Offener Brief: Kein Platz für Extremismus und Antisemitismusverharmlosung an der Uni Jena
Update (14.01.2025)
Universität Jena zieht Konsequenzen – ein wichtiges Signal gegen Extremismus
Die Friedrich-Schiller-Universität Jena hat den geplanten Vortrag von Wieland Hoban, dem Vorsitzenden des als gesichert extremistische Bestrebung eingestuften Vereins „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“, abgesagt. Eine weitere Veranstaltung, ein Vortrag von Michael Lüders, der problematische Narrative zum Nahostkonflikt verbreitet, wird nun in einem veränderten Rahmen stattfinden. Die Jüdische Allgemeine berichtete. Zuvor hat es massive Kritik an den geplanten Veranstaltungen, auch von unserer Seite, gegeben. Die Entscheidung der Uni Jena begrüßen wir ausdrücklich. Ihr Handeln ist Ausdruck institutioneller Selbstkorrektur und demokratischer Wachsamkeit und zeigt, dass eine klare Haltung möglich ist und Wirkung entfaltet.
Mit der Ausladung von Wieland Hoban setzt die Universität Jena ein wichtiges Zeichen: Extremistische Ideologien dürfen nicht relativiert oder durch akademische Bühnen legitimiert werden. Diese Klarheit ist gerade angesichts des stark gestiegenen Antisemitismus in Deutschland von zentraler Bedeutung.
Als jüdisch-deutscher Verein haben wir uns im Vorfeld mit folgendem offenen Brief an die Universitätsleitung gewandt. Diesen finden Sie unten.
12.01.2026
Nachfolgendes Schreiben haben wir heute an den Präsidenten der Friedrich-Schiller Universität Jena, Prof. Dr. Andreas Marx, gesendet.
Sehr geehrter Herr Präsident Prof. Dr. Marx,
sehr geehrte Damen und Herren,
als jüdisch-deutscher Verein WerteInitiative e.V. wenden wir uns mit großer Sorge an Sie angesichts der Einladung von Michael Lüders (14. Januar 2026) und Wieland Hoban (28. Januar 2026) zu Vorträgen im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Frieden denken zu Zeiten des Krieges“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Universitäten tragen eine besondere Verantwortung für Wissenschaftlichkeit, demokratische Werte und den Schutz vor Antisemitismus. Diese Verantwortung gilt insbesondere dort, wo die Universität und ihre Mitglieder in die Öffentlichkeit und den öffentlichen Diskurs hineinwirken.
Wieland Hoban und extremistische Bezüge
Wieland Hoban ist Vorstandsmitglied des Vereins Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft diesen Verein als gesichert extremistische Bestrebung im Bereich des auslandsbezogenen Extremismus ein. Das Bundesamt dokumentiert, dass der Verein zentrale Narrative der BDS-Bewegung übernimmt, den Staat Israel delegitimiert und Teil eines Netzwerks ist, in dem auch extremistische Akteure agieren. Diese Aktivitäten richten sich nach Einschätzung des Verfassungsschutzes gegen grundlegende Prinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.[i]
Der Verein Jüdische Stimme normalisiert unter Berufung auf eine vermeintlich „jüdische Perspektive“ antisemitische Argumentationsmuster, relativiert den Terror antisemitischer Organisationen und trägt gezielt zur Delegitimierung Israels bei.[ii]
Die Einladung eines Vorstandsmitglieds einer vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuften Organisation bedeutet eine institutionelle Aufwertung entsprechender Positionen. Dies ist aus unserer Sicht mit dem Auftrag einer staatlichen Hochschule nicht vereinbar. Wir fordern daher ausdrücklich die Absage des Vortrags von Wieland Hoban.
Michael Lüders und problematische Narrative
Auch die Einladung von Michael Lüders sehen wir kritisch. In zahlreichen Veröffentlichungen und Medienauftritten verbreitet Lüders seit Jahren einseitige Darstellungen des Nahostkonflikts, die Israel systematisch als Hauptverursacher von Gewalt darstellen und dabei historische und politische Zusammenhänge verzerren. Immer wieder fällt auf, dass er selektiv mit Quellen umgeht, Desinformation reproduziert und wiederholt Narrative nutzt, die Antisemitismus befeuern.[iii] Lüders verwendet Begriffe und Deutungsmuster, die zur Delegitimierung des jüdischen Staates beitragen und antisemitische Topoi bedienen.[iv][v]
Kritik an israelischer Politik ist legitim, überschreitet jedoch eine Grenze, wenn sie in systematische Delegitimierung, Dämonisierung und doppelte Standards umschlägt. Michael Lüders ist in dieser Hinsicht ein Grenzgänger, der immer wieder antisemitisch konnotierte Bilder bei seinem Publikum evoziert.
Verantwortung der Universität
Die Friedrich-Schiller-Universität Jena steht als öffentlich finanzierte Institution für Aufklärung, wissenschaftliche Redlichkeit und demokratische Werte. Die Einladung von Referenten, deren Positionen nachweislich extremistische oder antisemitische Narrative normalisieren, steht dazu in einem klaren Widerspruch. Akademische Freiheit entbindet nicht von der Verantwortung, Antisemitismus und Verfassungsfeindlichkeit klar zu benennen und ihnen keinen institutionellen Raum zu geben.
Wir appellieren daher eindringlich an Sie, die Einladung von Wieland Hoban zurückzunehmen und die Einladung von Michael Lüders kritisch zu überprüfen.
Mit freundlichen Grüßen
Elio Adler
-Vorsitzender-
[i] Bundesamt für Verfassungsschutz: Verfassungsschutzbericht 2024, Kapitel „Auslandsbezogener Extremismus“ (https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/publikationen/DE/verfassungsschutzberichte/2025-06-10-verfassungsschutzbericht-2024.pdf?__blob=publicationFile&v=4)
[ii] International Institute for the Study of Antisemitism and Policy (IIBSA): Die „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“, März 2024. (https://iibsa.org/wp-content/uploads/2024/03/Juedische_Stimme_fur_gerechten_Frieden.pdf)
[iii] Adopt a Revolution: Die Methode Lüders. (https://adoptrevolution.org/die-methode-lueders/)
[iv] Jüdische Allgemeine: Lüders’ Märchen. (https://www.juedische-allgemeine.de/politik/lueders%CA%BC-maerchen/)
[v] Mena-Watch: Ein mehr als zweifelhafter Experte: Michael Lüders. (https://www.mena-watch.com/ein-mehr-als-zweifelhafter-experte-michael-lueders/)


