Ein ICE namens „Anne Frank“

Gut gemeint war die Absicht der Deutschen Bahn, ihre Kunden Vorschläge zur Namensgebung ihrer die neusten ICE-Generation einreichen zu lassen. Über 19.000 Vorschläge gab es, aus denen eine Jury u.a. „Anne Frank“ als einen geeigneten Namen kürte.

Hintergrund: https://www.welt.de/wirtschaft/article170178980/Anne-Frank-Museum-kann-Aufregung-um-Zug-Benennung-verstehen.html

Die Vorstellung, dass ein so benannter Zug durch deutsche Bahnhöfe rollt, war für einige irritierend und die WerteInitiative wurde gebeten, sich zu engagieren. „Soll ein deutscher Zug Anne Frank etwa auch nach Polen fahren?“ lautete die auf den Punkt gebrachte Sorge.

In einem sehr angenehmen und konstruktiven Gespräch zwischen der Kommunikationsleitung der Deutschen Bahn und der WerteInitiative wurde dann schnell klar, dass es gerade die Absicht der Deutschen Bahn war, ihrer historischen Verantwortung als „Transportunternehmen in die Vernichtung“ gerecht zu werden. Als Ergebnis wurde dies in  einer Presseerklärung dargelegt in der die Bahn über die Hintergründe und Absichten der Namensgebung informierte und ankündigte nun zu prüfen, wie sie weiter verfahren werde. In diese interne Diskussion, wird u.a. die WerteInitiative eingebunden und wir beraten hier gerne!

Die Presseerklärung:

Stellungnahme der Deutschen Bahn zur Kritik an der Namensauswahl „Anne Frank“ für ICE-4-Zug

Angesichts aktueller Vorwürfe, einen ICE 4 mit dem Namen „Anne Frank“ zu benennen sei pietätlos, erklärt die Deutsche Bahn:

(Berlin, 30. Oktober 2017) Es ist in keiner Weise beabsichtigt, das Andenken Anne Franks zu beschädigen. Vielmehr hat die DB im Bewusstsein um ihre historische Verantwortung entschieden, die Erinnerung an Anne Frank wachzuhalten. Sollte die DB dabei Gefühle verletzt haben, dann tut es ihr sehr leid. Alle Jurymitglieder waren sich einig, Anne Frank als außergewöhnliche Persönlichkeit zu ehren. Die Vorschläge für die ICE-4-Namen kamen von DB-Kunden und engagierten Bürgern. Dabei war der Name Anne Frank unter den Top-Vorschlägen der insgesamt rund 19.400 Einreichungen. Selbstverständlich wird die DB die aktuell in der Öffentlichkeit geäußerten Bedenken ernst nehmen und in ihre folgenden internen Diskussionen aufgreifen. Jüdische Organisationen haben ihr dabei ihre beratende Begleitung zugesagt.

Die DB setzt sich seit ihrer Gründung kritisch mit der Geschichte ihrer Vorläuferorganisationen auseinander. Dafür stehen z.B. die Aufarbeitung der Beschäftigung von Zwangsarbeitern und das öffentlich zugänglichen Mahnmal „Gleis 17“ am S-Bahnhof Berlin-Grunewald, an dem regelmäßig Gedenk- und Erinnerungsveranstaltungen stattfinden. Im DB Museum in Nürnberg ist der Rolle der Reichsbahn im Nationalsozialismus eine eigene Dauerausstellung gewidmet.