Podiumsgespräch mit dem AS-Beauftragten Dr. Felix Klein und Springer-Chef Dr. Mathias Döpfner

Forderung an die Bundesregierung: "Der Mann muss seine Arbeit machen können!

31.05.2018

Wir haben uns seit 4 Jahren als zivilgesellschaftliche, jüdische Stimme in Deutschland etabliert. Eines der Themen, die unser Verein gefordert und begleitet hat, war die Bestellung eines Antisemitismus-Beauftragten. Daher begrüßen wir sehr, dass die Bundesregierung Herrn Dr. Klein dazu berufen hat. 

Um ihn und sein neu geschaffenes Amt besser kennenzulernen, haben wir ihn zu einem Podiumsgespräch mit Dr. Mathias Döpfner, dem Chef der Axel Springer SE, nach Berlin eingeladen.

Die WELT berichtet ausführlich über den Abend: WELT

Fotos des Abends:

Über 100 Gäste sind gekommen: Politiker, Multiplikatoren, Mitglieder unseres Vereins und weitere Gäste haben das  Podiumsgespräch zwischen dem Beauftragten der Bundesregierung gegen Antisemitismus, Dr. Felix Klein, und dem Vorstandschef der Axel Springer SE, Dr. Mathias Döpfner,  verfolgt und intensiv mitdiskutiert.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Werteinitiative, Dr. Elio Adler, richtet Staatssekretär Christian Lange als Vertreter der Bundesregierung mahnende Worte an die Besucher: Er möchte, dass Kuwait Airlines die Landerechte entzogen werden, wenn sie keine israelischen Staatsbürger befördern wollen.

Dr. Klein sagt: “Wer sich antisemitisch äußert, steht abseits der Gesellschaft und muss sich dafür verantworten”. Bei der späteren Fragerunde des Publikums erklärt er, dass sein Büro bisher nur aus ihm sowie einer Sekretärin besteht und dass er keinerlei Recht hat, Menschen einzubestellen und auch noch kein Budget für eigene Studien oder ähnliches hat. Aber als erfahrener Beamter sichert er zu, sich diese Dinge von den verschiedenen Ministerien zu besorgen.

Dr. Matthias Döpfner zitiert zunächst Henryk M. Broder, welcher provokant aber doch gut gesonnen sagte: “Was soll ein Antisemitismus-Beauftragter machen? Darauf achten, dass die antisemitischen Spielregeln eingehalten werden? (…) So wie ein Wetter-Beauftragter das Wetter beobachtet?” Anschließend erhält Dr. Klein eine Ausgabe von Broders Werk “Der Ewige Antisemit” mit der Widmung “Möge Ihnen gelingen, woran ich gescheitert bin“.
Döpfner fasst die Lage aus seiner Sicht zusammen: “Wir sind am Tiefpunkt angekommen, was die Empörung über Antisemitismus angeht. Wir müssen die Flüchtlinge aufnehmen, die vor dem Krieg fliehen. Aber wenn dort teilweise Antisemitismus Staatsräson ist und sie das von klein auf lernen, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn sie das mitbringen. Und wir haben hier den rechten und linken Antisemitismus. Wir brauchen eine Null-Toleranz-Grenze für Antisemitismus. Das heißt nicht ‘bei jedem neuen Fall eine neue Rede’ sondern ‘bei jedem Fall eine Handlung!’ Dr. Döpfner erntet dafür den längsten Applaus des Abends.

Dr. Elio Adler sagt zu Dr. Klein: “Jeder linke, rechte und Stammtisch-Antisemit kann erklären, was genau das Problem mit den Juden ist. Das ist ja wie eine Massen-Psychotherapie, was Sie da machen müssen. Können Sie das leisten? Sie brauchen dafür doch einen Expertenpool und das Budget!” Die Forderung der WerteInitiative an die Bundesregierung war deutlich. „Die  Stelle des AS-Beauftragen muss gut ausgestattet werden! Der Mann muss seine Arbeit machen können.“

Im Publikum befindet sich auch der jüdische Rapper Ben Salomo. Er berichtet kurz von seiner eigenen Erfahrung mit Antisemitismus in Deutschland und fragt: “Wie bekommen wir die Deutungshoheit über den Zionismus zurück?”
Dr. Klein möchte es lösen, indem man den Unterschied zwischen Antisemitismus und Antizionismus klar stellt. Ben Salomo möchte eher, dass man das Thema schon früh in der Schule aufgreift. “Wenn wir den Leuten nicht beibringen, was Zionismus und Antisemitismus ist, dann machen das Leute wie Kollegah”.

Dr. Charlotte Knobloch möchte von Dr. Klein wissen, wie er es mit der AfD hält. Klein dazu: “Die AfD hat durch die Duldung antisemitischer Äußerungen stark zum Diskurs beigetragen. Es ist perfide, wie sie agiert und wir haben gesehen, wie das auf fruchtbaren Boden fällt. Wenn die AfD das Gespräch sucht, nehme ich die Konfrontation an, aber gehe nicht auf sie zu.”

Das Schlusswort hat Rabbiner Yitshak Ehrenberg: “Dr. Klein, ich wünsche Ihnen viel Glück. Meine Erfahrung ist, dass die Leute nichts über Juden und Israel wissen. Wenn wir in der Synagoge eine Stunde mit den Menschen sprechen, gehen sie mit einem ganz anderen Bild raus. Ich habe in Frankfurt dreißig Minuten auf einer Taxifahrt mit dem Fahrer gesprochen. Er wusste vorher nichts. Am Ende sagte er, ich sei ein guter Botschafter für Israel!”


Danke an Enno Lenze für einige Textpassagen.
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