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Stellenausschreibung für

Vorstandsreferent (m/w/d)

Die WerteInitiative. jüdisch-deutsche Positionen e.V. tritt als jüdische NGO insbesondere an, um die jüdische Zukunft in Deutschland zu sichern. Wir engagieren uns für ein friedliches, gesellschaftliches Miteinander basierend auf Respekt, Menschenwürde und Freiheit. Wir ergreifen daher Initiative gegen Diskriminierung, Rassismus, Extremismus und gegen Antisemitismus. Wir stärken die freiheitliche Demokratie und fördern das deutsch-israelische Verhältnis.

Zum 01.12.2022 ist die Stelle des Vorstandsreferenten (m/w/d) in Vollzeit (39 Wochenstunden) zu besetzen. Die Anstellung erfolgt unbefristet.
Der Arbeitsort ist in Berlin-Mitte in unmittelbarer U-Bahn-Nähe.

Tätigkeitsprofil

  • Monitoring der politischen/kulturellen/wirtschaftlichen Themen rund um jüdisches Leben in Deutschland.
  • Aufbereitung und Verfassung fachkundiger Tisch- und Entscheidungsvorlagen für den Vorstand
  • Verfassen von Statements, Konzepten, Papieren, Presseerklärungen etc.
  • Vor- und Nachbereitung sowie Begleitung des Vorstands zu Terminen
  • Verfassen von Ergebnisprotokollen der Termine und Verarbeitung für Beiträge auf Website, in Social Media, in Newsletter
  • Entwicklung und Umsetzung neuer Veranstaltungsformate des Vereins
  • Fachliche Anleitung eines Referenten-Teams
  • Organisation von Veranstaltungen des Vereins mit überregionalem Charakter
  • Kontaktpflege und Erweiterung des Netzwerks der WerteInitiative

Anforderungen

  • Hochschulstudium (mind. Bachelorabschluss / bevorzugt Geistes- und Sozialwissenschaften) oder umfassende Erfahrungen im ausgeschriebenen Arbeitsfeld
  • Kenntnisse der politischen Landschaft in Deutschland, grundlegende Kenntnisse im Bereich jüdischer Themen
  • Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft
  • Sehr gute Organisationsfähigkeit, Eigenständigkeit und Fähigkeit, sich in komplexe Themen einzufinden
  • Exzellente Kommunikationsfähigkeit, gute Ausdrucksfähigkeit im Deutschen, Erfahrung im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit
  • Erfahrung in der Handhabung sozialer Medien (Instagram, Twitter, Facebook)
  • Grundkenntnisse in Bildbearbeitung (z.B. Canva, InDesign, Photoshop) wünschenswert
  • Erfahrung auf dem Gebiet der Vereinsarbeit von Vorteil

Wir bieten

  • eine Einstellung in Entgeltgruppe E11 des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst
  • 30 Urlaubstage bei einer 5-Tage-Woche, zusätzlich freier Tag an Rosch HaSchana und Jom Kippur.
  • ein breites Aufgabenspektrum sowie gute Entwicklungsmöglichkeiten, interessante, abwechslungsreiche und anspruchsvolle Tätigkeiten in einem kompetenten und kreativen Team
  • Freiraum zur Verwirklichung eigener Ideen in Ihrem Verantwortungsbereich
  • Offene, wertschätzende Kommunikations- und Arbeitskultur, regelmäßige Reflexionsformate und eigenverantwortliches Arbeiten

Wir bitten Sie, Ihre  Bewerbung an vorstand (at) werteinitiative.de zu senden.

Unkategorisiert

Kommentator Länderspiel Deutschland gegen Israel heute im ZDF

Ein übler Fußballabend beim Länderspiel Deutschland gegen Israel am 26.3.2022 im ZDF: Wenn das antisemitische Israelbild des Kommentators Oliver Schmidt innerlich so sehr zu drücken scheint, dass es in noch so absurdem Zusammenhang herausbricht, dann: willkommen beim ZDF.
Der israelische Sportdirektor möchte bewusst politische Äußerungen seines Teams in den sozialen Medien vermeiden – wie es übrigens häufig üblich ist. Richtig so, denn Sport soll vereinen und nicht trennen. Der Sportstudio-Kommentator will es aber besser wissen und ergänzt eifrig, dass es in Israel generell so sei, dass die arabisch-israelischen Sportler nur solange akzeptiert würden, so lange sie still wären, sonst gäbe es „Gegenwind von konservativen und orthodoxen Kräften“.
Das nennt man israelbezogenen Antisemitismus – ein bekanntes und gerne kleingeredetes Phänomen.
Wir fragen: ZDF, inwiefern stimmen die o.g. Äußerungen Ihres Kommentators mit den Grundsätzen Ihres Hauses überein?
WI-Talk

WI-Talk mit S. E. Jeremy Issacharoff Botschafter des Staates Israel in Deutschland im Abschiedsgespräch

WI-Talk mit dem israelischen Botschafter: S. E. Jeremy Issacharoff im Abschiedsgespräch mit der WerteInitiative – jüdisch-deutsche Positionen.
Seine letzten Tage als israelischer Botschafter in Deutschland. Im Gespräch mit der WerteInitiative reflektiert er mit uns über seine Amtszeit, gibt Einblicke in die letzten fünf Jahre und erzählt uns vielleicht etwas über seine Zukunftspläne.

Fast alle jüdischen Bürgerinnen und Bürger haben eine besondere Beziehung zum Staat Israel. Entsprechend groß ist auch ihr Interesse daran, was dessen Vertreter in Deutschland macht.

Wir freuen uns sehr, S. E. Jeremy Issacharoff zu seinem Abschiedsgespräch bei uns im Studio begrüßen zu dürfen.

S. E. Jeremy Issacharoff ist israelischer Diplomat und seit August 2017 Botschafter des Staates Israel in Deutschland. Im Frühjahr 2022 endet seine Amtszeit in Deutschland.

Das Gespräch ist Teil der Reihe „WI-Talk“, wird moderiert von Dr. Maja Vataman und findet auf Englisch statt.

Aktivitäten

Bundespolitisches Seminar für rund um jüdisches Leben Engagierte

Unsere Young Leadership Bildungsreise ins politische Berlin fand vom 21.-23. November 2021 statt. Wir hatten ein dichtes, spannendes Programm: Darunter Gesprächsrunden mit aktiven jüdischen Politikerinnen und Politikern, die von ihrer persönlichen „jüdischen Innenperspektive“ auf ihre politische Arbeit erzählt haben.

Die jüdisch-politische Innensicht

Darunter Gesprächsrunden mit aktiven jüdischen Politikerinnen und Politikern, die von ihrer persönlichen „jüdischen Innenperspektive“ auf ihre politische Arbeit erzählt haben.

Marian Offman (SPD) hat die Notwendigkeit jüdischen Engagements in der Politik betont.

Michaela Michalowitz (CDU) hat unter anderem über die Wahrnehmung von außen als jüdische Politikerin gesprochen.

Sergey Lagodinsky (Bündnis 90/Die Grünen) hat unsere jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer motiviert, sich für ihre persönlich brennenden Themen zu engagieren.

Wie hinein und wie heraus aus dem Bundestag. Und: was passiert danach?

Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen), Fritz Felgentreu (SPD), Klaus-Dieter Gröhler (CDU) haben über ihre persönliche Politisierung gesprochen und darüber, welche Themen sie dazu beeinflusst haben, als Berufspolitiker in den Bundestag zu gehen. Und auch: wie geht es weiter, wenn man mal nicht mehr Bundestagsabgeordneter ist.

Unser Tag im Bundestag. Meet the MdBs:

Benjamin Strasser von der FDP-Fraktion hat uns Einblicke in seine Arbeit als Abgeordneter und insbesondere als Antisemitismusbeauftragter seiner Fraktion gegeben.

Dietmar Bartsch ist Fraktionsvorsitzender der Linken. Er hat uns als Vertreter des „Realo“-Flügels aufschlussreiche Einblicke in die Realitäten linker Politik gegeben.

Kevin Kühnert hat sich als stellvertretender Parteivorsitzender der SPD und ehemaliger Vorsitzender der JUSOS u.a. sehr ausführlich auch zu kritischen Fragen geäußert.

Für die frischgebackene Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger (Bündnis90/Die Grünen) waren unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Politischen Forums die allererste Gruppe, die zu Besuch bei ihr im Bundestag waren.

Thorsten Frei, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion, hat den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über seine bevorstehende Arbeit als Bundestagsabgeordneter nun in der Opposition erzählt.

Nah am Bundespräsidenten…

Der Chef der Inlandsabteilung und Leiter des Planungsstabs des Bundespräsidenten, Dr. Oliver Schmolke, hat uns Einblicke in den Alltag seiner Arbeit für den Bundespräsidenten gegeben. Die Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erstreckten sich hierbei über eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Bereiche.

Die Jugendorganisationen der Parteien

Am zweiten Abend unserer Bildungsreise haben uns Timon Dzienus von der Grünen Jugend, Stefanie Franzl von der Jungen Union, Manon Luther von den Jungsozialisten und Alice Schmidt von den Jungen Liberalen in einer Gesprächs- und Fragerunde Einblicke in junges, parteipolitisches Engagement gegeben.

ELES & die parteinahen Stiftungen

Am letzten Tag unseres Politischen Forums hat Dr. David Kowalski das Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerk (ELES) vorgestellt und erzählt, dass das jüdische Begabtenförderungswerk für ein traditionsbewusstes und pluralistisches Judentum steht.

Danach haben Daniel Feldhaus von der Konrad-Adenauer-Stiftung, Vera Lorenz von der Heinrich-Böll-Stiftung, Franziska Schröter von der Friedrich-Ebert-Stiftung und Teresa Widlok von der Friedrich-Naumann-Stiftung ihre jeweiligen parteinahen Stiftungen präsentiert und sich im Anschluss den Fragen unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer gestellt.

Das Politische Forum

Schließlich präsentierten sich die Jüdische Studierendenunion Deutschlands (JSUD) und die WerteInitiative (WI) mit ihrer Arbeit.

Eine jährliche Wiederholung dieses bundespolitischen und überparteilichen Seminars und unterjährige, themenbezogene Veranstaltungen sind geplant. Ausserdem werden WI und JSUD gemeinsam für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars eine Kommunikationsbasis schaffen und so eine Verstetigung des Austauschs ermöglichen.

Veranstaltungen

WI vor Ort – Düsseldorf

Jüdische Düsseldorferinnen und Düsseldorfer sind interessiert und bewegt von politischen Themen. Das bewies die rege Teilnahme an unserer Veranstaltung, bei welcher eine Vielzahl an für die Teilnehmenden wichtigen Themen zur Sprache kamen. Es bestand Konsens, dass der wichtigste Schritt zur Festigung einer demokratischen Gesellschaft die politische Bildung ist. Den Rechtsstaat erlebten viele der Teilnehmenden als bisweilen hilflos gegenüber dem immer offener sichtbaren Judenhass.
Unser Vorsitzender nutzte die Gelegenheit, um die Arbeit der WerteInitiative vorzustellen und hat sich über das Interesse der Teilnehmer sehr gefreut. Sein Impuls, sich politisch zu engagieren scheint auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein.
Danke an Alon Dorn und das Berial Boutiquehotel für die Gastfreundschaft! „WerteInitiative vor Ort“ hat sich erneut (und endlich wieder „nach Corona“) als Gesprächsformat nahe an der jüdischen Gemeinschaft erwiesen. Wir bleiben für Euch dran!
Demnächst in Hamburg und Hannover!
Veranstaltungen

Prof. Dr. Thomas Fischer liest aus seinem Buch „Über das Strafen“

Über Recht und Sicherheit in der demokratischen Gesellschaft

Prof. Thomas Fischer (ehem. Vorsitzender am Bundesgerichtshof) liest aus seinem neuen Buch „Über das Strafen“

Wann: Mittwoch, 27. Oktober 2021, 19:00 Uhr
Wo: Literaturhandlung Berlin, Joachimsthaler Str. 13, 10719 Berlin

Veranstaltung in Kooperation mit der Literaturhandlung

Hier der Video-Mitschnitt

Wie wirken Strafen bei Ideologen und demokratiefeindlichen Tätern? Werden unser Strafgesetz und Richter den Anforderungen in einer von Online-Hass und Fake News durchwachsenen Gesellschaft gerecht? Welche Entwicklungen stehen an?

Für den leidenschaftlichen und wortmächtigen Strafjuristen Thomas Fischer geht es in seinem aktuellen Buch „Über das Strafen: Recht und Sicherheit in der demokratischen Gesellschaft“ um das, was unsere Gesellschaft zusammenhält: Ein selbstgegebenes Regelwerk, unser Rechtssystem, das von vielen Bedingungen abhängt und in ständiger Bewegung ist. Wie kein anderes Rechtsgebiet steht das Strafrecht im Fokus öffentlichen Interesses. Als Grundlage staatlichen Handelns verspricht es Sicherheit, aber es ist auch ein Ort, an dem grundlegende Fragen des gesellschaftlichen Lebens, der Freiheitsspielräume und der Verantwortung verhandelt und besprochen werden. Fischers These: Strafrecht ist Kommunikation und Gewalt.

Der weit über seine Fachkreise hinaus bekannte frühere Bundesrichter liest aus seinem Buch und ist anschließend mit dem Rechtsanwalt Nathan Gelbart sowie mit dem Publikum im Gespräch.

Thomas Fischer, geboren 1953 in Werdohl, studierte Germanistik in Frankfurt am Main sowie Jura und Soziologie in Würzburg. Er ist Rechtswissenschaftler und früherer Vorsitzender des 2. Senats des Bundesgerichtshofs. Einer breiten Öffentlichkeit ist er durch seine beliebten und kontrovers diskutierten Kolumnen „Fischer im Recht“ und „Recht haben“ sowie durch Fernsehauftritte bekannt.

Nathan Gelbart, geboren 1966 in Frankfurt/Main ist Rechtsanwalt in Berlin und Tel-Aviv. Studium der Rechtswissenschaften in Frankfurt und Mainz. Seine Schwerpunkte sind Immobilien- und Medienrecht und Deutsch-Israelischer Rechtsverkehr.

Hinweis: Im Rahmen der Veranstaltung werden Fotos, Ton- und Videoaufnahmen zur öffentlichen Verwertung ohne namentliche Kennzeichnung erstellt. Durch Ihre Teilnahme stimmen Sie dieser Regelung zu.

Website von Herrn Prof. Fischer:

Ticketpreis: 10 Euro (8 Euro für Mitglieder)

Es gilt folgender Einlassvorbehalt: Personen, die extremen Parteien oder Organisationen angehören, erkennbar oder bekanntermaßen einer extremistischen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Öffentlichkeit

Kommentar: „Gegen die Lagerbildung! Der Fall ‚El-Hassan'“

In Absprache mit uns ist eine stark gekürzte Version am 04.10.2021 in der TAZ erschienen: https://bit.ly/3l5wGsz 

Da sind sie wieder, die Reflexe. Die Journalistin Nemi El-Hassan sollte Moderatorin des renommierten WDR-Wissenschaftsmagazins „Quarks“ werden. Als Recherchen zeigten, dass sie 2014 am berüchtigten, antisemitischen Al-Quds Marsch teilnahm, legte der WDR die Personalentscheidung auf Eis und kündigte an, den Fall in Ruhe zu prüfen. Frau El-Hassan distanzierte sich von Antisemitismus, Hass und Islamismus. Sie betont inzwischen, ein anderer Mensch zu sein. So weit so gut. Menschen können sich ändern und haben zweite Chancen verdient. Wie weitere Recherchen zeigten, likte und teilte El-Hassan jedoch noch bis September 2021 problematische Postings.

Kaum wurden die Vorwürfe veröffentlicht, gingen die Reflexe los und politische Akteure begannen, die Situation durch eine ihnen genehm getönte Brille zu betrachten: Je weiter rechts die Akteure stehen, desto klarer scheint ihnen der Fall El-Hassan. Die Nichtintegrierbarkeit von Muslimen scheint ihnen bewiesen und so manch anderer Unsinn wird verkündet. Zwischentöne und Widersprüche existieren nicht. Die Welt wird in Gut und Böse geteilt. Darüber hinaus feiern die Gegner des öffentlich-rechtlichen Rundfunks die Causa als „Systemversagen“ und verkünden eine Islamisierung der deutschen Gesellschaft, die freilich nur in ihrer Einbildung existiert.
Ein insgesamt gefährliches Narrativ, das primär der extremen Rechten dient.

Aber auch die reflexhafte Reaktion ihrer Verteidiger folgte auf den Fuß. In einem offenen Brief sehen sich Hunderte dazu veranlasst, den Diskurs vom eigentlichen Thema weg zu verlagern: Plötzlich steht nicht mehr die Personalpolitik des ZDF, des WDR oder El-Hassans Teilnahme an einer antisemitischen Demonstration und ihre israelfeindlichen Äußerungen im Fokus der Debatte, sondern dass die Kritik daran als rassistisch gelabelt wird. So werden drei Dinge erschwert.

Erstens der Blick darauf, was nötig für eine „zweite Chance“ wäre, zweitens wird die produktive Diskussion über (israel-)bezogenen Antisemitismus in der (post-)migrantischen Gesellschaft dadurch unmöglich. Und drittens soll die Überprüfung, ob die Distanzierung und Abwendung von Frau El-Hassan tatsächlich glaubwürdig ist, dadurch vorweggenommen werden.

Dass rassistische Akteure die Diskussion um Frau El-Hassan für ihre Zwecke missbrauchen, verurteilen wir auf das Schärfste. Aber der Unterstützungsbrief ist weit mehr als eine antirassistische Solidaritätskampagne. Dies wird deutlich, wenn man nicht wenige Unterzeichner des Briefes näher betrachtet: So finden sich dort offene BDS-Unterstützer, bekennende Antizionisten und Türöffner des Politischen Islam. Ihnen geht es um etwas anderes: Gerechtfertigte Kritik an antisemitischen Manifestationen zurückzuweisen und antiisraelische Agitation zu normalisieren.

Kritik von jüdischen Institutionen, auch vom Zentralrat der Juden, wird als „rechte Kampagne“ diskreditiert und aus dem (zulässigen) Diskurs gedrängt. Anstatt inhaltlich über die möglichen antisemitischen Haltungen Frau El-Hassans zu diskutieren, wird der Diskurs auf die Metaebene der Deutungshoheit über Antisemitismus gehoben.

Es ist legitim, kein Fan der israelischen Politik zu sein. Und auch wir aus der jüdischen Community müssen anerkennen, dass in diesem Fall eine Frau mit palästinensischen Wurzeln Erfahrungen und Narrative in sich trägt, die nicht die unseren sind. Aber es gibt Grenzen. Diese beginnen spätestens (!) dort, wo dem jüdischen Staat sein Existenzrecht oder seine Sicherheit abgesprochen werden.

Frau El-Hassan hat sich in einem antisemitischen und islamistischen Umfeld bewegt und engagiert. Davon hat sie sich distanziert. Das ist löblich und wird an ihrem Handeln zu messen sein. Dazu gehört aber auch, sich von keinem Lager vereinnahmen zu lassen. Und für die diversen Diskutanten gilt: Erst, wenn wir Situationen in der Sache diskutieren und sie nicht reflexartig als Beleg unseres eigenen politischen Weltbildes verstehen, haben wir eine Chance als Gesellschaft einen Schritt weiterzukommen.

Elio Adler

Aktivitäten

WerteInitiative formuliert Handlungsempfehlungen für eine jüdische Zukunft in Deutschland

Dieses Jahr feiern wir ein Jubiläum: Seit mehr als 1700 Jahren leben Juden in Deutschland. Doch trotz dieser langen Geschichte fühlt sich die Zukunft für jüdische Menschen nicht gesichert an.

Gerade in den letzten beiden Jahren ist dies besonders deutlich geworden: Der Anschlag von Halle, der massiv sichtbare Anteil antisemitischer Verschwörungsmythen im Rahmen der Corona-Proteste und zuletzt die hasserfüllten Demonstrationen während der Angriffe der Hamas auf Israel haben uns gezeigt: Eine jüdische Zukunft in Deutschland ist in Gefahr. Antisemitismus von rechts, links und von Teilen der muslimischen Community treffen sich mit antisemitischen Bildern aus der Mitte der Gesellschaft.

Daher haben wir mit Unterstützung von rund einem Dutzend Organisationen Handlungsempfehlungen für die Politik aufgestellt. Es ist 10 nach 12. Bitte handeln Sie!

1. Jüdisches Leben und damit auch die jüdische Religionspraxis hat eine große Bandbreite. Dafür müssen die Grundbedingungen gesichert bleiben.

2. Ein konkreter, umfassender und funktionierender, rechtsstaatlicher Schutzschild gegen Antisemitismus ist dringend notwendig: Innenpolitisch, juristisch und bildungspolitisch. Eine Vielzahl von Organisationen steht dafür als kompetente Ansprechpartner zur Verfügung.

3. Antisemitische Organisationen sollten in Deutschland konsequent verboten und deren Strukturen ausgetrocknet werden, egal aus welcher politischen Richtung sie kommen. Terrororganisationen wie die PFLP und die Hamas dürfen in Deutschland keinen Rückzugsraum sehen. Setzen Sie erlassene Verbote, wie das der Hisbollah, auch konsequent um. Schließen Sie die zutiefst antisemitischen Parteien („Die Rechte“ und „Der III. Weg“) von der Parteienfinanzierung aus und prüfen Sie Parteiverbote.

4. Die islamistische Einflussnahme der türkischen Regierung und des iranischen Regimes in Deutschland, die sie über von ihnen beeinflusste Verbände ausüben, muss dringend eingeschränkt werden. DITIB, Millî Görüş, IZH, IGS, ATIB, DMG und andere Akteure des Politischen Islam dürfen keine Kooperationspartner der deutschen Politik sein.

5. Bedingungslose Hilfszahlungen an die UNRWA sollten beendet werden. Die Gelder werden unter anderem für die Verbreitung antisemitischer Indoktrination in Schulen und Lehrmaterialien missbraucht. Daher ist es wichtig, Hilfszahlungen an eine eindeutige Veränderung des Lehrplans zu koppeln. Deutschland sollte eine Integration der UNRWA in die UNHCR unterstützen.

6. Iranischen Judenhass spüren Jüdinnen und Juden bis nach Deutschland. Begegnen Sie dem antisemitischen Mullah-Regime im Iran mit voller Härte statt mit diplomatischer Eleganz und wirtschaftlich ausgestreckter Hand. Eine atomare Bewaffnung des Regimes gilt es mit allen Mitteln zu verhindern! Stärken Sie die iranische Opposition und Zivilgesellschaft.

7. Abstimmungen gegen Israel in der UNO und in ihren Gremien, die routinemäßig von antiisraelischen und zumeist demokratiefeindlichen Staaten gefordert werden, sollten von Deutschland nicht mehr mitgetragen werden.

8. Fördern Sie bei Menschen, die bei uns Schutz suchen oder bei uns leben wollen eine Integration, die den Kampf gegen Antisemitismus als wesentliche Säule behandelt.

9. Betrachten Sie Online-Hass als ebenso gefährlich wie Offline-Straftaten. Steigern Sie diesbezüglich die Effizienz der Strafverfolgung.

10. Jüdische Einrichtungen brauchen konsequenten Schutz. Der Staat sollte dafür die vollständigen Kosten übernehmen.

11. Jüdische Zuwanderer werden gegenüber Spätaussiedlern im Renten- und Staatsangehörigkeitsgesetz benachteiligt. Dieser Zustand sollte dringend korrigiert werden. Es braucht dazu eine zeitnahe Umsetzung der Härtefallregelung zur Abmilderung der Altersarmut jüdischer Zuwanderer. Es gilt der Lebensleistung der Zuwanderergeneration und der historischen Verantwortung für die Wiederherstellung jüdischen Lebens in Deutschland gerecht zu werden.

12. Demokratiefeindliche Einstellungen in Sicherheitsbehörden sind eine besondere Gefährdung für die Demokratie. Unseren Rechtsstaat kann nur verteidigen, wer mit beiden Beinen auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Nehmen Sie diese Bedrohung ernst und handeln Sie!

13. Antizionismus und Antisemitismus gehen sehr häufig miteinander einher. Nehmen Sie Israel-bezogenen Antisemitismus ernst und orientieren Sie sich dabei an der IHRA-Arbeitsdefinition zu Antisemitismus. Setzen Sie sich für die konsequente Übernahme und Anwendung der IHRA-Definition auf der Ebene staatlicher wie auch nichtstaatlicher Stellen, Organisationen, Verbände, Vereine und Gesellschaften ein.

14. Bis heute ist die Erfassung antisemitischer Straftaten ungenau. Ein tragfähiges Konzept für die genauere Erfassung ist dringend notwendig. Achten Sie dabei auf die Aussagen von Betroffenen.

15. Der Kampf für unsere Demokratie ist eine Investition in die Zukunft. Statten Sie Bildungsarbeit, die auch die modernen Formen der Judenfeindschaft in den Blick nimmt, mit genügend finanziellen Mitteln aus. Verabschieden Sie ein Demokratiefördergesetz, das die Bildung gegen Rassismus und Antisemitismus dauerhaft fördert.

16. Die Werte unseres Grundgesetzes werden oftmals zu wenig oder zu abstrakt kommuniziert. Machen Sie die Werte des Grundgesetzes sichtbar, erlebbar und fühlbar und ermöglichen Sie der gesellschaftlichen Mitte ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

17. Stellen Sie sich beständig an die Seite von Jüdinnen und Juden als integraler Teil der Gesellschaft.

Die WerteInitiative – jüdisch-deutsche Positionen e.V. dankt nachfolgenden Organisationen für ihre inhaltliche Mitarbeit und/oder Unterstützung der Forderungen:
• Amadeu-Antonio-Stiftung
• Christen an der Seite Israels e.V.
• DEIN Verein für Demokratie und Information e.V.
• Deutsch-Israelische-Gesellschaft e.V. (DIG)
• Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V.
• Europäische Janusz Korczak Akademie e.V. (EJKA)
• European Union of Jewish Students (EUJS)
• Initiative 27. Januar e.V.
• Jehi ʼOr« Jüdisches Bildungswerk für Demokratie – gegen Antisemitismus gUG (JBDA)
• Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) e.V.
• Jüdische Studierenden Union Deutschland (JSUD)
• MAKKABI Deutschland e.V.
• Mideast Freedom Forum Berlin e.V. (MFFB)
• Scholars for Peace in the Middle East Germany e.V. (SPME)
• Studentim – Jüdische Studierendeninitiative Berlin e.V

Aktivitäten

Bei Botschafter Boris Ruge, stellv. Vorsitzendem der Münchener Sicherheitskonferenz

Als jüdische Bürgerinnen und Bürger erleben wir die enge Verbindung von Aussen-/Sicherheitspolitik und der Atmosphäre in Deutschland.

Daher war es uns wichtig, einen der Menschen wiederzutreffen, deren Organisation der internationalen Außenpolitik eines der bedeutendsten Foren bietet: Botschafter Boris Ruge ist stellvertretender Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). Auf der MSC treffen sich jährlich Staatschefs, Minister, Entscheidungsträger und Experten in einem nicht-staatlichen Rahmen, um in vertraulicher Atmosphäre über aktuelle oder sich ankündigende Themen zu sprechen.

Tagesaktuell beschäftigte uns im Gespräch natürlich die katastrophale Situation in Afghanistan und welche Lehren daraus möglicherweise gezogen werden könnten. In Mali z.B. könnte eine analoge Situation entstehen. Die unzureichenden Fähigkeiten der Bundeswehr, solche Lagen auch ohne US-Unterstützung bewältigen zu können, stellen gewiss eine Herausforderung dar. Dieser wird sich die nächste Bundesregierung stellen müssen.

Ein weiteres Thema war Nahost. Im Rahmen des bewaffneten Konfliktes zwischen der Hamas und Israel vor wenigen Monaten ist deutlich geworden, wie schnell sich der dortige Konflikt auf Deutschlands Straßen widerspiegelt und welche Relevanz das für das Sicherheitsgefühl von uns Juden hat.

Wir haben außerdem die Gelegenheit genutzt, Herrn Botschafter Ruge von unserer Erhebung zu berichten. Die WerteInitiative befragt derzeit jüdische Bürger, welche Bedeutung für sie einzelne außenpolitische Themen haben und wie sie die derzeitige Politik diesbezüglich einschätzen.

Herr Botschafter Ruge war interessiert daran, den Reader mit den Erhebungsergebnissen nach Fertigstellung zu erhalten.

Herr Botschafter, vielen Dank für das Gespräch!

Öffentlichkeit

WerteInitiative veröffentlicht Videoclip-Serie zur Bundestagswahl

Im Vorfeld der Bundestagswahl hat die WerteInitiative e.V. unter dem Titel „WahlMotivation 2021“ eine achtteilige Videoclip-Serie produziert. Mitglieder der Nichtregierungsorganisation erklären darin, warum für sie eine Teilnahme an den Wahlen als Wähler und als jüdische Deutsche wichtig ist.

Neben regulären Vereinsmitgliedern ist Vorstandsmitglied Lydia Bergida mit dabei, die auch Mitbegründerin der WerteInitiative ist. „Unterstützung für diejenigen Kräfte, die Antisemitismus wirklich bekämpfen wollen, ist existenziell“, sagt sie in ihrem Clip. „Je mehr Demokraten wählen gehen, desto schwächer werden die Radikalen.“

Auch der 85-jährige Bundesverdienstordensträger Herbert Rubinstein, die Ärztin und Buchautorin Yael Adler, der Rapper Ben Salomo und weitere Mitglieder der WerteInitiative werben in Videoclips für das „Wählen gehen“.

Zweck der Serie ist es, uns alle daran zu erinnern, dass Demokratie und Freiheit nicht selbstverständlich sind und parteiunabhängig zum Wählen zu motivieren.

Produziert wurden die „WahlMotivation 2021“-Videos von Ilja Kagan aus Düsseldorf. Der erste Videoclip wird am 23. August 2021 auf den Social Media-Kanälen der WerteInitiative veröffentlicht. Bis zur Wahl folgen sieben weitere Clips.

Unser Mitglied Herbert Rubinstein erscheint in dieser Version.

Michal Liokumowitsch ist Zahnmedizinerin, Oralchirurgin und Mitglied der WerteInitiative.

Lydia Bergida ist Vorstandsmitglied und Mitbegründerin der WerteInitiative.

Die Therapeutin Jaqueline Rosenkranz lebt in Berlin.

Unser Mitglied Max Doehlemann ist Pianist und Komponist.

Die Buchautorin und Ärztin Yael Adler ist Mitglied der WerteInitiative.

Unser Mitglied Diana Gronert ist Personalleiterin.

Auch ein Rapper gehört zu den Mitgliedern der WerteInitiative, nämlich Ben Salomo.