Post-Shoah

Post-Shoah: Antisemitische Geschichtsverarbeitung
Post-Shoah-Antisemitismus verbindet Vergessen, Schuldabwehr und politische Instrumentalisierung. Er bedroht das kollektive Gedächtnis, indem er die moralische Lehre der Shoah in Frage stellt.
Seine Überwindung verlangt, dass Erinnerung als universelles, gemeinsames Projekt verstanden wird – nicht als historische Last, sondern als Fundament demokratischer Verantwortung.
Auf einen Blick
Vom Schweigen zur Schuldabwehr: Nach 1945 verschwand Antisemitismus nicht, sondern wandelte sich. Offene Vernichtungsrhetorik wurde ersetzt durch Verdrängung, Relativierung und Umdeutung. Viele Deutsche sahen sich lieber als Opfer als als Täter – die Rede vom „Schuldkult“ oder der „Kollektivschuldlüge“ wurde zum Ausdruck eines sekundären Antisemitismus, der aus der Abwehr von Verantwortung entsteht.
Leugnung und Relativierung: Seit den 1970er-Jahren trat eine organisierte Holocaustleugnung auf – von Autoren wie Faurisson, Zündel oder Irving. Heute äußert sich Post-Shoah-Antisemitismus häufiger in Relativierungen: Vergleiche mit Kolonialismus, Gaza oder anderen Konflikten sollen die Einzigartigkeit der Shoah verwischen. Die Täter-Opfer-Umkehr („Die Juden machen jetzt dasselbe wie die Nazis“) ist eine zentrale Strategie dieser Geschichtsverdrehung. Vor allem rechte Erzählungen drängen die Shoah an den Rand einer angeblich heroischen deutschen Geschichte und verzerren damit gefährlich die Vergangenheit, indem sie Schuld und Verantwortung verwischen.
Außereuropäische Varianten: Shoahleugnung und -relativierung treten weltweit in unterschiedlichen Kontexten auf: Im arabisch-islamischen Raum oft im Rahmen antizionistischer und verschwörungsideologischer Narrative, in den USA vor allem in rechtsextremen, antisemitischen und „Alt-Right“-Milieus, in Japan durch populäre Werke, die den Holocaust als westliche Propaganda darstellen, und in Afrika sowie Lateinamerika meist über importierte europäische, iranische oder arabische Quellen, die in antiisraelische Diskurse einfließen.
Zeitgemäße Erinnerungsarbeit: Rechtsextreme Kräfte verschieben Erinnerungsdiskurse, viele Menschen in Deutschland haben heute keine familiäre Verbindung zur NS-Vergangenheit, Zeitzeugen sterben, das Bewusstsein für und Wissen über Geschichte schwindet. Das führt zu neuen Herausforderungen, wie einem geringeren Bewusstsein für die Shoah als moralische und historische Zäsur, anderen kulturellen Erinnerungsrahmen oder auch einer Übertragung eigener Diskriminierungserfahrungen auf den Nahostkonflikt. Erinnerungskultur muss deshalb inklusiver und dialogischer werden – nicht als nationale Schuldpädagogik, sondern als universales Lernen über Verantwortung.
Post-Shoah-Antisemitismus: Geschichtsverarbeitung, Leugnung und Relativierung
Der Antisemitismus verschwand nicht mit dem Ende der Shoah – er wandelte sich. Nach 1945 trat an die Stelle offener Vernichtungspropaganda ein komplexes System der Verdrängung, Relativierung und Umdeutung. Der sogenannte Post-Shoah-Antisemitismus richtet sich nicht mehr nur gegen Jüdinnen und Juden selbst, sondern gegen die Erinnerung an ihre Vernichtung – gegen die Shoah als moralischen Bezugspunkt demokratischer Gesellschaften.
Bereits in der frühen Nachkriegszeit dominierte in Deutschland und Europa die Schuldabwehr: Täter wurden zu Mitläufern, Mitläufer zu Opfern, und die Opfer zu Symbolen einer lästigen Erinnerung. Das Bedürfnis nach einem „Schlussstrich“ führte zur Abwehr von Verantwortung. Die Rede von der „Kollektivschuldlüge“ oder dem „Schuldkult“ sind Ausdruck dieses sekundären Antisemitismus, der nicht trotz, sondern wegen Auschwitz entsteht: Die Erinnerung an das Verbrechen selbst wird zur Zumutung erklärt.
In Westdeutschland wurde die NS-Vergangenheit über Jahre hinweg vor allem durch Schweigen, Verdrängung und den raschen Wiederaufbau überlagert, sodass eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung erst spät und oft gegen erhebliche Widerstände einsetzen konnte. In der DDR wurde die Verantwortung für den Nationalsozialismus weitgehend externalisiert und als Problem des „westdeutschen Kapitalismus“ dargestellt, wodurch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit eigener NS-Belastung und gesellschaftlicher Kontinuität systematisch verhindert wurde. In Österreich prägte lange der sogenannte „Opfermythos“ das nationale Selbstbild, der die eigene Beteiligung am Nationalsozialismus verdrängte und jede Auseinandersetzung mit österreichischer Täterschaft als störend oder illoyal erscheinen ließ.

Bild: Thomas F. Starke/Getty Images
Ab den 1970er-Jahren formierte sich international eine organisierte Holocaustleugnung. Autoren wie Robert Faurisson, Ernst Zündel oder David Irving bestritten systematisch historische Fakten, nannten Gaskammern „Erfindungen“ oder „Propaganda“. Diese Bewegung operierte mit pseudowissenschaftlicher Rhetorik, während sie faktisch nationalsozialistische Ideologie fortsetzte. In Deutschland reagierte der Staat mit rechtlichen Maßnahmen – die Leugnung des Holocaust gilt als Form der Volksverhetzung (§ 130 StGB) und damit als Angriff auf die Verfassungsordnung.
Doch der Post-Shoah-Antisemitismus äußert sich heute seltener in offener Leugnung, sondern häufiger in Relativierung: Die Einzigartigkeit der Shoah wird verwischt, ihre historische Bedeutung nivelliert. Gern werden andere Ereignisse – Kolonialismus, Gaza, Ukraine, Irakkrieg – mit Auschwitz gleichgesetzt, um moralische Kategorien zu verschieben. Der Vorwurf des „Schuldkults“ und die Forderung nach einem „Schlussstrich“ unter der Geschichte, einige Jahrzehnte lang vornehmlich Kennzeichen neonazistischer und rechtsextremer Holocaustleugnerszenen, fanden im Zuge der antiisraelischen Proteste im Nachgang des 7. Oktober 2023 auch bei linken und „postkolonialen“ Aktivisten beispielsweise unter der Parole „Free Palestine from German guilt“ Verwendung.
Die Täter-Opfer-Umkehr („Die Juden machen jetzt dasselbe wie die Nazis“) ist eine der wirkungsmächtigsten Strategien dieser Relativierung. Sie verwandelt Erinnerung in Schuld, Opfer in Täter, Geschichte in Waffe.
Gleichzeitig pflegen rechte Kräfte immer wieder die Erzählung von der Shoah als Randereignis einer ansonsten glorreichen deutschen Geschichte und schaffen damit eine gefährliche Verzerrung, die Verbrechen relativiert, Täterschaft verharmlost und die Grundlagen einer verantwortungsvollen Erinnerungskultur untergräbt. Solche Erzählungen verzerren nicht nur die Geschichte, sondern treffen den Kern der Bundesrepublik, die aus der Verantwortung für dieses Menschheitsverbrechen heraus gegründet wurde und deren demokratische Ordnung sich explizit als Gegenentwurf zu den Ursachen und Bedingungen der Shoah versteht.
Post-Shoa-Antisemitismus außerhalb der postnazistischen Gesellschaften
In mehreren europäischen Ländern, deren Bevölkerungsteile am Holocaust beteiligt waren, hält sich bis heute ein offizieller oder gesellschaftlich dominanter Opfermythos, der eigene Verantwortung ausblendet – etwa in Spanien, Ungarn, Frankreich, Polen sowie Teilen der baltischen Staaten, wo die jeweilige Nation fälschlich als überwiegend schuldlos dargestellt wird.
- So wird in Kroatien die Beteiligung der faschistischen Ustaša-Bewegung an der Shoah und an eigenen Vernichtungslagern wie Jasenovac bis heute in Teilen der Gesellschaft verharmlost oder offen geleugnet. Jene, die auf die Beteiligung kroatischer Helfer und Täter hinweisen, werden häufig als Verräter oder Feinde des nationalen Selbstbilds markiert.
- Obwohl Spanien unter Franco die antisemitische NS-Propaganda übernahm, jüdische Flüchtlinge an der Grenze zurückwies, Regimegegner der Vernichtung in deutschen Konzentrationslagern überließ und Kollaboration zuließ, hält sich bis heute die verbreitete Erzählung, das Land habe keine Rolle in der Shoah gespielt. Die staatlichen Geschichtsnarrative betonen Neutralität und ignorieren häufig die antisemitische Politik des Regimes; Historikerinnen und Aktivisten, die auf die Mitverantwortung spanischer Behörden oder die Verstrickung der Phalange hinweisen, werden nicht selten diffamiert.
- In Frankreich dominiert bis heute in breiten Teilen der Gesellschaft der Gaullistische Mythos, wonach Frankreich als Ganzes ein Widerstandsland gewesen sei, während Kollaboration nur einen kleinen, „abtrünnigen“ Teil der Nation betraf. Die zentrale Rolle der Vichy-Regierung und der französischen Polizei bei der Identifizierung, Registrierung und Deportation von über 70.000 Jüdinnen und Juden wurde jahrzehntelang verharmlost oder geleugnet; Historiker wie Robert Paxton oder Organisationen, die diese Verstrickungen thematisierten, stießen lange auf heftige gesellschaftliche und politische Gegenwehr.
Die notwendige Auseinandersetzung mit diesem Teil der Landesgeschichte wird hier und in weiteren Ländern häufig erschwert oder aktiv abgewehrt, und Menschen, die auf lokale Beteiligung hinweisen, gelten schnell als „Nestbeschmutzer“.
Post-Shoah-Antisemitismus außerhalb Europas
In arabischen und anderen außereuropäischen Kontexten entwickelte sich seit den 1950er-Jahren eine Form des Antisemitismus, die islamistische, nationalistische und antizionistische Elemente verbindet.
Nach der Gründung Israels 1948 wurde die Shoah häufig nicht als Menschheitsverbrechen anerkannt, sondern als „zionistische Lüge“ oder als Vorwand für Kolonialismus interpretiert.
- Die Hamas-Charta (1988) zitiert offen die Protokolle der Weisen von Zion und beschreibt die Shoah als manipulatives Instrument jüdischer Machtpolitik.
- In mehreren arabischen Staaten – etwa Ägypten, Syrien oder Iran – wurden Fernsehserien und Lehrbücher produziert, in denen die Shoah geleugnet oder relativiert wird. Serien wie Asch-Schattat (2003) zeigen Juden als Verschwörer, die selbst den Nationalsozialismus „inszeniert“ hätten.
- In Teilen des arabischen Bildungswesens wird die Shoah bis heute verschwiegen oder als politische Propaganda des Westens dargestellt, um Normalisierungsbemühungen mit Israel zu unterminieren.
- Iranische Staatsmedien veranstalteten mehrfach „Holocaust-Karikaturen-Wettbewerbe“; Präsident Ahmadinedschad nannte die Shoah 2005 eine „Lüge“, mit der der Westen Israel schütze.
Diese Muster verbinden Shoahleugnung mit antizionistischen Weltbildern: Nicht die Geschichte des Antisemitismus steht im Mittelpunkt, sondern die Ablehnung Israels als „koloniales Produkt“ – eine politische Instrumentalisierung des Leugnens.
Herausforderungen zeitgemäßer Erinnerungskultur

Bild: Adam Berry
In der heutigen deutschen Gesellschaft lebt eine wachsende Zahl von Menschen ohne familiäre Verbindung zu NS-Tätern oder zur deutschen Nachkriegsschuldgeschichte. Diese Pluralität stellt die Erinnerungskultur vor neue Herausforderungen: Viele jüngere Menschen mit oder ohne Migrationsgeschichte teilen zwar demokratische Grundwerte, wachsen aber ohne kollektives Geschichtsbewusstsein der Shoah auf.
Erhebungen zeigen, dass das Bewusstsein für Antisemitismus als historisches und moralisches Unrecht in manchen Gruppen geringer ausgeprägt ist – nicht per se aus Feindseligkeit, sondern oft aus fehlender historischer Verortung oder Übertragung eigener Diskriminierungserfahrungen auf den Nahostkonflikt.
Zugleich tragen Menschen aus arabischen oder islamisch geprägten Herkunftsländern teilweise Narrative mit, in denen die Shoah nicht im Zentrum moralischer Erinnerung, sondern als westliches oder israelisches Machtinstrument dargestellt wird. Diese Deutungen sind meist keine bewusste Leugnung, sondern Ausdruck einer anderen Erinnerungspolitik, die in Herkunftsländern selbst staatlich vermittelt wurde.
Für die deutsche Demokratie und Bildungspolitik bedeutet das:
Die Erinnerung an die Shoah muss inklusiver, kontextualisierter und dialogischer werden. Sie darf nicht nur nationale Schuld thematisieren, sondern muss Antisemitismus als universales, kulturübergreifendes Phänomen begreifbar machen.
Denn Post-Shoah-Antisemitismus ist kein deutsches oder westliches Problem allein – er ist ein globales Narrativ der Schuldabwehr, das überall dort entsteht, wo historische Verantwortung und Empathie verweigert werden.
Formen des Post-Shoah-Antisemitismus
Sekundärer Antisemitismus
Dieser Begriff bezeichnet Antisemitismus wegen Auschwitz: Nicht die Shoah selbst, sondern ihre Erinnerung wird zum Angriffsziel.
Menschen reagieren auf Schuld, Scham oder moralische Überforderung mit Ablehnung – etwa durch die Forderung nach einem „Schlussstrich“, die Klage über einen „Schuldkult“ oder die Relativierung jüdischen Leids. So wird das Gedenken selbst als Provokation erlebt und Antisemitismus zur Abwehrhaltung gegenüber historischer Verantwortung.
Holocaustleugnung
Die radikalste Form der Geschichtsverfälschung: Der Völkermord an den europäischen Juden wird bestritten oder ins Gegenteil verkehrt.
Leugner wie Robert Faurisson, David Irving oder Ernst Zündel nutzten pseudowissenschaftliche Methoden, um historische Beweise zu diskreditieren. Heute tritt die Leugnung verstärkt in digitalen Räumen auf – als angebliche „Gegeninformation“, in Form von Memes, Videos oder Verschwörungserzählungen.
Relativierung und Vergleichsantisemitismus
Hier wird die Shoah nicht abgestritten, sondern in ihrer Spezifik angezweifelt. Häufig geschieht das durch Gleichsetzungen – etwa zwischen NS-Verbrechen und israelischer Politik, Kolonialismus oder Kriegsgeschehen. Diese rhetorische Strategie verschiebt moralische Maßstäbe und ermöglicht es, Verantwortung zu relativieren oder Israel zu dämonisieren.
Arabische und islamistische Leugnungskulturen
In Teilen der arabischen Welt und im Iran ist die Shoah bis heute ein politisches Reizthema. Offizielle Schulbücher, Medien oder religiöse Autoritäten verschweigen oder leugnen den Holocaust, interpretieren ihn als „zionistische Erfindung“ oder benutzen ihn zur Legitimation antiisraelischer Politik. Beispiele sind die iranischen „Holocaust-Karikaturenwettbewerbe“, die Hamas-Charta oder TV-Serien wie Asch-Schattat (Syrien, 2003), die Verschwörungsmythen und Schuldumkehr verbreiten.
Erinnerung in der Migrationsgesellschaft
In Deutschland leben heute viele Menschen ohne familiäre NS-Bezüge.
Das erschwert die Identifikation mit der historischen Verantwortung – zugleich besteht oft ein Defizit an Wissen über die Shoah oder über Antisemitismus als spezifische Form von Hass. Zudem können antisemitische Narrative aus Herkunftsländern – etwa aus arabischen oder postsowjetischen Kontexten – in migrantischen Communities fortwirken. Eine zukunftsfähige Erinnerungskultur muss daher inklusiv und dialogisch sein: nicht moralisierend, sondern erklärend, verbindend und global denkend.
Aktuelle Beispiele
AUF1 Interview mit Götz Kubitschek 2024: Dem rechtsextremen und verschwörungsideologischen Medium AUF1 erklärte Götz Kubitschek, Ideologe der extremen Rechten, neurechter Verleger und Vertrauter Björn Höckes, die Deutschen müssten den „Schuldkult und die Nazi-Hysterie“ ablegen, um „frei denken“ zu können – ein typisches Narrativ der extremen Rechten, das die Auseinandersetzung mit der Shoah als angebliche geistige Fessel diffamiert.
Primärquelle Webseite von AUF1: https://auf1.tv/stefan-magnet-auf1/goetz-kubitschek-propaganda-ist-gegenueber-der-realitaet-extrem-wirkmaechtig
Linksjugend-Bundessprecherin Martha Wüthrich 2025: Eine Bundessprecherin der Linksjugend Solid setzte 2025 Israels Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen mit der Shoah gleich. In einem mittlerweile gelöschten Video in Sozialen Medien behauptet sie „Das ist ein Völkermord. Das ist ein fucking Holocaust. Das ist der Holocaust!“. Bemerkenswert ist die logische Volte von einem „fucking Holocaust“ als Begriff explizit für andere Ereignisse als die tatsächliche Shoah hin zur Ersetzung des historischen Ereignisses durch das vermeintlich „wahrere“: „den Holocaust“, der angeblich in Gaza stattfände.
Bericht in der WELT: https://www.welt.de/politik/deutschland/article69085aa5df9fa029228f1690/linke-parteijugend-antisemitischer-beschluss-wie-sich-die-linksjugend-endgueltig-dem-israel-hass-verschreibt.html
„Pro-palästinensische“ Demonstration in München 2024: Teilnehmende trugen ein Transparent, auf dem „Gaza“ in eine Reihe mit „Namibia“ und „Auschwitz“ als Wegmarken deutscher Kriegsverbrechen gesetzt wurde. Es handelt sich um Shoahrelativierung und -instrumentalisierung: mit dem Hinweis auf deutsche NS- und Kolonialverbrechen soll dem „Genozid“-Vorwurf in Bezug auf Gaza Legitimität gegeben werden. Es wird also nicht tatsächliche deutsche historische Schuld geleugnet, sondern versucht, so auch heutige deutsche Solidarität mit Israel als verbrecherisch darzustellen.
Dokumentation und Fotobericht des „Linken Bündnisses gegen Antisemitismus“ vom 19. Oktober 2024: https://lbga-muenchen.org/2024/10/19/von-holocaust-relativierung-und-hamas-solidaritat-eindrucke-von-der-palastinasolidarischen-marschdemo-in-munchen-am-19-oktober-2024/
Verschwörungsgläubige Szene: Der QAnon-Anhänger Oliver L. aus dem Rhein-Pfalz-Kreis betrieb mehrere große Telegram-Kanäle, in denen er die QAnon-Verschwörungserzählung mit klassischem Judenhass verband, die Shoah leugnete, NS-Verbrechen verharmloste und Hitler als Erlöser pries; dafür wurde er 2023 vom Amtsgericht Ludwigshafen wegen rund 40 Fällen von Volksverhetzung, Holocaust-Leugnung und Verwendung von NS-Symbolen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Bericht in der Frankfurter Rundschau: https://www.fr.de/politik/antisemit-haft-bewaehrung-urteil-qanon-ludwigshafen-corona-querdenken-verschwoerungstheorie-92706633.html
Video
Dieses Video zeigt, wie sich Antisemitismus nach 1945 in neuen Formen fortsetzte – als Verdrängung, Schuldabwehr, Relativierung und Leugnung der Shoah sowohl in Deutschland als auch weltweit. Es erklärt, warum Erinnerung heute in einer vielfältigen Gesellschaft neu vermittelt werden muss und weshalb die Auseinandersetzung mit der Shoah entscheidend bleibt, um demokratische Werte zu schützen.
Quellen und weiterführende Informationen
Hier finden Sie Erhebungen, Sendungen und Literatur zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema.
Erhebungen und Dokumentationen
Eine repräsentative Studie der Claims Conference (2025) zeigt, dass in Deutschland 24 % der Befragten der Meinung sind, die Zahl der jüdischen Opfer des Holocausts sei stark übertrieben, während gleichzeitig 12 % der jungen Erwachsenen in Deutschland angaben, die Begriffe „Holocaust/Shoa“ noch nie gehört zu haben oder sich nicht sicher zu sein.
https://www.claimscon.org/country-survey/
In einer Umfrage der EU-Grundrechteagentur in 13 EU-Ländern gaben im Länderdurchschnitt 79 % der befragten Juden/Jüdinnen an, Holocaust-Leugnung, Trivialisierung oder Verzerrung persönlich erlebt zu haben; 71 % sahen die Anschuldigung, Juden nutzten das „Holocaust-Opfer-Narrativ“ aus.
FRA, Jewish People’s Experiences and Perceptions of Antisemitism, Wien 2024
PDF-Download: https://fra.europa.eu/sites/default/files/fra_uploads/fra-2024-experiences-perceptions-antisemitism-survey_en.pdf
Amadeu Antonio Stiftung (2024): Angriffe auf Erinnerung, das rote Dreieck und Gewalt. Spotlights der Chronik antisemitischer Vorfälle. https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/angriffe-auf-erinnerung-das-rote-dreieck-und-gewalt-131781/
VAD – Verein für Aufklärung und Demokratie e.V. und Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (Hg.) (2024): „Free Palestine from German guilt“? Israelbezogener Antisemitismus in Bayern nach dem 7. Oktober. Download: https://report-antisemitism.de/documents/Israelbezogener-Antisemitismus_in_Bayern_nach_dem_7_Oktober.pdf
Videos
taz talk vom 25.01.2024 mit Lars Rensmann und Ingo Elbe zum „Historikerstreit 2.0“.
Auf YouTube: https://youtu.be/k_lUPluTMeM
Aufzeichnung der Veranstaltung „Berlin – Europäische Erinnerung?/ Berlin: European Memory?“ mit Ljiljana Radonić und Katja Makhotina im Rahmen der europäischen Veranstaltungsreihe „Facing Nazi Crimes: European Perspectives after 1945“ am 08.10.2025 im Deutschen Historischen Museum.
Auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=KOIDT6DtF7E
Zum Weiterlesen
Elbe, Ingo (2024): Antisemitismus und postkoloniale Theorie. Der »progressive« Angriff auf Israel, Judentum und Holocausterinnerung. Berlin: Edition Tiamat.
Elbe, Ingo (o.J.): Die „Verschwörung der Asche von Zion“. Anmerkungen zum postkolonialen Angriff auf die Singularität des Holocaust. PDF unter https://kritischebildung.de/afkg/die-verschwoerung-der-asche-von-zion
Friedländer, Saul (2007): Das Dritte Reich und die Juden. Die Jahre der Vernichtung.
München: C.H. Beck. (maßgeblich für die Debatte um Singulärität)
Goodman, David G. / Miyazawa, Masanori (1995): Jews in the Japanese Mind. The History and Uses of a Cultural Stereotype. New York: Free Press.
Grigat, Stephan (2006): Postnazismus und Antisemitismus. Freiburg: ça ira.
Grigat, Stephan / Porst, Jonas / Zareski, Katja (Hrsg.) (2023): Erinnern als höchste Form des Vergessens? (Um-)Deutungen des Holocaust und der „Historikerstreit 2.0“. Berlin: Verbrecher Verlag.
Grigat, Stephan (Hg.): Kritik des Antisemitismus in der Gegenwart. Erscheinungsformen – Theorien – Bekämpfung. Baden-Baden: Nomos-Verlag.
Herf, Jeffrey (2006): Der Judenstaat im arabischen Antizionismus. Der Holocaust und die politische Kultur der arabischen Welt. Berlin: Hentrich & Hentrich.
Klävers, Steffen (2019): Decolonizing Auschwitz? Komparativ-postkoloniale Ansätze in der Holocaustforschung. Berlin: De Gruyter.
Kovács, András / Weissmann, Miklós (Hrsg.) (2018): The Holocaust in Hungary: Seventy Years Later. Budapest/New York: CEU Press.
Kuretsidis-Haider, Claudia/Garscha, Winfried R. (1998): Keine “Abrechnung”. NS-Verbrechen, Justiz und Gesellschaft in Europa nach 1945. Leipzig/Wien: o.V.
Lohl, Jan/Moré, Angela (2014): Unbewusste Erbschaften des Nationalsozialismus. Psychoanalytische, sozialpsychologische und historische Studien. Gießen: Psychosozial-Verlag.
Radonić, Ljiljana (2012): „Die Europäisierung der Erinnerung nach dem Holocaust.“ In: Transit. Europäische Revue, Nr. 43. Wien.
Radonić, Ljiljana (2013): „Postsozialistische Erinnerungskulturen und der Holocaust: Zur Europäisierung nationaler Narrative.“ In: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 42(1). Wien.
Rensmann, Lars (2017): The Politics of Unreason. The Frankfurt School and the Origins of Modern Antisemitism. Albany: SUNY Press.
(zentrale Kapitel zu post-Shoah-Antisemitismus und Erinnerungspolitik)
Rensmann, Lars (2020): „Gegenaufklärung: Antisemitismus, Antiliberalismus und Geschichtsrevisionismus.“ In: Mittelweg 36, 5/2020. Hamburg: HIS Institute.
Richter, Salome u.a. (2024): Antisemitismus in der postnazistischen Migrationsgesellschaft. Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme. Opladen u.a.: Verlag Barbara Budrich.
Weiß, Volker (2021): „Schuldkult“ und „Schuldkolonie“. Tradition und Ziele des aktuellen Geschichtsrevisionismus. In: Reflexionen, Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Online: https://www.stiftung-gedenkstaetten.de/en/reflexionen/reflexionen-2021/schuldkult–und-schuldkolonie
Wodak, Ruth (2015): The Politics of Fear. What Right-Wing Populist Discourses Mean. London: Sage.
(Abschnitte zu Erinnerungspolitik und Relativierung rechter Narrative)
Verschwörungsideologie
Allmacht und ständige Bedrohung
Christlicher Antijudaismus
Uralte Bilder, lebendige Tradition
Nationalistische Konstruktionen
Ausschluss des „Anderen“
Islamischer Antisemitismus
Eine fatale Synthese
Post-Shoah
Antisemitische Geschichtsverarbeitung
Israelbezogener Antisemitismus
Der „Jude unter den Staaten“
Verschwörungsideologie
Allmacht und ständige Bedrohung
Christlicher Antijudaismus
Uralte Bilder, lebendige Tradition
Nationalistische Konstruktionen
Ausschluss des „Anderen“
Islamischer Antisemitismus
Eine fatale Synthese
Post-Shoah
Antisemitische Geschichtsverarbeitung
Israelbezogener Antisemitismus
Der „Jude unter den Staaten“

