Aktivitäten

Pressemitteilung: Irritierende Rhetorik bezüglich deutscher Haltung zu Israel

28.05.2025 Pressemitteilung

In den letzten Tagen beobachten wir in der Debatte um den Krieg zwischen Israel und der Hamas eine Verschiebung der Tonlage in Teilen der Bundespolitik. Diese nehmen wir mit Besorgnis und Irritation zur Kenntnis. Insbesondere die Formulierung des CDU-Außenministers Johann Wadephul vom 27.05.2025 bzgl. einer angeblichen „Zwangssolidarität“ stößt bei uns auf sehr großes Unverständnis. Eine derartige Rhetorik insinuiert, Deutschland werde „gezwungen“ an der Seite Israels zu stehen und habe dies bisher nicht aus freien Stücken getan. Es stellt sich daher die Frage, wie Begrifflichkeiten wie „Zwangssolidarität“, die die Debatte weiter verunsachlichen, hilfreich sein sollen.

Zudem war von einer vermeintlichen „Instrumentalisierung“ des Kampfs gegen Antisemitismus die Rede. In einer Zeit, in der uns Judenhass weltweit und auch in Deutschland in selten gesehenem Ausmaß entgegenschlägt, raunt diese Formulierung zwar vielsagend, bleibt aber eine Erklärung schuldig, wie eine angebliche „Instrumentalisierung“ überhaupt konkret stattfinden könnte. Das schürt Ressentiments, ohne Klarheit durch konkrete Informationen und Fakten zu schaffen.

Auch die innerhalb der Debatte, durch den ehemaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Rolf Mützenich, am selben Tag formulierte Aussage, es gäbe eine „Selbstgefangenschaft“ aufgrund „der historischen Last des Nationalsozialismus“ erinnert an Rhetorik, die man normalerweise außerhalb des demokratischen Spektrums verortet hätte. Dort ist die Debatte um „Schuldkult“ und ähnliche Phantastereien, aufgrund derer man seine Meinung zu Israel zurückhalten müsse, üblicherweise beheimatet.

Aber die Wortwahl ist nicht nur unverantwortlich, weil sie in die Hände der Antisemiten spielt – die Aussagen sind auch inhaltlich falsch. Dass man israelische Regierungspolitik oder konkrete Militäreinsätze nicht kritisieren dürfe, ist ein Mythos. Israel wird tagein, tagaus weltweit – auch in Deutschland – kritisiert. Selbst nach der IHRA-Definition für Antisemitismus, der fälschlich vorgeworfen wird, Kritik an Israels Politik zu unterbinden, ist dies legitim. Ein grundsätzliches Kritikverbot gegenüber Israel existiert schlicht nicht und wird auch von niemandem gefordert.

Wir, als jüdische Bürgerinnen und Bürger Deutschlands, wünschen uns von der Spitzenpolitik das Maß an Besonnenheit, was eine derart komplexe Situation erfordert und keine Druckentlastung durch die Verwendung aufgestauter Buzzwords.

Aktivitäten Meinungen

Pressemitteilung: Deborah Feldmans Angriffe auf Philipp Peyman Engel sind haltlos und gefährlich

21.05.2025 Pressemitteilung

Mit großer Sorge beobachtet der jüdische Verein WerteInitiative die aktuellen Angriffe der Autorin Deborah Feldman auf Philipp Peyman Engel, den Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen. In einem Beitrag der Zeitschrift “Weltbühne” sowie in mehreren Äußerungen auf Social Media stellt Frau Feldman wiederholt und ohne Grundlage die jüdische Identität von Herrn Engel infrage.

Diese Behauptungen sind nicht nur falsch, sondern diffamierend. Die jüdische Herkunft von Philipp Peyman Engel und seiner Mutter ist eindeutig dokumentiert und Frau Feldman war darüber vor ihrer Veröffentlichung nachweislich informiert. Dennoch verbreitet sie weiterhin unbelegte Zweifel – offenbar in dem Bestreben, eine der profiliertesten jüdischen Stimmen in Deutschland zu delegitimieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass Frau Feldman mit persönlichen Angriffen gegen Menschen vorgeht und deren jüdische Identität in Frage stellt, die eine andere Haltung vertreten als sie. Auch mit dieser aktuellen Kampagne überschreitet sie eine Grenze: Sie bedient sich der gefährlichen Praxis, jüdische Identität öffentlich zu bestreiten – und füttert dabei Misstrauen, trägt zur innerjüdischen Spaltung und somit zur Schwächung der mehrheitlichen, jüdischen Standpunkte in Deutschland bei. Dass sich die “Weltbühne” dazu entschlossen hat, dieser Autorin Raum zu geben, war eine bewusste Entscheidung, die wir auf das Schärfste verurteilen.

Philipp Peyman Engel steht für eine klare, liberale und verankerte Stimme innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. In seinen Haltungen erkennen sich fast alle jüdischen Bürgerinnen und Bürger Deutschlands wieder. Der Zentralrat der Juden in Deutschland als Herausgeber der Jüdischen Allgemeinen hat seine uneingeschränkte Unterstützung für Herrn Engel deutlich gemacht – ein starkes und leider notwendiges Signal.

Die WerteInitiative ruft alle Akteure des öffentlichen Lebens dazu auf, sich klar gegen diese Art von Diffamierung zu positionieren. Wer behauptet, im Namen von Toleranz und Vielfalt zu sprechen, darf nicht gleichzeitig Andersdenkende zum Ziel persönlicher Herabwürdigung machen. Jüdische Identität ist kein politischer Spielball

Aktivitäten Meinungen

Pressemitteilung: Pressemitteilung Jüdischer Verein verurteilt Beschluss der Partei Die Linke

10.05.2025 Pressemeldung

Berlin, 10. Mai 2025 – Mit großer Bestürzung nimmt die WerteInitiative zur Kenntnis, dass die Partei Die Linke auf ihrem Bundesparteitag die sogenannte Jerusalem Declaration on Antisemitism (JDA) offiziell adoptiert und sich damit bewusst gegen die international breit anerkannte IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus gestellt hat. Dies ist ein folgenschweres politisches Signal – nicht nur an die jüdische Gemeinschaft in Deutschland, sondern auch an all jene, die sich verlässlich gegen Antisemitismus engagieren.

„Die Entscheidung der Linken ist ein fatales politisches Bekenntnis gegen die weltweit bewährte Definition von Antisemitismus, wie sie unter anderem von der EU, der Bundesregierung, dem Bundestag, zahlreichen Bundesländern, der Kultusministerkonferenz und über 1.000 Institutionen weltweit anerkannt wird“, erklärt Elio Adler, Vorsitzender des Vereins. „Mit großer Bestürzung nimmt die WerteInitiative zur Kenntnis, dass die Partei Die Linke auf ihrem Bundesparteitag an diesem Wochenende die sogenannte Jerusalem Declaration on Antisemitism (JDA) offiziell adoptiert und sich damit bewusst gegen die international breit anerkannte IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus gestellt hat.

Dies ist ein folgenschweres politisches Signal – nicht nur an die jüdische Gemeinschaft in Deutschland, sondern auch an all jene, die sich verlässlich gegen Antisemitismus engagieren.“

„Mit der Annahme der JDA öffnet die Partei israelfeindlicher Agitation unter dem Deckmantel der Kritik die Tür – und entzieht sich damit der Verantwortung, jüdisches Leben und jüdische Perspektiven wirksam zu schützen.“

Die Jerusalem Declaration gilt unter jüdischen Gemeinden, Verbänden und Antisemitismusforschenden weltweit als ungeeignet und verharmlosend, weil sie zentrale Formen israelbezogenen Antisemitismus vernebelt oder relativiert, die in der Realität jüdischer Menschen eine erhebliche Bedrohung darstellen.

„Wer jeden Antisemitismus effektiv bekämpfen will, muss ihn erst klar benennen können. Die Linke wählt stattdessen den Weg der politischen Instrumentalisierung und tritt den Konsens der jüdischen Zivilgesellschaft mit Füßen“, so Adler weiter. „Wir ziehen daraus die notwendigen Konsequenzen.“

Für unseren Verein ist unter diesen Umständen keinerlei Kooperation mit der Partei Die Linke möglich.

Wir rufen zugleich alle jüdischen und nichtjüdischen Partner auf, diese Entwicklung kritisch zu prüfen und ihrerseits die Zusammenarbeit mit politischen Kräften zu überdenken, die nicht jeden Antisemitismus klar und solidarisch benennen und bekämpfen.

Jüdisches Leben in Deutschland braucht Sicherheit, Respekt und politische Klarheit – keine doppelten Standards, keine ideologischen Relativierungen.

Aktivitäten WI-Talk

WI-Talk: (Prä)terroristische Organisation Masar Badil. Recherchen in der israelfeindlichen Szene Deutschlands

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Israelfeindliche, antisemitische Demonstrationen mit gewalttätigen Ausschreitungen, körperliche Angriffe auf Presse und Polizeibeamte, Einschüchterungen von Politikern und Journalisten, illegale Besetzungen von Hochschulen und Anschläge auf jüdische und Israel-solidarische Einrichtungen – all das ist seit dem 07.10.2023 Alltag in Deutschland. Hinter dieser bedrohlichen Entwicklung steht unter anderem die Organisation „Masar Badil“, die innerhalb der palästinensischen Diaspora und darüber hinaus für den bewaffneten Kampf gegen Israel und demokratische Werte wirbt.

Während Organisationen wie „Samidoun“ in Deutschland verboten wurden, hat „Masar Badil“ laut neuen Recherchen des Vereins democ e.V. in den letzten Jahren in Westeuropa im Verborgenen ein effektives Netzwerk aufgebaut. Die Organisation dient als Brückenkopf zwischen Terrororganisationen aus dem Nahen Osten wie der Hamas, dem Palästinensischen Islamischen Jihad (PIJ) und der Huthi-Rebellen und Antisemiten, Israelfeinden und Terrorsympathisanten in Europa, mit dem Ziel, nicht nur Israel zu vernichten, sondern auch die westlichen, demokratischen Gesellschaften zu spalten und zu destabilisieren. Dazu sprechen sie gezielt junge Leute der palästinensischen Diaspora an und nutzen Desinformationen zur Verbreitung ihrer Propaganda.

Wir haben mit Linus Kebba Pook, Geschäftsführung und Vorstandsmitglied von democ e.V., über die Hintergründe dieser Gruppe und über die Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit für jüdisches Leben in Deutschland gesprochen.

Moderation: Alina Stiegler, Journalistin

360° Aktivitäten Veranstaltungen

Diskussionsreihe 360°: “Der lange Arm” – Gefährliche Kooperationen aus- und inländischer Demokratiefeinde

Ob russische Desinformationskampagnen, chinesische Infiltration an Universitäten, iranische Netzwerke, die Exil-Communities unter Druck setzen, oder der Einfluss der türkischen Regierung auf Moscheegemeinden in Deutschland – all diese Phänomene zeigen, wie ausländische Akteure gezielt auf die Destabilisierung der deutschen Demokratie hinarbeiten. Dabei können sie sich auf inländische Unterstützung verlassen: Parteien, Medien, religiöse Gruppen und andere Organisationen, die aktiv oder indirekt an solchen Einflussnahmen mitwirken.
Die elfte Ausgabe unserer Diskussionsreihe “360° – Sicherung jüdischen Lebens und der Demokratie” widmet sich der brisanten Thematik ausländischer Einflussnahme auf die deutsche Gesellschaft und deren institutionelle Strukturen. Unter dem Titel “Der lange Arm” nehmen wir insbesondere die Verbindungen zwischen ausländischen Akteuren und inländischen Gruppierungen mit demokratiefeindlichen Interessen in den Fokus.

  • Welche Strategien verfolgen ausländische Akteure, und welche internen Schwachstellen begünstigen ihre Einflussnahme?
  • Wie können wir als Gesellschaft für die Risiken sensibilisiert werden?
  • Welche Synergien sind zwischen Sicherheitsbehörden, politischen Maßnahmen und zivilgesellschaftlichem Engagement möglich?
  • Welche technischen, politischen und gesellschaftlichen Maßnahmen müssen ergriffen werden, um die Demokratie zu schützen?

Darüber diskutierten wir am 8. April 2025 mit unseren Podiumsgästen:

  • Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik
  • Michael Fischer, Leiter des Berliner Landesamtes für Verfassungsschutz
  • Rebecca Schönenbach, Spezialistin für auslandsbezogenen Extremismus und Terrorismusfinanzierung

Moderation: Alina Stiegler (Journalistin u.a. ARD/rbb)

Aktivitäten

Offener Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz zur möglichen Mandatsverlängerung von Francesca Albanese

Nachfolgendes Schreiben haben wir heute an Bundeskanzler Olaf Scholz gesendet.

01.04.2025

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Scholz,

mit großer Dringlichkeit wenden wir uns an Sie. Am 4. April 2025 plant der UN-Menschenrechtsrat, das Mandat von Francesca Albanese als Sonderberichterstatterin für die „Menschenrechtssituation in den seit 1967 besetzten palästinensischen Gebieten“ stillschweigend um drei Jahre zu verlängern. Das wäre ein schwerwiegender Fehler und ein Rückschritt für die Glaubwürdigkeit internationaler Menschenrechtsarbeit. Deutschland muss sich klar gegen die Fortsetzung aussprechen.

Die Rolle einer UN-Sonderberichterstatterin erfordert höchste Maßstäbe an Objektivität, Unparteilichkeit und Sensibilität, insbesondere im Umgang mit komplexen Konflikten und Menschenrechtsfragen. Leider hat Frau Albanese wiederholt und öffentlich Positionen und Narrative vertreten, die diese Grundvoraussetzungen fundamental untergraben und klar antisemitischen Charakter tragen. Sie ist daher von Deutschland und Frankreich offiziell wegen Antisemitismus verurteilt worden: Das Auswärtige Amt sprach zu Recht von einer „Schande“.[1]

Unsere Bedenken stützen sich auf eine Reihe dokumentierter Äußerungen und Handlungen von Frau Albanese, die sie für dieses wichtige Amt disqualifizieren:

  • Antisemitische Tropen: Albanese sprach mehrfach von „jüdischen Lobbys“ und behauptete, die USA seien diesen „unterworfen“[2] – klassische Verschwörungsnarrative, die weltweit als antisemitisch verurteilt wurden.
  • Relativierung des Holocaust: Im Juli 2024 teilte hat sie unter einem Bild, das Israels Premierminister Netanjahu mit Hitler vergleicht– ein grotesker Vergleich, der die Shoah verharmlost- „genau das habe ich mir gedacht“ kommentiert.[3] Solche NS-Vergleiche ziehen sich wie ein roter Faden durch ihre Kommunikation.
  • Verharmlosung des 7. Oktober: Albanese widersprach Präsident Macron, der das Hamas-Massaker als „größtes antisemitisches Massaker unseres Jahrhunderts“ bezeichnet hatte, und behauptete, die Opfer seien „wegen israelischer Unterdrückung“ getötet worden[4] – eine gefährliche Verdrehung der Realität.
  • Terrorverharmlosung: Sie bezeichnete palästinensische Gewalt wiederholt als unvermeidlich und gerechtfertigt, verharmloste Raketenangriffe des Islamischen Dschihad[5] und sprach bei einer Hamas-Konferenz vom „Recht auf Widerstand“.[6]
  • Interessenskonflikte: In ihrem UN-Bewerbungsformular[7] verschwieg sie, dass ihr Ehemann für die palästinensische Regierung tätig war[8] und sie ein Netzwerk gegründet hat, das Staaten zur Anklage Israels wegen „Völkermord“ auffordert[9] – ein klarer Verstoß gegen Transparenz und Neutralität.

Diese Beispiele sind keine Einzelfälle, sondern Ausdruck eines systematischen Fehlverhaltens, das mit den Anforderungen an ein UN-Mandat unvereinbar ist.

Überdies stellt sich ohnehin die Frage, ob es überhaupt ein solches „Sonderberichterstattungs-Mandat“ braucht? Denn bereits der Mandatstitel ist irritierend: Resolution 1993/2 verpflichtet die Sonderberichterstatterin einseitig zur Untersuchung mutmaßlicher israelischer Menschenrechtsverletzungen, während Verstöße anderer Akteure wie Hamas oder der Palästinensischen Autonomiebehörde ausgeschlossen sind. Frühere Amtsinhaber wie Hannu Halinen[10] kritisierten das Mandat als voreingenommen.

Wir fordern die Bundesregierung daher auf:

  1. Das Verhalten von Francesca Albanese öffentlich zu verurteilen und ihre antisemitischen, hetzerischen und parteiischen Aussagen zurückzuweisen;
  2. Sich klar gegen ihre Besetzung am 4. April 2025 auszusprechen und auf ihre sofortige Abberufung hinzuwirken;
  3. Im UN-Menschenrechtsrat für die Abschaffung oder grundlegende Reform des „Sonderberichterstatters“ einzutreten, da es universelle Menschenrechte durch politische Instrumentalisierung kompromittiert.

Die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen und der weltweite Kampf gegen Antisemitismus stehen auf dem Spiel. Deutschland  sollte dem mit Klarheit und Entschlossenheit gerecht werden.

 

Mit besorgten Grüßen,

Elio Adler

– Vorstandsvorsitzender –

 

[1] https://x.com/GermanyDiplo/status/1756674368606736529

[2] https://x.com/HillelNeuer/status/1772792100372852893

[3] https://x.com/ADL/status/1816581111050375178

[4] https://x.com/FranceskAlbs/status/1756351236909965591

[5] https://x.com/FranceskAlbs/status/1555836586985676800

[6] https://www.jns.org/un-envoy-to-hamas-you-have-the-right-to-fight-israel/

[7] https://www.ohchr.org/sites/default/files/2021-12/ALBANESE_Francesca_form.pdf

[8] https://unwatch.org/massimiliano-cali-antisemitism-and-incitement-to-terrorism-on-facebook/

[9] https://unwatch.org/exposed-francesca-albaneses-global-influence-network-targeting-israel/

[10] https://www.ohchr.org/en/press-releases/2009/10/informal-note-press-briefing-mr-hannu-halinen-special-rapporteur-situation

Aktivitäten WI-Talk

WI-Talk: Familien der Hamas-Geiseln. Ein Bericht von Angehörigen

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Wir haben mit Shachar Ohel, dem Onkel der Geisel Alon Ohel, und Liran Berman, dem Bruder der Geiseln Gali und Ziv Berman, über die belastende Zeit seit ihrer Entführung gesprochen und darüber, was sie aktuell über die Situation ihrer Liebsten wissen. Shachar und Liran sind, wie auch Alon, Gali und Ziv, deutsche Staatsbürger.

Seit dem brutalen Angriff der islamistischen Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 auf das Nova-Musikfestival in Israel befinden sich noch immer zahlreiche Menschen in Gaza als Geiseln in Gefangenschaft – in Ungewissheit, unter unerträglichen Bedingungen und teils ohne Lebenszeichen. Ihre Familien und Angehörigen verbleiben in einer kaum nachzuerzählenden Mischung aus Angst, Verzweiflung und Hoffnung.

Die Frage drängt: Was können wir hier und jetzt in Deutschland tun, um sie und alle anderen verbleibenden Geisel in Sicherheit nach Hause zu bringen?

Wir danken Shachar und Liran für das Gespräch, ihren mutigen Einsatz in dieser schweren Zeit und stehen mit ganzem Herzen an der Seite aller Angehörigen und Geiseln.

BRING THEM HOME NOW.

Moderation: Antonia Yamin, Journalistin

Aktivitäten

Treffen mit Christian Sommer

Christian Sommer ist der Repräsentant der Motion Picture Association (MPA) – dem Zusammenschluss der Hollywood-Studios – in Deutschland. Die MPA, der auch u.a. Netflix, Disney, Paramount angehören, unterstützt in Deutschland u.a. das Jüdische Filmfestival Berlin-Brandenburg, welches das größte jüdische Filmfestival in Deutschland ist. 

Wir haben uns u.a. über die zunehmende Politisierung von Kunst und Kultur ausgetauscht; welche Chancen aber auch Risiken darin liegen. Unserem Vorsitzenden war es ein Anliegen, unsere Perspektive auf diesen Bereich zu teilen und wir fanden in Herrn Sommer einen angenehmen und bereits hoch sensibilisierten Gesprächsgast. Herzlichen Dank für Ihren Besuch!

Aktivitäten

Pressemitteilung: Jüdischer Verein fordert klare Haltung gegen Antisemitismus – Berlinale muss Bundestagsresolution anerkennen

13.02.2025 Pressemeldung

Die Berlinale hat erklärt, sich nicht an die Antisemitismus-Resolution des Bundestags halten zu wollen. Das haben wir als Verein jüdischer Bürgerinnen und Bürger mit größter Besorgnis zur Kenntnis genommen. Damit zeigt sich kurz vor dem Ende der Amtszeit von Kulturstaatsministerin Claudia Roth das Resultat ihrer jahrelangen Kulturpolitik: Ein öffentlich gefördertes Filmfestival, das sich nicht klar gegen Antisemitismus positionieren will – trotz eines dramatischen Anstiegs antisemitischer Vorfälle in Deutschland – welches dadurch offenbar signalisiert, dass man antisemitische Ausfälle hinnehmen werde.

Es zeigt sich die direkte Folge einer Kulturpolitik, die antisemitischen Tendenzen in Kunst und Kultur nicht entschieden genug entgegentreten wollte. Die Berlinale erhält im Jahr 2025 eine Förderung von bis zu 12,8 Millionen Euro aus Bundesmitteln, nachdem der Zuschuss um 1,9 Millionen Euro erhöht wurde. Zudem trägt das Land Berlin eine Förderung von einer Million Euro bei. Angesichts dieser erheblichen finanziellen Unterstützung ist es umso wichtiger, dass die Berlinale ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht wird und sich klar gegen Antisemitismus positioniert.

Die Bundestagsresolution „Nie wieder ist jetzt: Jüdisches Leben in Deutschland schützen, bewahren und stärken“ wurde Ende 2024 als Reaktion auf den erschreckenden Anstieg antisemitischer Vorfälle verabschiedet. Sie fordert unter anderem, dass keine öffentlichen Mittel an Projekte vergeben werden, die antisemitische Inhalte verbreiten oder dulden. Dass die Berlinale sich dieser klaren Haltung verweigert, ist ein Skandal und eine direkte Folge der viel zu oft lauwarmen Haltung der scheidenden Kulturstaatsministerin in Bezug auf Antisemitismus.

Seit Jahren wurde davor gewarnt, dass ein fahrlässiger Umgang mit Antisemitismus in der Kulturpolitik langfristig Folgen haben wird. Nun ist diese Saat aufgegangen: Eine der renommiertesten Kulturveranstaltungen Deutschlands stellt sich gegen die wichtige Positionierung des Bundestags.

Es darf nicht sein, dass öffentliche Gelder weiterhin an eine Veranstaltung fließen, auf der die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass antisemitische Ausfälle eine Bühne bekommen. Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass die Berlinale sich eindeutig zur Antisemitismus-Resolution bekennt – andernfalls sollte die finanzielle Förderung überdacht werden. Wer Antisemitismus in der Kultur nicht oder nicht konsequent genug bekämpft, trägt Mitverantwortung für seine Normalisierung.

 

Aktivitäten

Offener Brief an Präsidenten der Freien Universität Berlin zur Einladung von Francesca Albanese

Nachfolgendes Schreiben haben wir heute an den Präsidenten der Freien Universität Berlin, Prof. Dr. Günter M. Ziegler, gesendet.

10.02.2025

Sehr geehrter Herr Prof. Ziegler,

mit großem Befremden nehmen wir zur Kenntnis, dass Francesca Albanese am 19. Februar an der Freien Universität Berlin einen Vortrag halten soll.

Albanese ist wiederholt durch die Verbreitung antisemitischer Weltbilder aufgefallen. Zum Beispiel relativierte Albanese im Juli 2024 den Holocaust, indem sie ein Bild auf X erneut postete, das den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu mit Adolf Hitler verglich, und dazu kommentierte: „Genau das habe ich heute gedacht.“[1]Auch wegen der Verbreitung antisemitischer Verschwörungstheorien fällt sie immer wieder auf. So unterstützte sie beispielsweise im Oktober 2024 einen Beitrag auf X, in dem in Hinblick auf die Politik der USA behauptet wurde, „die Israel-Lobby habe den Kongress und die beiden herrschenden Parteien gekauft und bezahlt sowie die Medien und Universitäten eingeschüchtert.“[2]

Immer wieder verharmlost sie das Massaker vom 7. Oktober und leugnet dessen antisemitische Natur. So twitterte Albanese im Februar 2024 als Reaktion auf die Aussage des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der das Massaker vom 7. Oktober als „das größte antisemitische Massaker unseres Jahrhunderts“ bezeichnete: „Das größte antisemitische Massaker unseres Jahrhunderts? Nein, @EmmanuelMacron. Die Opfer des 7.10. wurden nicht wegen ihres Judentums getötet, sondern als Reaktion auf die Unterdrückung durch Israel.“[3] Ihre Sympathie für die Hamas ist nichts Neues: Im Jahr 2014 zeigte sich Albanese auf Facebook begeistert darüber, dass die Hamas durch das EU-Gericht von der Liste der Terrororganisationen gestrichen wurde, und bezeichnete dies als „gute Nachricht“.[4] (Die Entscheidung der EU, die Hamas als Terrororganisation zu dekategorisieren, wurde 2017 vom Europäischen Gerichtshof wieder aufgehoben.)

Aufgrund dieser Aussagen wurde sie als erste UN-Sonderberichterstatterin in der Geschichte der Vereinten Nationen von Deutschland, Frankreich und den USA offiziell wegen Antisemitismus verurteilt, ebenso wie von mehreren führenden jüdischen Organisationen weltweit.[5]

Neben Albanese wird auch Eyal Weizman, Gründer und Direktor von Forensic Architecture, als Redner erwartet. Weizman bezeichnet sich selbst als Unterstützer der antisemitischen BDS-Bewegung.[6] Im Jahr 2020 wurde ihm die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert, nachdem das US-Heimatschutzministerium ihn als „Sicherheitsbedrohung“ eingestuft hatte.[7] Am 7. Februar 2025 twitterte er enthusiastisch über seine Zusammenarbeit mit Salman Abu Sitta, einem bekannten Hamas-Sympathisanten.[8] Abu Sittas Online-Teilnahme an einem Palästina-Kongress in Berlin im April 2024 führte maßgeblich dazu, dass die Polizei die Veranstaltung abbrechen ließ.[9]

Wir sind höchst irritiert, dass solchen Personen eine Bühne an der Freien Universität geboten werden soll. Diese Entscheidung erscheint angesichts der jüngsten Absage der Ausstellung „The Vicious Circle“ des britischen „National Holocaust Centre and Museum“ in einem ganz besonderen Licht. Diese Ausstellung, die sich kritisch mit der über 2000-jährigen Geschichte des Antisemitismus auseinandersetzt, wurde von der Universitätsleitung aus Angst vor „emotionalen Reaktionen“ und „intensiven Debatten“ gestrichen.

Es ist bezeichnend, dass die Universitätsleitung offenbar nur dann Sorge vor kontroversen Reaktionen zeigt, wenn es um Veranstaltungen geht, die sich kritisch mit Antisemitismus beschäftigen. Gleichzeitig wird radikalen, antisemitischen Stimmen großzügig Raum gegeben. Diese Doppelmoral wirft die Frage auf, ob die Freie Universität ihren eigenen Ansprüchen an Neutralität, Verantwortung und akademische Redlichkeit noch gerecht wird.

Die Ludwig-Maximilians-Universität München hat vor wenigen Tagen in ähnlicher Lage anders entschieden. Sie hat gezeigt, wie eine klare Haltung gegen antisemitische Tendenzen aussehen kann. Es ist Zeit, dass die Freie Universität Berlin diesem Beispiel folgt.

Wir wünschen uns dringend von Ihnen, diese Veranstaltung abzusagen, derartige Veranstaltungen künftig zu unterbinden und die Sicherheit jüdischer Studierender endlich ernst zu nehmen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Elio Adler

– Vorstandsvorsitzender –

 

[1] https://x.com/ADL/status/1816581111050375178

[2] https://x.com/FranceskAlbs/status/1846879867180036293

[3] https://x.com/USAmbHRC/status/1757103240817078396?lang=en

[4] https://static.timesofisrael.com/www/uploads/2022/12/Untitled-2-2.jpg

[5] https://unwatch.org/antisemitic-un-official-set-to-visit-us-for-general-assembly-campus-tour/

[6]https://static1.squarespace.com/static/5b8050f6b10598702dccbad1/t/5bc40c50ec212d91115facd4/1539574864433/Estefan-Weizman_Extending-CoResistance_Assuming-Boycott.pdf

[7] https://news.artnet.com/art-world/forensic-architecture-algorithm-us-ban-1782441

[8] https://x.com/weizman_eyal/status/1887941876055163049

[9] https://www.spiegel.de/panorama/justiz/berlin-polizei-loest-umstrittenen-palaestina-kongress-auf-a-cf8e36e8-8333-408d-beb9-93567015b2c5