VHS Osnabrück: Wenn Bildung schadet

Aus angeblicher Kontroverse wird einseitige Propaganda

28.02.2018

Die Volkshochschule Osnabrück führt anlässlich “70 Jahre Israel” mehrere höchst bedenkliche Veranstaltungen durch. Sie stärken einseitig das Narrativ der palästinensischen Seite und sind hinsichtlich Themenstellung, Referentenwahl und programmatischer Einbettung einseitig und sehr tendenziös.

Hier die Links zu 2 der Veranstaltungen. Ganz unten unser erstes Anschreiben, darüber die erste Antwort. Wir haben nun umfängliche Recherchen begonnen und werden die Verstrickungen dieser VHS nachweisen.

https://www.vhs-os.de/page_/VhsConnectSearch/courseJump?courseId=507-C-18A7211

https://www.vhs-os.de/page_/VhsConnectSearch/courseJump?courseId=507-C-18A7210

Unser Schreiben an die VHS Osnabrück

Sehr geehrte Damen und Herren,

in unserem Schreiben vom gestrigen Tage haben wir irrtümlicherweise angeführt, dass die „Deutsch-Palästinensische Gesellschaft“ vom Verfassungsschutz NRW als „Deutscher Arm der Hamas bezeichnet wird. Das ist falsch. Der Verfassungsschutz NRW bezeichnet die „Palästinensische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (PGD)“ so. Für das Versehen bitten wir Sie und die  „Deutsch-Palästinensische Gesellschaft“ um Entschuldigung. Unsere Kritik an Ihren Veranstaltungen bleibt jedoch – nun in korrigierter Form – erhalten.

Am 15. Mai findet in Ihrem Haus eine Veranstaltung namens „100 Jahre jüdische Heimstätte Palästina“ statt. Für den 5. Juni wird eine weitere Veranstaltung mit dem Namen „70 Jahre Israel – 70 Jahre Nakba“ angekündigt. Für beide Veranstaltungen ist Ihr Kooperationspartner die „Deutsch palästinensische Gesellschaft“.

Wir haben diese beiden Veranstaltungen mit größter Irritation, welche sich auf zwei Ebenen bezieht, wahrgenommen:

1. Themen-/Referentenauswahl

Sowohl die Titel der Veranstaltungen, als auch die Wahl der Referenten könnten eindeutiger und tendenziöser nicht sein. Wenn man Hintergrundwissen über einen Konflikt vermitteln möchte, sollte man die beteiligten Konfliktparteien zu Wort kommen lassen. Sie dagegen, geben einseitig pro-palästinensischen und anti-israelischen Vertretern die Bühne. Sollten Sie an einem inhaltlichen Austausch interessiert sein, sind wir gerne bei der Vermittlung entsprechender Experten behilflich.
Herrn Prof. Verleger versuchen Sie über seine Eigenschaft als Sohn von Schoah-Überlebenden und ehemaliges Mitglied des Zentralrats der Juden als vermeintlich neutral zu legitimieren. Dass dieser innerhalb der Mehrheit der jüdischen Community kaum einen Rückhalt genießt, ist wohl begründet: Seine Aussagen sind im Wesentlichen dazu geeignet, Israel einseitig zu dämonisieren und das Narrativ der palästinensischen Araber als ausschließliche Opfer zu bedienen (vgl. http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/20006 ).
Die Qualifikation des Herrn Musharabash eine „tragbare Lösung auszuloten“ ist hinsichtlich seiner Vita schlichtweg absurd.
Wir unterstellen Ihnen keine schlechten Motive, bringen Ihnen jedoch hiermit unser höchstes Befremden über diese Veranstaltungen zur Kenntnis.

  1. Kooperationspartner

Die „Deutsch-Palästinensische Gesellschaft“ ist gemäß Ihrer Zielsetzung kein neutraler Kooperationspartner und daher u.E. nicht geeignet, zu objektiver Wissensvermittlung beizutragen.

Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist kostenfrei. Wer finanziert diese Veranstaltungen?

Wir erwarten von Ihnen, beide Veranstaltungen abzusagen. Allein die Wahl ihres Kooperationspartners entzieht beiden Veranstaltungen die Berechtigung im Rahmen der Volkshochschule stattzufinden.

Der Vollständigkeit halber möchten wir darauf hinweisen, dass wir dieses Schreiben sowie Ihre Antworten veröffentlichen werden. Dabei werden jedoch die persönlichen Kontaktdaten der antwortenden Personen unkenntlich gemacht.

Ihrer Antwort sehen wir entgegen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Elio Adler
Vorstandsvorsitzender

Die Antwort der VHS Osnabrück

Sehr geehrter Herr Dr. Adler,

ich bestätige den Eingang Ihrer Mail vom 12.2.18 und der tags darauf zugesandten Korrektur, die eine Richtigstellung hinsichtlich der in der ersten Zusendung enthaltenen falschen Anschuldigungen enthält.

In Ihrer Mail stellen Sie die Behauptung auf, dass die Referenten der von Ihnen aufgeführten Veranstaltungen einseitig pro-palästinensische und anti-israelische Positionen vertreten, die geeignet sind „Israel einseitig zu dämonisieren“. Weiterhin führen Sie an, dass beide Referenten aufgrund ihrer Vita nicht tragbar seien und dass allein die Wahl des Kooperationspartners (der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft, Regionalgruppe Osnabrück) „beiden Veranstaltungen die Berechtigung (entzieht,) im Rahmen der Volkshochschule stattzufinden.“ Schließlich konfrontieren Sie mich mit Ihrer Erwartung, „beide Veranstaltungen abzusagen.“

 

Lassen Sie mich zunächst etwas grundsätzlicher antworten , um Ihnen deutlich zu machen, warum die politische Bildung an unserer und an anderen Volkshochschulen traditionell eine wichtigen Aufgabe wahrnimmt.

 

Die politische Bildung war nach dem Ersten Weltkrieg und dem Untergang des Kaiserreichs eine wesentliche Legitimation für die Gründung der Volkshochschulen in Deutschland und nach ihrer Abschaffung in der Nazidiktatur erneut in der BRD. Die “Volksbildung” an Volkshochschulen hatte von Anfang an einen klaren emanzipatorischen Bildungscharakter in der Tradition der europäischen Aufklärung und war zudem nach dem Ersten Weltkrieg stark in der Arbeiterbildung verwurzelt. An diese Tradition knüpft heute die politische Bildungsarbeit an Volkshochschulen an. Die Volkshochschulen verstehen sich seit ihrer Gründung als demokratische Orte des sozialen und politischen Lernens. Ein besonderer Stellenwert kommt dabei der politischen Bildung zu, die weder Belehrung noch Parteipolitik verfolgt und die allgemeines Engagement für demokratische Werte, Menschenrechte und gegen Fundamentalismus fördert. Volkshochschulen zeichnen sich durch ihre politische Neutralität und den breiten Ansatz gesellschaftlicher Bildung aus, was überhaupt nicht ausschließt, dass natürlich in einzelnen Veranstaltungen die jeweilige subjektive Sichtweise der jeweiligen Kursleiter/Referenten zum Ausdruck kommen kann. Wichtig ist aber, im Gesamtbild des Bildungsangebots einen Ansatz zu verfolgen, der die vorhandene Pluralität und kontroversen Standpunkte der unterschiedlichen Meinungen wiederspiegelt.

Grundlage für die Politische Bildung (und auch für Angebote anderer Programmbereiche) ist der sog. Beutelsbacher Konsens. Der Beutelsbacher Konsens geht auf eine Tagung der Baden-Württembergischen Landeszentrale für Politische Bildung 1976 in Beutelsbach zurück und hat drei Prämissen:

  • Das Überwältigungsverbot: Meinungen dürfen nicht aufgezwungen werden.
  • Das Gebot der Kontroversität: Die kontroverse Darstellung gesellschaftlicher Fragen und die Ermöglichung einer freien Meinungsbildung müssen garantiert werden.
  • Teilnehmendenorientierung: Ermöglichung von Teilhabe und Teilnahme am gesellschaftlichen und politischen Alltag

 

Diese Leitlinien und Aufgabenstellungen nehmen wir als Osnabrücker VHS sehr ernst. Sichtbar wird das seit Jahrzehnten in einem sehr ausdifferenzierten Programm im Bereich der politischen Bildung, das immer wieder Themen aufgreift, die von großer gesellschaftlicher Relevanz sind und die in der Regel kontrovers diskutiert werden. Dass man bei derartigen Angeboten nicht in allen Gruppen der Bevölkerung auf Zustimmung stößt, ist seit Jahrzehnten eine ständige Begleiterscheinung unserer Arbeit.

Ich will das einmal an einigen Beispielen aus meiner eigenen Tätigkeit als Geschäftsführer und gleichzeitig Verantwortlicher für die politische Bildung verdeutlichen, die zugleich belegen, dass Proteste gegen Veranstaltungen der VHS – als solchen betrachte ich auch Ihre Ausführungen – für uns zwar nicht alltäglich aber auch keineswegs ungewöhnlich sind:

 

  • Gegen die Wehrmachtsausstellung, die ich 1999 nach Osnabrück geholt habe und deren umfangreiches Programm ich damals organisiert habe, gab es heftige öffentliche Proteste aus dem rechten Spektrum. Neonazistische Gruppen haben gegen die Ausstellung demonstriert, ich selbst bin in anonymen Schreiben angegriffen worden.
  • Gleiche Reaktionen hat eine gemeinsam von der VHS und dem örtlichen Museum veranstaltete Ausstellung zum Thema „Rechte Propaganda“ ausgelöst. Ein Vortrag der jetzigen Präsidentin des niedersächsischen Verfassungsschutzes im Saal der VHS wurde massiv von zahlreich erschienenen Mitgliedern der Neonaziszene gestört, zu einer Eskalation kam es nur deshalb nicht, weil bei dem Vortrag zufällig auch eine größere Ausbildungsgruppe der Polizei anwesend war.
  • Eine im Saal der VHS vortragende Holocaust-Überlebende wurde massiv verbal beleidigt und der Lüge bezichtigt und ich musste von meinem Hausrecht Gebrauch machen. Diese Beispiele ließen sich fortsetzen.
  • Veranstaltungen der VHS zur Kurdenfrage gefielen in Osnabrück lebenden Türken nicht, was zu Protesten führte.
  • Mehrere kritische Veranstaltungen zum radikalen Islamismus oder grundsätzlich zum Islam (z. B. mit Ahmad Mansour, Hamed Abdel-Samad, Yassin Musharbash, Necla Kelek oder Seyran Ateş) gefielen bestimmten muslimisch geprägten Kreisen nicht. Mehrere dieser Veranstaltungen wurden wegen der Drohungen gegen die jeweiligen Referenten unter Polizeischutz durchgeführt, in einem Fall gab es vor dem Gebäude der VHS eine kleine Demonstration.
  • Unter Polizeischutz standen auch VHS-Veranstaltungen mit dem ehemaligen Vorsitzendendes Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, oder dem Gesandten der israelischen Botschaft in Berlin, wobei sich dabei natürlich die Frage stellt, ob es bald zum Standard werden soll, dass Veranstaltungen zu politischen Themen nur noch unter dem Schutz der Polizei stattfinden können. Ist das das politische Klima der Zukunft?
  • Veranstaltungen unserer Einrichtung zur Flüchtlingsproblematik und vor allem die zahlreichen Deutschkurse, die wir für Geflüchtete durchführen, rufen Unmut in den Kreisen hervor, die ohnehin der Meinung sind, dass man diese Menschen hier nicht aufnehmen sollte.

Ich könnte noch viele weitere Beispiele anführen, denke aber, dass ich die Problemstellung damit ausreichend illustriert habe. Welche Schlussfolgerung sind nun zu ziehen und was bedeutet das für die von Ihnen kritisierten Vorträge? Sollte ich besser im vorauseilenden Gehorsam alle Themen meiden, die politisch kontrovers sind und bei denen die Gefahr besteht, dass man irgendwem „auf die Füße tritt“? Dann wäre es konsequent, die politische Bildung gleich ganz einzustellen.

Ich möchte abschließend auch noch auf den von Ihnen erhobenen Vorwurf der „Einseitigkeit“ eingehen. Sie haben jetzt willkürlich zwei Veranstaltungen aus dem aktuellen VHS-Programm herausgegriffen, was sich bei Ihnen wahrscheinlich zu einem falschen Gesamteindruck verfestigt. Ich möchte Ihnen daher kurz das Gesamtbild darstellen und einen Einblick in das Veranstaltungsgeschehen der letzten Jahre geben, das Sie nicht zur Kenntnis genommen haben:

 

  • Dr. Moshe Zimmermann, Leiter des R. Koebner-Zentrums für deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem, hielt 2011 im Rahmen der Ausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ einen Vortrag unter dem Titel „Die Angst vor dem Frieden: Das israelische Dilemma.“ Im gleichen Kontext sprach MdEP Dr. Hans Gert Pöttering, der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments,  über das Thema „Die EU und die Nahost-Frage“. Zusätzlich wurde eine Tagung durchgeführt in Kooperation mit der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft (DPG) und der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft (DIG) mit dem Titel „Wem gehört das Heilige Land? Der Nahost-Konflikt aus palästinensischer und aus israelischer Sicht“. https://www.nzz.ch/unerwuenschte_palaestina-ausstellung-1.10402907
  • em. Dr. Bassam Tibi referierte zu „Der Euro-Islam als Alternative zum islamistischen Antisemitismus“. (Koop. DIG)
  • „Die Vertreibung der Juden aus den arabischen Staaten im 19./20. Jahrhundert“ war das Thema von Dr. Omar Kamil. (Koop. DIG)
  • Der Auslandskorrespondent Marcel Pott sprach über „Der Kampf um die arabische Seele. Der steinige Weg zur islamischen Demokratie“.
  • „Wir weigern uns Feinde zu sein. Perspektivwechsel im Nahostkonflikt“ hieß ein Wochenendseminar mit den Filmemachern Stefanie Landgraf und Johannes Gulde.
  • Über „Die neue Islamisten-Achse: Die Folgen der Arabellion und Israel“ referierte Dr. Joseph Croiteru.
  • Der ARD-Auslandsreporter Werner Sonne referierte über „Staatsraison? Wie Deutschland für Israels Sicherheit haftet“.
  • Tovia Ben Chorim sprach in einer gemeinsamen Veranstaltung mit der DIG und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit über „Strömungen des Judentums in Israel heute“.
  • In einer gemeinsamen Podiumsdiskussion mit der DIG und DPG diskutierten deren Vorsitzende Kais Evenhuis und Nazih Musharbash über das Thema „Der Israel-Palästina-Konflikt – einmal anders dargestellt“.
  • Ebenfalls in einer Kooperationsveranstaltung mit der DIG und der DPG diskutierten mehrere Wissenschaftler das Thema „Eine Wahrheits- und Versöhnungskommission für Israel und Palästina? Eine Vision?“.
  • In Kooperation mit der DIG sprachen Alex Feuerherdt über „Israel, die Palästinenser und das Wasser“ und Dr. Konstantin Seidler über „Zionismus – eine emanzipatorische Bewegung?“.
  • Ebenfalls in Kooperation mit der DIG sprachen Mohammed Miro Hasinyani über „Die Kurden – Ein Volk ohne Staat im Kampf gegen den IS-Terror“ und Prof. Dr. Achim Lichtenberger über „Biblische Archäologie – eine politische Frage?“. Sowie der Gesandte der Botschaft des Staats Israel zum Thema „50 Jahre Deutsch-Israelische Beziehungen“.
  • Das Thema „Iranisches Atomprogramm und westliche Politik: Kein Grund zur Beunruhigung?“ wurde von Dr. Matthias Küntzel vorgetragen.
  • Gemeinsam mit der DIG und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit war der Journalist Jörg Armbruster eingeladen zum Thema „Willkommen im Gelobten Land? Deutschstämmige Juden in Israel“ und Dr. Joseph Heid referierte über „Der Zionismus ist eine prachtvolle Idee. Wilhelm II. und Theodor Herzl“.
  • In einer Kooperation mit der DIG und der DPG war die Schriftstellerin Lizzie Doron eingeladen und las aus ihrem Buch „Sweet Occupation“.

Die Aufstellung ist unvollständig, dürfte Ihnen aber einen Eindruck von der „Einseitigkeit“ unseres Angebots geben. Alle Veranstaltung erfreuten sich eines sehr regen Besuchs – sowohl von Mitglieder der DIG wie auch der DPG als auch von allgemein an der Thematik Interessierten. Die ausführlichen Diskussionen sind wie auch bei den gemeinsamen Veranstaltungen mit der DPG durchaus lebhaft und kontrovers. Aber man redet miteinander und nimmt andere Standpunkte wahr, was anscheinend nicht mehr überall möglich zu sein scheint.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich übrigens, dass wir als VHS seit Jahrzehnten besonders engagiert sind in der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit. In diesem Kontext organisieren wir u. a. in großem Umfang Zeitzeugenspräche mit Opfern des NS-Terrors und Holocaust-Überlebenden für Schulen. Insgesamt haben mittlerweile  mehr als 67.000 Schülerinnen und Schüler aus Osnabrück und den angrenzenden Gemeinden an derartigen Veranstaltungen teilgenommen. https://www.vhs-os.de/ueber-uns/filme/zeitzeugengespraech-07112016.html Diese Arbeit erachten wir angesichts wieder aufkeimender rassistischer und faschistoider Tendenzen für besonders wichtig.

 

Zum Schluss meine Antwort auf Ihre Forderung, die geplanten Veranstaltungen abzusagen. Das werde ich mit Blick auf meine obigen Ausführungen nicht tun. Gerne können Sie aber an den Veranstaltungen teilnehmen und mitdiskutieren, denn gerade von der kontroversen Diskussion leben diese Veranstaltungen. Sie sind herzlich willkommen!

Da Sie in Ihrer Mail auf Ihre Internetseite hingewiesen haben und darauf, dass Sie auch die Echokammern der sozialen Netzwerke im Protest gegen die VHS-Veranstaltungen nutzen sowie meine Antwort auf Ihre Mail auf diesen Verbreitungswegen veröffentlichen wollen, möchte ich vorsorglich darauf hinweisen, dass ich in diesem Fall auf eine faire und ungekürzte Veröffentlichung meiner Stellungnahme Wert lege. Auf sinnverfälschende oder bruchstückhafte Veröffentlichungen werde ich juristisch reagieren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Carl-Heinrich Bösling

Unsere Antwort an die VHS:

Sehr geehrter Herr Dr. Bösling,

Ihre E-Mail vom 14.02.2018 haben wir erhalten.

Wir glauben Ihnen Ihr Bemühen um ein in der Gesamtschau ausgewogenes Programm der VHS Osnabrück und haben Ihnen auch explizit nicht unterstellt, schlechte Absichten zu haben.

Dennoch bleibt: Ihr im ersten Halbjahr 2018 anstehendes „Nahost-Konflikt“- Programm, das wir unserer Beschwerde zugrunde gelegt haben, sehen wir hinsichtlich der Referenten, als auch Ihrer Kooperationspartner als extrem problematisch an. Die Beschwerde erweitern wir ausdrücklich um die Veranstaltung mit Frau Bernstein, auf deren „Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe München“ die BDS-Bewegung stolz verweist: http://bds-kampagne.de/aufruf/aufruf-der-palstinensischen-zivilgesellschaft/unterstuetzer

Der Präsident Ihres Kooperationspartners, der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft e.V., Herr Hussein, hat unter dem Deckmäntelchen der Friedensarbeit Äußerungen getätigt, welche u.E. nicht mehr vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sind (siehe Linksammlung). Die Verflechtungen und vergangenen Aktivitäten der von Ihnen gewählten Kooperationspartner sind ansich schon Grund genug, die erwähnten Veranstaltungen abzusagen und künftig mit diesen Partnern keine Veranstaltungen mehr durchzuführen. Einige der Zusammenhänge können Sie selbst recherchieren: wir haben eine Link- und Zitatliste, welche ein internes Arbeitspapier von uns darstellt, beigefügt. Diese stellen wir nach Überarbeitung nicht nur Ihnen, sondern auch der überregionalen und regionalen Presse zur Verfügung. Spätestens in Kenntnis dieser Zusammenhänge kann sich die VHS Osnabrück nicht mehr als arglose Bildungseinrichtung darstellen – im Gegenteil! Nun wissen Sie, dass Sie sich die antisemitische BDS-Lobby ins Haus geholt haben!

Es geht selbstverständlich nicht um Denk- oder Diskussionsverbote, sondern darum, mit wem Sie kooperieren und wem Sie eine Legitimation als „Referent der Volkshochschule“ bieten.

Beispielhaft sei darauf hingewiesen, dass Herr Prof. Dr. Rolf Verleger 2016  bei einer Veranstaltung der Palästinensischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. als Redner auftrat (http://palaestina-solidaritaet.de/2016/10/05/berlin-17-22-10-2016-die-transformation-palaestinas-palaestina-seit-1948-und-heute/).

Sie fragen, ob Sie bei politisch kontroversen Themen im vorauseilenden Gehorsam Veranstaltungen absagen sollten und führen an, dass man dann gleich die politische Bildung Ihrer VHS einstellen könne. Sehr geehrter Herr Dr. Bösling, wir denken nicht, dass man politisch kontroverse Themen meiden sollte. In dem Fall der Veranstaltungen 23.02., 15.05. und 05.06.2018 ist jedoch davon auszugehen, dass diese eine Ausgewogenheit deutlich vermissen lassen werden. Durch diese Veranstaltungen wird dazu beigetragen, dass Israel einseitig dämonisiert wird, dass Antisemitismus in Form von „Israel-Kritik“ ein Raum und eine Bühne geboten oder BDS gefördert, statt eingedämmt wird.

Wir halten an unserer Forderung der Absage bzw. personeller Neubesetzung fest: Diese Art von Veranstaltungen gehört in kein Programm einer VHS. Da hilft bzw. „entlastet“ auch nicht die jahrelange, gute Kooperation z.B. mit der DIG oder die Gesamtschau früherer Veranstaltungen anzuführen.
In diesem Jahr feiert der Staat Israel sein 70-jähriges Bestehen. Vor dem Hintergrund, dass die Form des anti-israelischen Antisemitismus für Juden immer bedrohlichere Ausmaße annimmt, im ersten Programmhalbjahr drei äußerst tendenziöse, in sich unausgewogene anti-israelische und pro (arabisch-)palästinensische Veranstaltungen anzubieten, halten wir nach wie vor für deplatziert. Deren Akteure (Frau Bernstein, Herr Verleger und die DPG) unterstützen zudem die bereits in drei deutschen Großstädten verbotene BDS-Kampagne aktiv und nachhaltig.

Das Verbot von BDS wird mittlerweile auch auf Bundesebene erwogen. BDS wurde in einem Beschluss des Bundestags ohne Gegenstimmen, überparteilich als antisemitisch gekennzeichnet. Der WDR hat die Roger Waters-Tourpräsentation kürzlich abgesagt, weil er erkannt hat, dass einer Gallionsfigur der BDS-Kampagne keine Unterstützung mit öffentlichen Geldern zuteilwerden soll.  An der VHS Neuss wurde eine ähnliche Veranstaltung verboten: https://www.kopi-online.de/wordpress/?p=1577 , https://www.cdu-suedbaden.de/image/inhalte/file/Presse%20Bodenseetreffen%201.pdf (VHS Konstanz – Beitrag findet sich mittig-links).

Abschließend bleibt die Frage offen, da diese Veranstaltungen kostenfrei angeboten werden: wer finanziert diese Veranstaltungen? Wir bitten um Erklärung.

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Elio Adler
Vorstandsvorsitzender

 

Die Antwort der VHS:

Sehr geehrter Herr Dr. Adler,

ich bedanke mich für die sehr umfangreiche Materialsammlung, die Sie mir zur Verfügung gestellt haben. Insbesondere einige der Zeitungsartikel waren mir unbekannt, was aber nicht verwunderlich ist, denn ich befasse mich ja nicht vorrangig mit dem Israel-Palästina-Thema sondern habe noch einige andere Aufgaben als VHS-Geschäftsführer.

Ich begrüße es, dass Sie meiner Bitte gefolgt sind und meine Stellungnahme neben Ihrem Brief an mich auf Ihrer Homepage veröffentlicht haben. Mir ist sehr an einem fairen Umgang miteinander gelegen wie auch an einem offenen Dialog, der gegensätzliche Positionen deutlich macht gleichzeitig aber lösungsorientiert sein sollte.

Ich möchte Ihnen hiermit anbieten, Ihren Standpunkt in Osnabrück direkt zu vertreten. Da wir gerade das Herbstsemester der Volkshochschule planen, lade ich Sie hiermit herzlich ein zu einer Podiumsdiskussion nach Osnabrück zu kommen. Ein möglicher Veranstaltungstitel könnte sein „Ist Kritik an Israel antisemitisch?“ , denn das dürfte wahrscheinlich einen Kern Ihrer Kritik widerspiegeln. Wir übernehmen gerne Ihre Reisekosten (2. Kl. DB) sowie Ihre Hotelübernachtung. Die Finanzierung übrigens erfolgt auch in diesem Fall z. T. über Mittel, die der VHS gemäß ihrem gesetzlichen Auftrag von öffentlichen Geldgebern zur Verfügung gestellt werden, zum anderen Teil aus Mitteln, die die VHS selbst erwirtschaftet.

Es würde mich freuen, wenn Sie meine Einladung annehmen. Einen möglichen Termin für die öffentliche Diskussion, die sicherlich auf eine breite Resonanz stoßen wird, sollten wir im Falle Ihrer Zusage zeitnah abstimmen.

 

Mit freundlichen Grüßen

C. Bösling


Unsere Antwort an die VHS vom 22.2.18

Sehr geehrter Herr Dr. Bösling,

Sie scheinen den Kern unserer Kritik nicht verstehen zu wollen und tun so, als handele es sich bei unserer Kritik an Ihrer Veranstaltung um eine inhaltliche Kontroverse, bei der Ihre Gäste die eine und wir eine andere Meinung haben.
Sie möchten diese vermeintliche Kontroverse lösen, indem Sie uns Gelegenheit geben, “unsere Meinung” kund zu tun.

Wie Sie unserem Schriftverlauf entnehmen können, handelt sich eben NICHT um die Frage, ob Atomenergie gut oder schlecht sei oder ob die Rente mit 67 zu früh oder zu spät kommt; Themen, wo man durchaus verschiedener Meinung sein kann. Es geht hier darum, dass Sie Leuten ein Forum geben, die sich bereits mehrfach antisemitisch – da BDS unterstützend – und teilweise auch sonst hetzend gegenüber Israel geäußert haben. Ihre Veranstaltungen legitimieren diese Leute. Und dies seit unserer Faktenübermittlung offenbar willentlich. Über die von uns benannten Veranstaltungen gibt es keine kontroverse Diskussion; Sie ignorieren offenbar bewusst unsere Argumente und Beweise! Mit unverhohlenen Israel-Bashern und Antisemiten diskutieren wir selbstverständlich nicht. Ihre Einladung zu einem Podium “Ist Kritik an Israel antisemitisch” lehnen wir daher ab. Der angedachte Titel dieser Veranstaltung legt den Eindruck nahe, dass Sie dies als Ventil nutzen möchten, um uns zu besänftigen. Sehr geehrter Herr Dr. Bösling, wie bereits in unserer letzten E-Mail erwähnt, ist es nicht relevant, ob Sie sich um Ausgewogenheit bemühen, wenn Sie im gleichen Atemzug derartigen Personen trotzdem eine Bühne bieten. Ihre Protagonisten haben bereits mehrfach bewiesen, dass sie eben keine Kontroversen bedienen, sondern einseitig und plump Israel dämoniseren und damit mindestens Antisemitismus schüren. Wir haben auf einem solchen Podium nichts zu suchen – es gibt hier ausdrücklich keinen Diskussionsansatz.

Ihre Antwort bzgl. der Finanzierung legt die Fragen nahe, ob die öffentliche Hand einen derartigen Missbrauch von Steuergeldern gutheißt und welche weiteren, externen Geldgeber möglicherweise mitfinanzieren.

Die gesamte Korrespondenz finden Sie hier:

https://werteinitiative.de/vhs-osnabrueck-wenn-bildung-schadet/

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Elio Adler

Nun hat sich die SPD-Osnabrück bemüßigt gefühlt, sich „schützend“ vor die VHS zu stellen:

27.02.2018, Unsere Antwort, diesmal an die SPD:

Quod erat demonstrandum

  1. Wir kritisierten die einzigen angekündigten Veranstaltungen der VHS Osnabrück anlässlich des diesjährigen 70. Jubiläums der Staatsgründung von Israel sehr deutlich. Sie sind konzeptionell völlig einseitig.
  2. Unsere Kritik bezieht sich nicht auf den Inhalt – denn entgegen der abwehrenden Darstellung der Betroffenen ertragen wir kontroverse Meinungen. Grade bei kontroversen Themen sollten in ein und derselben Veranstaltung konzeptionell pro und contra-Stimmen eingebunden werden. Bei den genannten Veranstaltungen wurde jedoch entschieden, nur einer Seite eine Bühne zu bieten, und zwar Referenten/Kooperationspartnern, die höchst bedenklich sind: Die VHS Osnabrück hat sich Verfechter und Unterstützer der antisemitischen und teilweise schon verbotenen BDS-Kampagne und Anti-Israel-Hetzer ins Haus geholt, um eine angeblich kontroverse Diskussion zu führen! Da hilft auch nicht, dass man in der Vergangenheit  Veranstaltungen ausgerichtet hat, deren Referenten eine andere Meinung darstellten.
  3. Wollen Sie darstellen, dass Israel ein zu kritisierender Besatzungsstaat sei? Ok, dann suchen Sie dafür Referenten/Kooperationspartner, die wenigstens über alle Zweifel erhaben sind!
  4. Der Vorsitzende des Kooperationspartners DPG bzw. die von uns kritisierten Referenten (auch deren assoziierte Organisationen) haben sich in der Vergangenheit inhaltlich inakzeptabel positioniert: Die BDS-Bewegung ist am 18.01.2018 in einem überparteilichen Konsens als antisemitisch klassifiziert worden. Dem hatte auch die SPD auf Bundesebene einstimmig zugestimmt. Der Vorsitzende der DPG hat auf öffentlichen Demos und im Internet Äußerungen getätigt, die von der Meinungsfreiheit wohl kaum mehr gedeckt sind.
  5. Dem Leiter der VHS, Herrn Dr. Bösling, war es ausdrücklich wichtig, dass seine Antworten ungekürzt wiedergegeben werden. Das haben wir selbstverständlich gerne gemacht. Andersherum scheint dies nicht zu gelten. Unsere Ausführungen zu o.g. Teilnehmern und lange Belegsammlung für die oben vorgeworfenen Missstände wurden offenbar NICHT weitergeleitet bzw. – noch schlimmer – mit keinem Wort inhaltlich erwidert. .
  6. Wir haben auf unser drittes Schreiben keine Antwort mehr erhalten, sondern sind quasi zufällig auf die Presseerklärung der SPD Osnabrück auf der Seite der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft und durch die Meldung des BIB e.V. gestoßen. Offenbar entspricht es in der Friedensstadt eher den Gepflogenheiten über andere Erklärungen herauszugeben, anstatt die Argumente der anderen wenigstens zur Kenntnis zu geben.
  7. Die stets im „Kampf gegen Antisemitismus“ so präsente SPD fühlt sich berufen, sich schützend vor die VHS Osnabrück zu stellen. Das ist bezeichnend. Die SPD Ratsfraktion Osnabrück verbreitet ungeprüft Unterstellungen über uns und übernimmt das Narrativ der antisemitischen BDS-Propagandisten. Dabei hätte es offensichtlich sogar gestört, ein Mindestmaß an Genauigkeit walten zu lassen: Der „unverantwortliche Umgang mit Ihrem Bildungsauftrag“-Teil war nur in der ersten Version unseres Schreibens, welches am 12.02.18, 23:30 Uhr versandt wurde, enthalten. Mit Dringlichkeit und rotem Vermerk haben wir dies nur wenige Stunden später, am 13.02.2018 um 07:10 Uhr korrigiert und gestrichen. Beide Schreiben wurden denselben Empfängern übermittelt und nur das korrigierte Schreiben in den Sozialen Medien belassen. Warum wurde die Korrektur nicht zur Kenntnis genommen? Weil man dann weniger friedensstiftend in der Friedensstadt Osnabrück sein würde? Weil man uns damit besser angreifen könnte?
  8. Quod erat demonstrandum: Die Politik lässt sich gutgläubig vor den Karren derer spannen, die ihr in Wahrheit auf der Nase herumtanzen. Sie glaubt Gutes zu tun und gar friedensstiftend zu sein, fördert damit jedoch diejenigen, die offensichtlich daran interessiert sind, Hass zu verbreiten und damit sicherlich alles andere als einen Beitrag zu mehr Frieden zu leisten.

Wir bleiben bei unserer Kritik. Wir werfen der SPD-Ratsfraktion Osnabrück vor, sich reflexhaft und unkritisch in der vermeintlichen Kontroverse positioniert zu haben.

 

Es grüßt Sie,

Dr. Elio Adler
Vorstandsvorsitzender

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