründung Israels verbreiteten sich die „Protokolle“ in arabischen Ländern massenhaft.
Ein ägyptisches Schulbuch stellte sie bspw. als echte Beschlüsse des Zionistenkongresses von Basel dar. Auch Sayyid Qutb und die Muslimbruderschaft übernahmen und islamisierten antisemitische Elemente der Schrift.
1988 – Hamas-Charta
Die Hamas bezieht sich in ihrer Gründungscharta ausdrücklich auf die „Protokolle“, die dort als „Plan der Zionisten“ bezeichnet werden. Sie dienten zur religiösen Legitimation des politischen Antisemitismus.
1990er – Russland und Osteuropa
Nationale Bewegungen wie Pamjat griffen die „Protokolle“ erneut auf.
Sie zirkulierten auch in antizionistischen Gruppen des Nahen Ostens und prägten post-sowjetische Verschwörungserzählungen.
2000er – Islamistische und staatliche Medienproduktionen
Die syrische TV-Serie „Asch Schatat“ (2003) zeigt eine globale jüdische Verschwörung nach dem Muster der „Protokolle“.
Im Iran produzierte das Staatsfernsehen (IRIB) Reihen wie
„The Secret of Armageddon“
(2008) und
„Al Sameri wa Al Saher“
, die Juden Kontrolle über Medien und Politik zuschreiben.
In arabischen Schulbüchern werden die „Protokolle“ teils noch heute als „authentische Dokumente“ dargestellt.
2010er bis heute – Globale und digitale Zirkulation
US-amerikanische
neonazistische Gruppen
wie die National Alliance, Stormfront, The Daily Stormer, Aryan Nations oder Ku Klux Klan-Ableger verbreiten bis heute Auszüge oder Neuauflagen der
Protokolle
online. Im Umfeld der
„Nation of Islam“
werden die „Protokolle“ als „Spiegelder Wahrheit“ bezeichnet und Juden bspw. in der Schrift
The Secret Relationship Between Blacks and Jews
als Drahtzieher des Sklavenhandels oder der Finanzwelt gezeichnet.
In
Griechenland
wurden sie 2012 von einem Abgeordneten der Partei
Goldene Morgenröte
im Parlament zitiert. In
Südamerika
und
Asien
, u.a. Malaysia werden sie etwa an Flughäfen offen verkauft.
Die „Protokolle“ kursieren außerdem in Verschwörungsmedien, Telegram-Kanälen und Online-Foren wie 8chan/8kun-Foren, Telegram, Gab oder Bitchute weltweit.
Aktuelle Beispiele
Antisemitische Verschwörungsideologie passt sich laufend an aktuelle Ereignisse an – ihre Muster und Bilder bleiben jedoch erstaunlich konstant. Die folgenden vier Phänomenbereiche zeigen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – typische Narrative, die derzeit in sozialen Medien und öffentlichen Debatten kursieren und immer wieder alte antisemitische Verschwörungsmythen neu verpacken. Weitere Beispiele und mögliche Gegenrede stellen wir auf
zur Verfügung.
1) „Elitensteuerung & Finanzmacht“ (Soros/Rothschild, „Great Reset“, WEF)
Marionettenfäden, Oktopus, Dollarzeichen mit Davidstern, Schlagworte wie „Globalisten“, „Finanzelite“, „Neue Weltordnung“, „WEF/Great Reset“.
Kernnarrativ:
Eine kleine (jüdische) Elite ziehe im Geheimen die Fäden von Politik, Medien, Wirtschaft; Soros/Rothschild dienen als Chiffren. Das WEF/„Great Reset“ wird als Tarnname für Enteignung und Totalherrschaft umgedeutet.
Aktuelle Quellen/Beispiele:
- Überblick zu Codes („Great Reset“, „Great Replacement“ als jüdischer Plan) in einer aktuellen Unterrichtshilfe, inkl. Visual-Codes. PDF: https://www.an-allem-schuld.de/fileadmin/Redaktion/Materialien/Antisemitismus_und_Verschw%C3%B6rungstheorien/AS-und-Verschw%C3%B6rungstheorien_f%C3%BCr_Lehrkr%C3%A4fte_%C3%9Cbersicht_Codes.pdf
- Behörden- und Bildungsübersicht mit konkreten Beispielen (u.a. Soros/Rothschild als „Marionettenspieler“). Link zur Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit: https://www.blz.bayern.de/antisemitische-verschwoerungstheorien.html
- Erklärung des Institute for Strategic Dialogue: Wie der „Great Reset“ zu einem Verschwörungsdrehkreuz wurde. https://www.isdglobal.org/explainers/the-great-reset/
- Faktencheck des Poynter Institute belegt, dass die WEF-/„Great Reset“-Enteignungsbehauptungen unbelegt sind. https://www.politifact.com/factchecks/2023/sep/28/instagram-posts/world-economic-forum-elites-are-pushing-the-great/
- Eine (englischsprachige) Einordnung des American Jewish Committee, warum „Soros“ als Code antisemitische Tropen triggert. https://www.ajc.org/translatehate/Soros
2) „Kindesentführung & Blutmythos“ (QAnon/Adrenochrom)
Hashtag
#SaveTheChildren
, rote Schuhe, Kinderhände, „Pizzagate“-Motive, Tropfen/Blut-Ikonografie.
Kernnarrativ:
Eine „Elite“ missbrauche und ermorde Kinder, um „Adrenochrom“ zu gewinnen – modernisierte Form der mittelalterlichen Ritualmordlegende.
Aktuelle Quellen/Beispiele:
- Bundesamt für Verfassungsschutz: QAnon verbreitet Verschwörungserzählungen mit Bezügen zum Antisemitismus. https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/glossareintraege/DE/Q/qanon.html
- Wissenschaftliche Analyse des Mis/information Review der Harvard Kennedy School: QAnon kaperte #SaveTheChildren für die eigene Erzählung. https://misinforeview.hks.harvard.edu/article/savethechildren-a-pilot-study-of-a-social-media-movement-co-opted-by-conspiracy-theorists/
- ARTE-Erklärvideo zu Adrenochrom-Mythen, die große Reichweiten auf Social Media erlangen. https://www.youtube.com/watch?v=eZE1BhU02Tw
- De:hate Report der Amadeu Antonio Stiftung über die Aktualisierung der antisemitischen Ritualmordlegende durch QAnon in Deutschland. PDF: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/wp-content/uploads/2020/11/01-dehate-report-QAnon.pdf
3) Antiisraelische „False-Flag-/Medienlüge“-Erzählungen nach dem 7. Oktober 2023
Israel-Flagge mit blutigen Händen, „Mossad hat’s selbst getan“, „Crisis actors“, zusammengeschnittene Kriegsbilder.
Kernnarrativ:
Israel bzw. „die Juden“ hätten Anschläge selbst verübt oder inszeniert, Medien vertuschten „die Wahrheit“.
Aktuelle Quellen/Beispiele:
- Faktencheck des Poynter Institute zeigt: Behauptungen, der 7. Oktober sei „False Flag“, entbehren jeder Belege. https://www.politifact.com/factchecks/2023/oct/13/instagram-posts/false-flag-claims-amid-israel-hamas-violence-lack/
- Liste und Einordnung von falschen und irreführenden Bildern und Videos zum Israel-Hamas-Krieg auf correctiv (2023): https://correctiv.org/faktencheck/hintergrund/2023/10/09/nach-terrorangriffen-der-hamas-in-israel-diese-falschmeldungen-und-geruechte-kursieren/
- ISD-Analyse zeigt, wie „false flag“-Verschwörungstheorien zum 7. Oktober rasant zunahmen und durch vertrauensskeptische Online-Ökosysteme sowie reichweitenstarke „News-Influencer“ befeuert wurden (2025).
https://www.isdglobal.org/digital_dispatches/the-rise-of-false-flag-conspiracy-theories-in-moments-of-crises/
4) „Bevölkerungsaustausch/Migration“ (Kalergi-/„Umvolkungs“-Mythos, Soros steuert Migration)
„Großer Austausch“, „you/jews will not replace us“-Slogans, „Flut“-Metaphern, Soros als Drahtzieher hinter Migration.
Kernnarrativ:
Jüdische Akteure planten, europäische Bevölkerungen durch eine Steuerung von Migration „zu ersetzen“.
Aktuelle Quellen/Beispiele:
- Überblick zu „Bevölkerungsaustausch“ und den immer gleichen Erzählungen von angeblichen „Plänen“ (Kalergi, Hooton, Morgenthau, Kaufman) in rechten Telegram-Milieus (2024): https://www.derfabulant.de/labor/bevoelkerungsaustausch/
- Einordnung des Kalergi-Plans als antisemitische Verschwörungstheorie vom Projekt Fight online Antisemitism (2025): https://foantisemitism.org/kalergi-plan-conspiracy-debunked/
- Dossier der Bundeszentrale für Politische Bildung zu antisemitischen Verschwörungstheorien mit Bezug auf „Austausch“-Erzählungen (2020): https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/321665/antisemitische-verschwoerungstheorien-in-geschichte-und-gegenwart/
Video
In diesem Video zeigen wir, wie alte antisemitische Verschwörungsmythen bis heute weiterwirken – von klassischen Erzählungen über „geheime Mächte“ bis zu ihren modernen Formen im Netz und in der Politik. Es macht deutlich, wie solche Mythen Hass schüren, Schuld verschieben und unsere demokratische Gesellschaft bedrohen.
Quellen und weiterführende Informationen
Das Projekt
der WerteInitiative bietet eine digitale Plattform zur Stärkung einer solidarischen Gegenöffentlichkeit und richtet sich insbesondere gegen antisemitische Verschwörungserzählungen – sie stellt verständlich aufbereitete Informationen und Materialien wie SharePics, Videos und Textbausteine zur Verfügung, damit Nutzer:innen online wirkungsvoll widersprechen können. Die Seite bietet außerdem eine Sammlung an Ansprechstellen und Projekten im Themenfeld Verschwörungsglaube und Antisemitismus.
Aktuelle Erhebungen zum Thema
Bertelsmann-Religionsmonitor 2025
Verschwörungsglaube ist in Deutschland insgesamt leicht zurückgegangen, aber immer noch ist ein Fünftel bis zu fast einem Drittel der Bevölkerung ansprechbar für Verschwörungsnarrative.
Quelle: Below/El-Menouar/Michalowski (2025):
Verschwörungsglaube als Gefahr für Demokratie und Zusammenhalt. Religionsmonitor 2025
. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.
Leipziger Autoritarismus-Studie 2024
Die Studie beschreibt Antisemitismus als „Brückenideologie“, die unterschiedliche Milieus verbindet, was die Anschlussfähigkeit antisemitischer Verschwörungsdeutungen quer durch das Spektrum unterstreicht.
Quelle: Decker, O., Kiess, J., Heller, A., & Brähler, E. (Hrsg.) (2024):
Leipziger Autoritarismus-Studie 2024: Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen
. Gießen: Psychosozial-Verlag. PDF:
Befunde zur Verbreitung antisemitischer Einstellungen in Deutschland, Zeitschrift für Religion, Gesellschaft und Politik (2024)
Neigungen zur Akzeptanz von Verschwörungsnarrativen erweisen sich für alle untersuchten Gruppen als ein stabiler, signifikanter Prädiktor für antisemitischer Einstellungen.
Quelle: Decker/Heinke/Brähler (2024): „Importierter Antisemitismus“? Differenzierende Wahrnehmungen in Deutschland lebender Jüdinnen und Juden zum politisch-islamischen Antisemitismus als Problem und Debatte.
Zeitschrift für Religion, Gesellschaft und Politik, 8
, S. 325-356.
Bertelsmann-Religionsmonitor kompakt 2023
„In der deutschen Gesamtbevölkerung stimmen 21 % der Aussage „Jüdinnen und Juden haben zu viel Einfluss in Deutschland“ zu.
Quelle: Bertelsmann Stiftung (2023).
Antisemitismus, Rassismus und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Ein Blick auf Deutschland in Zeiten der Eskalation in Nahost. Religionsmonitor kompakt
. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.
BfV-Lagebild Antisemitismus 2022/23
In den Phänomenbereichen „Reichsbürger/Selbstverwalter“ und der „verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates“ sind antisemitische Verschwörungsideologien verbreitet und fungieren als ideologischer Kitt.
Quelle: Bundesamt für Verfassungsschutz (2024).
Lagebild Antisemitismus 2022/23
. Berlin: BfV.
Zum Weiterlesen
Amadeu Antonio Stiftung Sachsen (Hg.) (2020): FAQ Verschwörungsideologien. PDF:
Amadeu Antonio Stiftung (2015): No World Order. Wie antisemitische Verschwörungsideologien die Welt verklären, Berlin. Download PDF unter:
Butter, Michael (2020): Antisemitische Verschwörungstheorien in Geschichte und Gegenwart.
Decker, Oliver u.a. (2024): Vereint im Ressentiment. Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen. Leipziger Autoritarismus Studie 2024. Reihe böll.paper. Download:
Evans, Richard J. (2022): Das Dritte Reich und seine Verschwörungstheorien. Wer sie in die Welt gesetzt hat und wem sie nutzen. Bonn: Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Bd. 10866.
Kleinen-von Königslöw, Katharina/von Nordheim, Gerret (2021): Verschwörungstheorien in sozialen Netzwerken am Beispiel von QAnon. Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
Lamberty, Pia (2020): Antisemitismus und Verschwörungserzählungen.
Quellen zu den Protokollen der Weisen von Zion
Allgemeine Überblickswerke
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Warrant for Genocide: The Myth of the Jewish World-Conspiracy and the Protocols of the Elders of Zion.
London: Eyre & Spottiswoode.
Encyclopedia of the Holocaust / United States Holocaust Memorial Museum (USHMM):
„Protocols of the Elders of Zion – Key Dates“,
Hagemeister, Michael / Klier, John (Hg.) (2020):
The “Protocols of the Elders of Zion” and the Myth of a Jewish World Conspiracy.
Oxford University Press.
Nirenberg, David (2013):
Anti-Judaism: The Western Tradition.
New York: W.W. Norton.
Segel, Binjamin (2017) (Original 1924): Die Protokolle der Weisen von Zion kritisch beleuchtet. Eine Erledigung. Freiburg: ça ira-Verlag.
Frühe Verbreitung (1919–1945)
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Henry Ford and the Jews: The Mass Production of Hate.
New York: Public Affairs.
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Protokolle der Weisen von Zion.
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Hagemeister, Michael. (2011).
Die „Protokolle der Weisen von Zion“ vor Gericht: Der Berner Prozess 1933–1937 und die „antisemitische Internationale“.
Zürich: Chronos Verlag.
Nach 1945 – Arabische Welt, Islamismus, Kalter Krieg
Bösch, Frank (Hg.) (2021):
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Herf, Jeffrey (2009):
Nazi Propaganda for the Arab World.
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Küntzel, Matthias (2002):
Djihad und Judenhaß. Über den neuen antijüdischen Krieg.
Freiburg: ça ira-Verlag.
University of Vienna / Department of Near Eastern Studies: Forschungsprojekt
„Antisemitism and Islamism: Sayyid Qutb’s Legacy“
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Post-Sowjetische und globale Rezeption (1990er–heute)
Barkun, Michael (2003):
A Culture of Conspiracy: Apocalyptic Visions in Contemporary America.
Berkeley: University of California Press.
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MEMRI (Middle East Media Research Institute): Berichte zu iranischen TV-Produktionen (
Al Sameri wa Al Saher
,
The Secret of Armageddon
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Tel Aviv University:
Kantor Center Reports on Contemporary Antisemitism
, 2018–2024.
Zukunft braucht Erinnerung:
„Die Protokolle der Weisen von Zion – Wirkungsgeschichte“
,
Primärquellen und Archive
: Schulbucharchive, dokumentiert in der
Holocaust Encyclopedia (USHMM).Franz Eher Nachfolger Verlag
(NSDAP-Parteiverlag): Publikationsregister im
Bundesarchiv Berlin.Islamic Republic of Iran Broadcasting (IRIB)
: Programmkataloge und Übersetzungen durch MEMRI.
Hamas
(1988):
The Covenant of the Islamic Resistance Movement (Hamas Charter)
– engl. Übersetzung durch Yale Law School,
Avalon Project.The Dearborn Independent
(1920–1927): Digitalisate in der
Henry Ford Collection
, Benson Ford Research Center, Michigan.
Verschwörungsideologie
Allmacht und ständige Bedrohung
Christlicher Antijudaismus
Uralte Bilder, lebendige Tradition
Nationalistische Konstruktionen
Ausschluss des „Anderen“
Islamischer Antisemitismus
Eine fatale Synthese
Post-Shoah
Antisemitische Geschichtsverarbeitung
Israelbezogener Antisemitismus
Der „Jude unter den Staaten“
Verschwörungsideologie
Allmacht und ständige Bedrohung
Christlicher Antijudaismus
Uralte Bilder, lebendige Tradition
Nationalistische Konstruktionen
Ausschluss des „Anderen“
Islamischer Antisemitismus
Eine fatale Synthese
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Israelbezogener Antisemitismus
Der „Jude unter den Staaten“