Aktivitäten

Gesprächstermin beim Berliner Innensenator Andreas Geisel

Die Haupt- und Großstadt Berlin vereint Chancen und Risiken einer pluralen Gesellschaft. Das zeigte sich auch im breiten Themenspektrum unseres Gesprächs mit dem Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) und seinem Staatssekretär Torsten Akmann.

Neben dem Dauerthema Al-Quds-Marsch, ging es um den richtigen Umgang mit den Verschwörungsphantasien und Gewaltaufrufen rund um die sog. „Hygienedemos“. Außerdem haben wir unsere aktuelle Diskussions-Trilogie vorgestellt: „360° – Bedrohungen für jüdisches Leben in Deutschland und Gefahren für die freiheitliche Demokratie!“. Schließlich haben wir mit Senator Geisel über Sinn und Unsinn des Rasse- und Rassismusbegriffs gesprochen. Die Formulierung im Landesantidiskriminierungsgesetz „rassistische und antisemitische Zuschreibungen“ erachten wir dabei als wegweisend auch für weitere Änderungen anderer Gesetze.

Wir danken unseren beiden Gesprächspartnern für das Treffen.

Aktivitäten

Mehr als nur Wortklauberei: “Muslimenfeindlichkeit” statt „antimuslimischer Rassismus“ verwenden

Feindlichkeit gegenüber Muslimen lehnen wir ebenso ab, wie jede andere Form der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Um dieser intolerablen Haltung angemessen entgegentreten zu können, halten wir eine richtige Wortwahl für eine wichtige Voraussetzung. Daher haben wir dieses gemeinsame Statement mit unterzeichnet:


Statement zur geplanten Einrichtung einer Registerstelle bei der Berliner Innenverwaltung

Muslimenfeindlichkeit statt „antimuslimischer Rassismus“

Im März 2020 stellte Innensenator Herr Andreas Geisel nach den Ereignissen in Hanau ein umfangreiches Maßnahmenpaket zum Schutz von Muslimen vor. Dies beinhaltet auch eine Registerstelle, bei der sich Opfer von Rassismus melden sollen, um das Ausmaß des Problems besser erfassen zu können. Dies soll nach Pressemeldungen eine Registerstelle für „antimuslimischen Rassismus“ sein.[1]

So sehr wir die Einrichtung von Registerstellen zur Erfassung von Hassverbrechen und Rassismus begrüßen, so sehr wir Rassismus und Diskriminierung ablehnen, so haben wir jedoch Bedenken, dass das Konzept und der damit verbundene Begriff des „antimuslimischen Rassismus“ Unterstützung und Anerkennung durch die Verwaltungen und Ministerien erhält.

Mit der Verwendung von Begriffen sind jeweils unterschiedliche wissenschaftliche und politische Konzepte verbunden, die sich oft nur bei einer genaueren Betrachtung erschließen. So auch beim „antimuslimischen Rassismus“ und beim von uns favorisierten Begriff der „Muslimenfeindlichkeit“.

Unter Rassismus verstehen wir Ungleichheitsideologien, die sich zur Kategorisierung von Menschen auf die Biologie berufen. Sie gehen erstens von der Existenz klar identifizierbarer Menschengruppen als „Rassen“ aus, und zweitens begründet Rassismus die Diskriminierung der Betroffenen mit ihrer Zuordnung zu einer „Rasse“. „Bedeutsam ist, dass eine biologische Kategorie als grundlegend gilt und es in dieser Hinsicht keine Veränderbarkeit gibt.“ (nach Armin Pfahl-Traughber, 2019 und 2020)[2]. Der Islam ist eine Religion und keine „Rasse“. Der Begriff „antimuslimischer Rassismus“ verwischt die Klarheit des Begriffs „Rassismus“ mit weitreichenden Folgen: Wenn alle möglichen diskriminierenden Erscheinungsformen als „rassistisch“ gelten, dann wird das spezifische Gefahrenpotential des Rassismus nicht beachtet und relativiert. Darüber hinaus ist die Einteilung der Menschheit in „Rassen“ nach dem Muster der überkommenen „Rassenlehren“ wissenschaftlich unhaltbar. Religionen und Kulturen können und müssen hingegen am Maßstab von Demokratie und Menschenrechten gemessen und kritisiert werden können. Wenn Kulturen und Religion mit „Rasse“ gleichgesetzt werden, gerät jedoch auch menschenrechtlich und demokratisch motivierte Kritik an der Ideologisierung von Kultur und Religion in Gefahr, als „rassistisch“ abgekanzelt zu werden.

Die Kritik an Vorstellungen von – religiöser und kultureller – Identität, die den einzelnen Menschen weniger als Individuum mit individuellen Menschenrechten, sondern vorrangig als Angehörigen des Kollektivs betrachten muss aber grundsätzlich möglich bleiben. Insbesondere, wenn solche Identitätsvorstellungen die Menschenrechte als Rechte jedes einzelnen Menschen bedenklich relativieren. Dafür bedarf es einer Differenzierung zwischen der irrationalen Unterscheidung und Bewertung von Menschen nach der Kategorie „Rasse“ (Rassismus) und der Diskriminierung aufgrund der Pauschalisierung und Überbewertung kultureller und religiöser Unterschiede.

Wir schlagen daher vor, in der öffentlichen Debatte und für die öffentlichen Verwaltungen und Ministerien anstelle des Begriffs „antimuslimischer Rassismus“ weiterhin den Begriff „Muslimenfeindlichkeit“ zu verwenden. Angelehnt an die anerkannten Leipziger Mitte-Studien, die diesen Begriff nutzten, können so die gemeinten Phänomene eindeutiger erfasst werden: Es geht um die Feindschaft gegen Muslime als Muslime und darum, dass Menschen aufgrund Ihres Muslimseins diskriminiert werden. Anderseits lässt der Begriff „Muslimenfeindlichkeit“ die notwendige demokratische und menschenrechtliche Kritik zu (vgl. Armin Pfahl-Traughber, 2019 und 2020).

Wir appellieren an den Berliner Innensenator Herrn Andreas Geisel und die Innenverwaltung die Namensgebung für die geplante Registerstelle zu überprüfen und hierfür den Begriff der „Muslimenfeindlichkeit“ zu verwenden. Auch andere Verwaltungen wie die Berliner Landesantidiskriminierungsstelle bitten wir, Ihre Begriffsverwendungen zu überprüfen, um nicht irrtümlich demokratie- und menschenrechtlich motivierte Haltungen zu diskreditieren und zu erschweren. Dies ist aus unserer Sicht notwendig, um die Diskussion über den Zusammenhalt, die Demokratie und die Menschenrechte in Berlin voran zu bringen und zu fördern.

 

AG SPDqueer Neukölln (Vorstand) (Ramin Rachel, Svenja-Michell Felgentreu, Christian Riemer, Henri Vogel, Bettina Oehlert)

Humanistischer Verband Berlin-Brandenburg (Präsidium)

Antonio Leonhardt (DIE LINKE, BVV-Lichtenberg)

Carl Chung (Fachleiter Politische Bildung & Projekte „Jehi Or“ Jüdisches Bildungswerk für Demokratie – gegen Antisemitismus)

C. S. (stv. Sprecherin Landesarbeitsgemeinschaft Säkulare Grüne Berlin / auf Wunsch der Unterzeichnerin nachträglich gekürzt)

Detlef Wagner (Bezirksstadtrat für Soziales und Gesundheit, BA Charlottenburg-Wilmersdorf)

Dr. Fritz Felgentreu (SPD, Mitglied des Deutschen Bundestages)

Dr. Elio Adler (Vorsitzender d. WerteInitiative – jüdisch-deutsche Positionen e.V.)

Herbert Nebel (Sprecher Landesarbeitsgemeinschaft Säkulare Grüne Berlin)

Jan Buschbom (Pädagoge)

Lala Süsskind (geschäftsführende Gesellschafterin „Jehi Or“ Jüdisches Bildungswerk für Demokratie – gegen Antisemitismus)

Markus Wollina (DIE LINKE, Berlin-Mitte)

Michael Hammerbacher (Leiter DEVI e.V, Verein für Demokratie und Vielfalt in Schule und beruflicher Bildung)

Naila Chikhi (unabhängige Referentin für Integration und Frauenpolitik, Autorin)

Roman Veressov (DIE LINKE, Bezirksverordneter Lichtenberg)

Seyran Ates (RA, Ibn Rushd Goethe Moschee)

Walter Otte (Sprecher Bundesarbeitsgemeinschaft Säkulare Grüne)

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[1] Tagesspiegel, So will Berlin seine Muslime besser schützen, 6.3.2020

[2] https://hpd.de/artikel/antimuslimischer-rassismus-analytische-kategorie-oder-polemisches-schlagwort-16906, 14.6.2019;

https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/180774/islamfeindlichkeit-islamophobie-islamkritik-ein-wegweiser-durch-den-begriffsdschungel, 17.6.2019

 

Veranstaltungen

Das Islamische Zentrum Hamburg und die Hisbollah in Deutschland – Gefahren für die innere Sicherheit?

Das Islamische Zentrum Hamburg und die Hisbollah in Deutschland – Gefahren für die innere Sicherheit?

WEGEN CORONA-PANDEMIE ABGESGAGT

Es diskutieren:
• Christoph de Vries, CDU Hamburg, Mitglied des Deutschen Bundestages
• Jennifer Jasberg, Fraktionsvorsitzende Die Grünen Hamburg
• Dr. Remko Leemhuis, Direktor American Jewish Commitee
• Jörg Rensmann, Programmdirektor des Mideast Freedom Forum Berlin

Begrüßung: Daniel Kohn, WerteInitiative

Wann: Donnerstag, 22. Oktober 2020, 18:00 Uhr
Wo: Patriotische Gesellschaft Hamburg / Livestream
VA in Kooperation mit dem Mideast Freedom Forum (MFFB), dem American Jewish Commitee Berlin und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hamburg

Gegen die terroristische Organisation Hisbollah hat die Bundesregierung im April 2020 ein Betätigungsverbot erlassen. Die Hisbollah wird aus dem Iran gesteuert und finanziert und stellt deshalb eine Gefahr in Deutschland dar, insbesondere für jüdische und israelische Einrichtungen sowie für iranische Oppositionelle, die hier im Exil leben.

In Hamburg beobachten Sicherheitsbehörden rund 30 Hisbollah-Anhänger, die unter anderem im „Islamischen Zentrum Hamburg“ (IZH) verkehren. Dieses Zentrum wird – wie die Hisbollah – aus dem Iran beeinflusst. Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezeichnet das IZH als „wichtigste propagandistische und organisatorische Einrichtung des iranischen Regimes in Europa“.

Nach dem Verbot der Hisbollah stellen sich u.a. folgende Fragen: In welcher Beziehung steht das Islamische Zentrum Hamburg tatsächlich zur Regierung in Teheran und kann das Zentrum weiterhin über einen Staatsvertrag mit der Stadt Hamburg verbunden bleiben? Welche Folgen hat der Staatsvertrag für die Entwicklung von Islamismus und Antisemitismus in Hamburg und darüber hinaus?

Über diese Fragen diskutieren wir mit unseren Gästen:

  • Jennifer Jasberg, Fraktionsvorsitzende Die Grünen Hamburg
  • Christoph de Vries, CDU Hamburg, Mitglied des Deutschen Bundestages
  • Dr. Remko Leemhuis, Direktor American Jewish Commitee Berlin
  • Jörg Rensmann, Programmdirektor Mideast Freedom Forum Berlin

Einleitung: Daniel Kohn, WerteInitiative – jüdisch-deutsche Positionen

 

Aufgrund der Corona-Situation gibt es nur eine begrenzte Platzzahl. Eine Anmeldung ist daher unbedingt erforderlich.

Anmeldung unter: https://forms.gle/Tpq9XgF7MhEEne6W8

Diese Veranstaltung ist eine Kooperation des Mideast Freedom Forum Berlin e.V., der WerteInitiative – jüdisch-deutsche Positionen e.V., des American Jewish Commitee Berlin und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hamburg

Aktivitäten

Podcast: Gegen den Quds-Marsch

Der antisemitische Quds-Tag findet dieses Jahr nicht in Berlin statt. Seine Urheber – die iranische Führung – nutzten ihn jedoch, um ihre Vernichtungsdrohungen gegenüber dem Jüdischen Staat Israel zu erneuern und zu bekräftigen. Grund genug, diese gefährliche Ideologie näher zu beleuchten.

Als Teil des Bündnisses Gegen den Quds-Marsch Berlin haben wir gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung, dem AJC Berlin Ramer Institute, der DIG Berlin und BrandenburgJehi Or Jüdisches Bildungswerk für Demokratie-gegen Antisemitismus GUG, dem JFDA – Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus, der JSUD – Jüdische Studierendenunion Deutschland, der Jüdische Gemeinde zu Berlin KdöR, dem JuFo – Junges Forum Deutsch-Israelische GesellschaftMakkabi Deutschland e.V., dem Mideast Freedom Forum BerlinSTOP THE BOMB und uns, der WerteInitiative. jüdisch-deutsche Positionen einen dreiteiligen Podcast herausgebracht.

Die Moderatorin Laura Cazés spricht mit mit dem Politikwissenschaftler Samuel Salzborn, dem Psychologen Ahmad Mansour sowie der Leiterin der Forschungsabteilung des Mideast Freedom Forum Berlin Ulrike Becker über die Geschichte des Quds-Tages, Antisemitismus und Radikalisierung.
Bearbeitung und Schnitt erfolgten durch Linus Pook

Alle Folgen findet ihr z.B. hier und auf anderen podcast-Plattformen: https://anchor.fm/gegenqudsmarschberlin

Aktivitäten

Öffentlicher Brief: Hisbollah-Verbot konsequent durchsetzen – Hamburger Staatsvertrag mit der Schura aussetzen

Sehr geehrter Herr Erster Bürgermeister Dr. Tschentscher,
sehr geehrte Frau Zweite Bürgermeisterin Fegebank,

bei Ihren jetzigen Koalitionsverhandlungen wünschen wir Ihnen viel Erfolg. Wir möchten die Gelegenheit nutzen Sie daran zu erinnern, dass in einer offenen und toleranten Stadt wie Hamburg das Thema Islamismus-Bekämpfung und die Bekämpfung des Hasses auf Andersgläubige zwingender Teil des zivilgesellschaftlichen und politischen Engagements zu sein hat und daher in Ihren Koalitionsverhandlungen einen prominenten Raum einnehmen muss.

Die Verfügung zum Betätigungsverbot der libanesischen Terrormiliz Hisbollah (Partei Gottes) in Deutschland erging am 20. April 2020. Der Hauptgrund des Verbots ist die Hetze dieser Vereinigung fundamentalistischer Schiiten gegen Israel. Im Anschluss daran kam es zu groß angelegten Razzien in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bremen. Dabei wurden mehrere Moscheen und Vereinsräumlichkeiten von der Polizei durchsucht.
Auch in Hamburg gibt es Hisbollah-Anhänger, die unter anderem im „Islamischen Zentrum Hamburg“ (IZH) verkehren. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes ist das IZH die wichtigste propagandistische und organisatorische Einrichtung des iranischen Regimes in Europa (https://www.mopo.de/-islamisches-zentrum-hamburg–an-der-alster-liegt-irans-propaganda-zentrale-19548712http://www.hamburg.de/innenbehoerde/archiv/232318/fuehrungswechsel-izh-artikel/).

Im Zuge der Durchsuchungen im Zusammenhang mit dem Hisbollah-Verbot forderte das IZH in einem öffentlichen Brief eine Wiedergutmachung für die „Missachtung der Wertschätzung gegenüber Moscheen, dem Koran und dem Fastenmonat Ramadan“ von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (https://izhamburg.com/blog/2020/05/08/breif-an-den-bundespraesidenten/). Auffallend ist, dass das IZH die Ermittlungen deutscher Sicherheitsbehörden gegen Moscheevereine, die im Verdacht stehen terroristische Aktivitäten zu unterstützen, kritisiert, sich jedoch eine Distanzierung von der Hisbollah in diesem Schreiben vergebens suchen lässt. Es bestätigt sich die Einschätzung des Verfassungsschutzes, dass das IZH eine direkte Interessenvertretung des Irans ist. Der größte Unterstützer und Finanzier der Hisbollah ist das iranische Mullah-Regime. Als Mitglied der Schura, dem Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg, ist das IZH zugleich Partner der Freien und Hansestadt Hamburg bei den Verträgen mit den Islamverbänden.

Das Hisbollah-Verbot konsequent umzusetzen bedeutet auf der politischen und zivilgesellschaftlichen Ebene eine strikte Verweigerung der Zusammenarbeit mit Rechtsextremisten, Islamisten und deren Unterstützern. Vereinigungen und Einzelpersonen, die menschenverachtendes Gedankengut (Antisemitismus, Rassismus, Degradierung von Frauen, Hass auf Homosexuelle und Minderheiten) und Terror in die Welt tragen, können in keinster Weise demokratische Partner sein, sondern müssen konsequent und nachhaltig mit demokratischen Mitteln bekämpft werden. Es gilt unsere offene, bunte und demokratische Gesellschaft zu stärken und zu schützen.

Der Staatsvertrag mit der Schura Hamburg muss ausgesetzt werden, solange das IZH ein Teil der Schura ist!

Wir fordern SPD und Grüne als Koalitionspartner zudem auf, sämtliche Kontakte und offiziellen Dialogformate zu Islamverbänden und Moscheegemeinden, die Hass und Hetze gegen Andersgläubige sowie antisemitische und antiisraelische Propaganda verbreiten und Kriegsverherrlichung in Gotteshäusern betreiben, einzustellen. Wir erwarten die gleiche Distanzierung vom religiösen Extremismus wie vom politischen Extremismus.

 

Unterstützt wird dieser Aufruf von:

• Dr. Necla Kelek, Vorsitzende des Vereins säkularer Islam Hamburg
• Ercan Degirmenci, 2. Vorsitztender der Alevitischen Gemeine Hamburg
• Prof. Dr. Susanne Schröter, Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI)
• Shelly Meyer, Vorstandsmitglied von Koach Hamburg
• Seyran Ateş, Rechtsanwältin und Autorin
• Dr. Thomas K. Gugler, Forschungsverbund Normative Ordnungen Goethe-Universität
• Volker Beck, Lehrbeauftragter am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien Ruhr- Universität Bochum
• Paul Nellen, Mitglied im „AK Respekt und Klarheit“ der Grünen im Landesverband Hamburg
• Carsten Ovens, Executive Director bei ELNET Deutschland
• Hourvash Pourkian, International Women in Power Initiative
• Dr. Matthias Küntzel, Politikwissenschaftler
• Christoph de Vries, Mitglied des Deutschen Bundestags
• Oliver Bertrand, Forschungskoordinator des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI)
• Esther Heller, Vorstandsmitglied von Koach Hamburg
• Ali Ertan Toprak, Präsident Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland/BAGIV
• Anna von Treuenfels-Frowein, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft
• Stefan Hensel, Vorsitzender der Deutsch-Israelische Gesellschaft Hamburg
• Zana Ramadani, politische Beraterin und Autorin
• JuFo – Junges Forum Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V.
• Jüdische Studierenden Union Deutschlands
• European Union of Jewish Students
• Verband Jüdischer Studierender Nord
• WerteInitiative. jüdisch-deutsche Positionen e.V.
• Iranische Menschenrechtsinitiative Hamburg
• NAFFO – Nahost Friedensforum e. V.
• Mideast Freedom Forum Berlin
• American Jewish Committee (AJC) Berlin

Aktivitäten

Antwort erhalten: SWR-Kindernetz stellt IL-Pal Konflikt völlig verzerrt dar

Der Intendant des SWR, Prof. Kai Gniffke hat sehr positiv reagiert. Der fragliche Bericht ist offline und wird überarbeitet. Gut so und Danke!

18. Mai 2020: Die Antwort des SWR

Sehr geehrter Herr Dr. Adler,

auf Ihren offenen Brief möchte ich gerne reagieren. Wichtig ist mir aber zu betonen, dass mich Ihr ursprüngliches Schreiben nicht erreicht hat. Darum ist auch bisher die Antwort ausgeblieben.
Nach Rücksprache mit den zuständigen Kolleginnen und Kollegen kann ich Ihnen Folgendes mitteilen: Der Artikel, auf den Sie sich beziehen, befindet sich im Archiv unseres SWR Kindernetzes.

Er stammt ursprünglich aus dem Jahr 2008 und ist fälschlicherweise vor zwei Jahren unkritisch übernommen und mit einem aktualisierten Datumsstempel versehen worden. So war eine Einordnung in einen zeitlichen Kontext nicht mehr ersichtlich.

Der Einstiegssatz (Punkt 4) stammt also aus einer Zeit (2008), in der es viele Angriffe gegeben hat. Grundsätzlich gilt, das zeigt unsere Erfahrung, dass für Kinder derart komplexe Geschehnisse stark vereinfacht erklärt werden müssen.

Darunter fallen die unter den Punkten 1 und 3 aufgeführten Sachverhalte. Besonders bei politischen Themen ist dies oft eine Gratwanderung.

Wir bemühen uns immer um Objektivität und der Bereich bedauert es sehr, wenn hier ein falscher Eindruck erweckt wurde.

Der Artikel ist vorerst entfernt worden. Wir werden uns um ein adäquates neues Angebot kümmern.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Kai Gniffke

1. Mai 2020: Unser Anschreiben

1. Mai 2020

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Kai Gniffke,

wir, die WerteInitiative – jüdisch-deutsche Positionen, schreiben Ihnen anlässlich des Artikels „Ein Land braucht Frieden“, der im SWR-Kindernetz erschienen ist und in das Verhältnis zwischen Israel und Palästina einführen soll. (https://www.kindernetz.de/infonetz/politik/palaestina/-/id=441582/nid=441582/did=118840/tq2geq/index.html).

Die WerteInitiative hat sich seit 2014 als zivilgesellschaftliche jüdische Stimme in Deutschland etabliert. Wir sind angetreten, um die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland zu sichern. Daher setzen wir uns für die Stärkung der Werte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung aus jüdischer Perspektive ein. Dies tun wir, indem wir den wertebasierten politischen, gesellschaftlichen und medialen Diskurs, das bürgerschaftlich-jüdische Engagement in Deutschland und das deutschisraelische Verhältnis fördern. Für weitergehende Informationen empfehlen wir, unsere Webseite zu besuchen: https://werteinitiative.de/.

Wir leben in einer Zeit, in der gesellschaftliche Gräben tiefer werden und deutsche Jüdinnen und Juden Antisemitismus immer stärker zu spüren bekommen. Einen wesentlichen Teil davon macht israelbezogener Antisemitismus aus. Er dämonisiert und delegitimiert Israel und bewertet sein staatliches Handeln im Gegensatz zu dem der anderen Konfliktparteien mit doppelten Standards.
Daher ist uns ein achtsamer Umgang mit dem Themenkomplex des Konflikts zwischen Israelis und palästinensischen Arabern gerade in der pädagogischen Vermittlung sehr wichtig. So wichtig es ist, sich dieses Themas anzunehmen, so sehr darf das Thema nicht unangemessen verkürzt und wichtige Erklärungsmuster verschweigen werden.

Zur Website:
1.
Die Autorin, Frau Amann, erhebt den Anspruch aufzuklären, wie es „überhaupt zu dieser Krise“ kam:

„Der Streit zwischen Israelis und Palästinensern dreht sich darum, wo genau die Grenzen verlaufen sollen.“

Diese Aussage enthält eine massive Verzerrung: Wenn der einfache Grenzverlauf das Problem des sog. „Nahostkonflikts“ wäre, gäbe es schon seit 1948 einen Staat mit dem Namen „Palästina“. Die Arabische Liga lehnte den UN-Teilungsplan nicht aufgrund des Grenzverlaufes ab. Sie lehnte die israelische Staatsgründung in ihrer Gänze ab und erklärte Israel den Vernichtungskrieg. Erinnert sei z.B. auch an die „drei Neins“, der sog. „Khartum-Resolution“: „NO peace with Israel – NO recognition of Israel – NO negotiations with Israel“.
Die Gründung eines arabisch-palästinensischen Staates ist nicht an Israel gescheitert. Wesentlich dafür ist auch die Uneinigkeit der palästinensischen Araber: Die Fatah in der Westbank, die Hamas in Gaza, die Geflüchteten in den Nachbarstaaten und schließlich die arabischen Staatsbürger Israels.

Mit welcher von diesen Gruppen soll Israel rechtssicher verhandeln?

2.
Ein weites Problem: Laut der Autorin wollen

„Radikale auf beiden Seiten (…) das ganze Gebiet für ihre Gruppe.“

Hier wird gleichgemacht, was nicht gleich ist. Auf der einen Seite eine demokratische Regierung, ein Rechtsstaat. Auf der anderen Seite etliche zersplitterte Gruppen, die, jede für sich, eigene
Ansprüche stellt. Die Forderung nach „dem ganzen Gebiet“ für Israel erhebt in Israel lediglich eine Minderheit und kämpft zur Durchsetzung ihrer Meinung nicht gegen die palästinensischen Araber, sondern, im Rahmen des demokratischen Diskurses, gegen andere israelische Gruppen, die hier eine andere Haltung vertreten.
Auf einer der anderen Seiten des Konflikts steht die Hamas, eine Terrororganisation. Sie fordert bis zum heutigen Tage die vollständige Vernichtung Israels und bringt diejenigen ihrer Landsleute um, die gegen sie die Stimme erheben. Ferner gibt es noch die Fatah in der Westbank, welche in erschreckender Weise einen sog. Märtyrer-Kult pflegt, Schulen und Straßen nach getöteten Terroristen benennt, Terrorrenten zahlt und bis heute von einem „Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer“ fabuliert. Ihr Kampfruf ist auch heute noch: „From the river to the sea – Palestine will be free!”.

3.
Diesen Kampfruf, der für einen jüdischen Staat keinen Quadratzentimeter Platz lässt (vgl. Frau Ammans „Streit um Grenzen“), übernimmt Ihre Autorin dann auch 1:1 und gibt ihn als Faktum
wieder:

„Palästina ist klein. Vom Mittelmeer zum Jordan, der Grenze zum Nachbarland Jordanien,…“

4.
Einen anderen Aspekt bringt diese Aussage:

„Nachrichten aus dem Nahen Osten sind selten gute Nachrichten: Es geht um gescheiterte Friedenspläne, Krieg, Hass und Gewalt.“

Diese Region ausschließlich als Krisenregion zu lehren, trägt dazu bei, dass sie i.S.e. „self-fulfilling prophecy“ auch eine bleibt. Ihre Leser, oder besser die lernenden Kinder, sehen die Region durch diese Brille. Es gäbe zumindest erwähnenswerte, positive Aspekte, welche Anknüpfung für Hoffnung und Perspektiven für Kinder sein könnten: Es gab und gibt durchaus
Friedensverhandlungen, die zu einem positiven Ergebnis führten. Als Beispiel seien nur die Friedensverträge zwischen Israel und Jordanien oder Israel und Ägypten genannt. Gemeinsame
Projekte, Freundschaften, Kultur, Küche usw.. Wir jüdischen Deutschen erleben, wie groß die Macht der hasserfüllten Narrative ist, die aus dem Nahen Osten hierher dringen. Unterschätzen Sie bitte nicht ein weiteres Problem Ihres Textes: Was sagen z.B. palästinensisch-arabischstämmige Kinder, die in Deutschland leben zu ihren Familienmitgliedern im Nahen Osten? Lässt Ihr Text zu, dass er von außen beruhigend wirkt oder verleitet er sie, den Konflikt durch Übernahme eines einseitigen Narratives zu befeuern?
Das grundlegende Problem in diesem Artikel ist seine Tendenziösität. Er bedient eine einseitige Sicht auf den Konflikt zwischen Israelis und palästinensischen Arabern und ist dazu geeignet,
sowohl den Konflikt vor Ort, als auch von uns in Deutschland erlebten Antisemitismus anzuheizen.
Ein so wichtiges pädagogisches Projekt und Medium wie das „Kindernetz“ sollte – bei aller Komplexität des Themas und der dennoch für Kinder gebotenen Kürze der Darstellung – die junge
Generation, gerade in heutigen Zeiten sichtbaren Antisemitismus, durch ausgewogene Informationen zu einer eigenen Meinungsbildung anregen.
Eine Überarbeitung der aktuellen Darstellung halten wir daher für dringend notwendig. Unsere Mitglieder, die uns auf Ihre Seite hingewiesen haben, möchten erfahren, wie bzgl. der hier
im Text angesprochenen Textstellen Ihrerseits weiter vorgegangen wird. Gerne werden wir nicht nur dieses Schreiben allein, sondern gleich in Verbindung mit einer positiven Reaktion zeitnah
veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Elio Adler
– Vorsitzender –

1.5.2020:

Da wir leider keine Antwort von Herrn Professor Gniffke erhalten haben, können wir nur unseren Brief veröffentlichen.

360° Veranstaltungen

Diskussionsreihe 360°: “Rechtsextremismus”

Diskussionsreihe: 360° – Bedrohungen für jüdisches Leben in Deutschland und Gefahren für die freiheitliche Demokratie!

Es diskutieren:
• Thomas Haldenwang, Präsident des deutschen Verfassungsschutzes
• Dr. Irene Mihalic, Sprecherin Innenpolitik Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
• Armin Schuster, CDU, Obmann Ausschuss für Inneres und Heimat, ehemaliger Obmann im NSU-Untersuchungsausschuss
• Dr. Volker Weiß, Autor von “Die autoritäre Revolte: Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes”

Moderation: Dr. Ronen Steinke, Süddeutsche Zeitung

Die Veranstaltung wurde am 13. Mai 2020 aufgezeichnet. Sie fand in Kooperation mit dem “Zentrum Liberale Moderne” (LibMod) und ihrem Projekt Gegneranalyse statt.

Hier die gesamte Diskussion:

Nicht erst seit dem versuchten Anschlag auf die Synagoge in Halle fühlen sich Jüdinnen und Juden in Deutschland zunehmend unsicher. Deutschland verändert sich. Von verschiedenen Seiten versuchen radikale Kräfte, die Gesellschaft zu spalten. Die Zahl der antisemitischen Straftaten steigt kontinuierlich.
Die WerteInitiative veranstaltet aus diesem Grund eine Diskussionsreihe zu den Themen Rechtsextremismus, Islamismus und Linksextremismus. Im Gespräch mit hochkarätigen Gästen und Spezialisten suchen wir nach konkreten Antworten auf die Fragen:

• Wer genau sind diese radikalen Kräfte, die unsere Demokratie bedrohen?
• Was verbindet sie, was unterscheidet sie?
• Ist die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland sicher?
• Sind unsere Gesellschaft und unsere Demokratie in Gefahr?

1. Teil: Rechtsextremismus
Von den NSU-Morden bis zum Attentat von Hanau: das Thema Rechtsterrorismus ist im gesellschaftlichen Bewusstsein präsent. Oft ist dabei von einer Zäsur die Rede. Der Rechtsterrorismus in Deutschland blickt jedoch auf eine lange Tradition zurück: Waren die Sicherheitsbehörden in der Vergangenheit meist mit organisierten Neonazi-Strukturen konfrontiert, steigt aktuell stark die Gefahr der Radikalisierung von Einzelpersonen im Internet. Was für neue Herausforderungen entstehen dadurch für die Sicherheitsbehörden? Was wissen wir über die grundlegenden Strukturen und Methoden von Rechtsextremen? Wie kann sich eine Gesellschaft gegen diese Bedrohungen zur Wehr setzen?

Am 13. Mai findet unsere Auftaktveranstaltung zu dem Thema Rechtsextremismus statt. Die Veranstaltung wird aus Gründen der Corona-Pandemie leider ohne live-Publikum aufgezeichnet und anschließend online zur Verfügung gestellt.
Die TeilnehmerInnen unserer ersten Diskussionsveranstaltung sind:

  • Thomas Haldenwang (Präsident des deutschen Verfassungsschutzes)
  • Dr. Irene Mihalic (MdB und Innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
  • Armin Schuster (MdB und Obmann der CDU/CSU im Innenausschuss / Obmann im 2. NSU-Untersuchungsausschuss)
  • Dr. Volker Weiß (Autor von „Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes“).

Im Vorfeld haben wir auch Fragen von unseren Mitgliedern, Freunden und Followern gesammelt, die wir dem Moderator Dr. Ronen Steinke (Süddeutsche Zeitung) im Vorfeld haben zukommen lassen.

Hier der Link zu den anderen 2 Teilen der Trilogie:

Islamismus

Linksextremismus

Aktivitäten

Pressemitteilung: Während der Corona-Krise hat ein Thema leider wieder besonders Hochkonjunktur: Verschwörungsmythen

 +++ Pressemitteilung: Während der Corona-Krise hat ein Thema leider wieder besonders Hochkonjunktur: Verschwörungsmythen +++

Schon während eines sehr frühen Stadiums der Krise hörten wir: Israel bzw. „die Juden“ hätten Covid-19 in die Welt gesetzt. Dies referenziert auf die Jahrhunderte alte Lüge über jüdische Brunnenvergifter, die schon im Mittelalter rechtfertigen sollte, dass Jüdinnen und Juden verfolgt wurden.

Aktuell nehmen wir wahr, dass einige Akteure auf diesen Zug aufspringen und teils täglich ihre Follower mit Verschwörungsmythen füttern. Die Wirkung erleben wir u.a. auf den derzeitigen sog. „Hygiene-Demos“ in Deutschland, wo von Demonstrationsteilnehmern sogar vor Gewalt nicht zurückgeschreckt wird. Wir sehen dies als eine extrem beunruhigende Entwicklung, da hier davon ausgegangen werden muss, dass die Gewalt nicht nur auf den Demonstrationen bleiben wird, sondern sich ggf. auch in späteren Terrorakten durch radikalisierte Bürgerinnen und Bürgern entladen kann.

Dieser Komplex ist kein neues Thema. Verschwörungsmythen gibt es seit mehreren tausend Jahren. Sie münden in ihrer überwiegenden Mehrheit häufig in antisemitische Stereotype und Beschuldigungen. Dies hat eine direkte Auswirkung auf Jüdinnen und Juden, wie man am Beispiel der Attentate von Halle, Pittsburgh und Poway sieht. Diese rechtsradikalen Attentäter haben sich offenbar hauptsächlich über sog. „Image-Boards“ im Internet radikalisiert, über die bis zum heutigen Tage unbehelligt und täglich wüstester Judenhass und antisemitische Verschwörungsmythen verbreitet werden.

Neben dem rechtsextremen Lager nehmen wir diese Entwicklungen aber auch aus linksextremen sowie islamistischen Milieus wahr. Der sog. „Querfront“, eine Vermischung aus linken und rechten Protagonisten und Positionen, sollte hier ein besonderes Augenmerk gewidmet werden, da dort wohl die prominentesten Verbreiter vereint sind. Hier ist oft die Rede von einer „New World Order“ (NWO), in der die Völker der Erde einer angeblich autoritären, supranationalen (vornehmlich jüdischen) Weltregierung unterworfen werden sollen, die die Menschheit unterjochen soll.

Insgesamt halten wir die sich zunehmend verbreitenden Verschwörungsmythen sowie Fake News für äußerst bedrohlich – nicht nur für uns Jüdinnen und Juden. Wir sehen unsere Gesellschaft und Demokratie als Ganzes in Gefahr, sollte diese virale Entwicklung nicht gestoppt werden können.

Dazu Daniel Kohn, Vorstandsmitglied der WerteInitiative – jüdisch-deutsche Positionen: „Wir erleben in diesen Zeiten äußerst kurze Radikalisierungsprozesse bis in die gesellschaftliche Mitte hinein. Der sprunghafte Anstieg von antisemitischen Verschwörungsmythen, gerade auch in den Sozialen Medien, ist mehr als beunruhigend. Dieser Entwicklung müssen wir Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Politik dynamisch Einhalt gebieten, damit dieses gesellschaftliche Virus nicht vor unseren Augen aus dem Ruder läuft.“

Aus unserer Sicht ist eine Kampagne gegen Verschwörungsmythen sowie Fake News dringend notwendig, die mediengestützt den Bürgerinnen und Bürgern möglichst zeitnah Faktenchecks zu den aktuell dominantesten Verschwörungsmythen zur Verfügung stellt. Die bisher durch die Bundesregierung veröffentlichten Grafiken hierzu verstehen wir als ersten testweisen Schritt in die richtige Richtung. Damit einhergehen sollte eine Checking-Stelle (z.B. beim Bundespresse- und Informationsamt), an welche sich Bürgerinnen und Bürger wenden können, wenn sie sich unsicher sind, ob eine Meldung wahr oder unwahr ist. Sollten hier beispielsweise gehäuft Meldungen zu einem Thema gemeldet werden, soll die dafür eingerichtete Stelle zügig einen Faktencheck erstellen und über ihre Social Media- sowie Presse- und Medienkanäle zur Verfügung stellen.

 

 

Aktivitäten

Unterstützung für Antisemitismus-Beauftragten des Bundes, Dr. Felix Klein.

Mit diesem offenen Brief haben wir uns an den Bundesinnenminister, Horst Seehofer, gewandt. In einer Reihe von Artikeln und Kommentaren wurde Klein scharf angegriffen. Ihm wurde abgesprochen, für seine Aufgabe geeignet zu sein. Wir sehen das anders! Hier unser Schreiben:

Berlin, 05.05.2020

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

wir schreiben Ihnen im Namen der unterzeichnenden Organisationen diesen offenen Brief.

Da der Bundesbeauftragte für das jüdische Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Herr Dr. Felix Klein, derzeit aus teilweise einschlägig bekannten Kreisen erneut angegriffen wird, sehen wir uns veranlasst, uns an Sie zu wenden.

Herr Dr. Klein ist, nach wie vor, eine ausgezeichnete Besetzung für diese Stelle. Nicht nur, dass er seine Aufgaben mit ausgeprägter Fachkenntnis ausübt, wir schätzen ihn ebenso für sein hohes persönliches Engagement. Der Bundestagsbeschluss aus Januar 2018, der seine Aufgaben beschreibt, nimmt ausdrücklich Bezug auf den Kontakt zur jüdischen Zivilgesellschaft.

Wir können in unser aller Namen bestätigen, dass dieser Kontakt vital ist und er für unsere Anliegen gut erreichbar ist. Er vereint damit sowohl die Bedürfnisse der vom Antisemitismus Betroffenen – uns – als auch fachliche und politische Aspekte des Kampfes gegen Antisemitismus. Auch aus unseren jüdischen Freundeskreisen und Gemeinden hören wir viel gute Resonanz zu Dr. Kleins Arbeit sowohl gegen Antisemitismus als auch für das jüdische Leben in Deutschland.

Wer den Themenkomplex “Antisemitismus” ernsthaft bekämpft und sich nicht nur auf den leicht erkennbaren, offensichtlichen Antisemitismus fokussiert, muss bereit sein, ans „Eingemachte“ zu gehen. Herr Dr. Klein tut das und löst damit auch leider Widerstände bei denen aus, denen dieses notwendige Vorgehen missfällt. Lassen Sie sich davon bitte nicht beirren. Wir unterstützen ihn und seine Arbeit und nutzen diese Gelegenheit, um ihm ausdrücklich dafür zu danken.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Elio Adler
Vorsitzender WerteInitiative e.V.


im Namen von:

Amadeu Antonio Stiftung

DEIN – Demokratie und Information e.V.

Honestly Concerned e.V.

Jehi ‘Or – Jüdisches Bildungswerk für Demokratie – gegen Antisemitismus gUG (JBDA)

Jüdische Gemeinde zu Berlin KdöR

Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD)

Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. (JFDA)

JuFo – Junges Forum Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V.

Makkabi Deutschland e.V.

Mideast Freedom Forum Berlin e.V.

Scholars for Peace in the Middle East (SPME und SPME-Germany)

WerteInitiative – jüdisch-deutsche Positionen e.V.

Aktivitäten

Ruhrtriennale 2020: Offener Brief fordert Eröffnungsredner ausladen und Intendantin absetzen!

20.04.2020

Mit diesem offenen Brief haben wir uns an den Ministerpräsidenten des Landes NRW, Armin Laschet, die Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen sowie die Antisemitismus-Beauftragte des Landes NRW, Frau Leutheusser-Schnarrenberger gewandt:

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Laschet,
sehr geehrte Frau Ministerin Pfeiffer-Poensgen,
sehr geehrte Frau Leutheusser-Schnarrenberger,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Eiskirch,

auch in diesem Jahr irritiert die Intendantin der Ruhrtriennale, Frau Stefanie Carp, mit einer Einladung, die uns sehr stark an den Ruhrtriennale-Skandal um die Musikband „Young Fathers“ im Jahr 2018 erinnert. Es darf keine Bühne für Israelhass und Antisemitismus bei der Ruhrtriennale geben; wir appellieren dringend an Sie: der Eröffnungsredner Achille Mbembe muss ausgeladen und die Intendantin Stefanie Carp abgesetzt werden.

Damals gab es Signale aus der Politik, dass sich so etwas nicht noch einmal wiederholen werde. Das Land Nordrhein-Westfalen verabschiedete noch im September 2018 einstimmig einen Beschluss, der sich gegen die antisemitische BDS-Bewegung richtete. Auch der Deutsche Bundestag hat sich im Beschluss „BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen“ aus dem Mai 2019 eindeutig gegen die BDS-Kampagne ausgesprochen und keine Zweifel am antisemitischen Charakter von Boykottaufrufen gegen den jüdischen Staat gelassen.

Die Ruhrtriennale installierte als Konsequenz einen Stellvertreter und Frau Pfeiffer-Poensgen, war überzeugt, dass Carp “die Bedeutung des Themas nunmehr stärker im Blick hat und antisemitische Aktionen und Gruppierungen im Rahmen der Ruhrtriennale keine Plattform finden werden”.

Angesichts der Einladungspolitik von Frau Carp protestieren wir heute jedoch erneut. Der Historiker und Soziologe Achille Mbembe soll in diesem Jahr die Eröffnungsrede auf der Ruhrtriennale halten. Mbembe hat in der Vergangenheit einen Aufruf zum akademischen Boykott Israels unterzeichnet. Ende 2016 erschien ein Aufsatz mit dem Titel „The society of enmity“ („Die Gesellschaft der Feindschaft“), indem er den antisemitischen Vorwurf einer vermeintlich in Israel vorherrschenden Apartheid, sogar noch überbietet:

  • „[…] Apartheid trägt […] dem spezifischen Charakter des israelischen Trennungsprojekts nicht vollständig Rechnung. […] Die apokalyptischen und katastrophalen Elemente, […] sind weitaus komplexer und entstammen einem längeren historischen Horizont als die Elemente, die früher den südafrikanischen Calvinismus unterstützten.
  • Darüber hinaus sind die Auswirkungen des israelischen Projekts auf den palästinensischen Körper angesichts seines „Hi-Tech“-Charakters weitaus beeindruckender als die relativ primitiven Operationen, die das Apartheidregime in Südafrika zwischen 1948 und den frühen 1980er Jahren durchgeführt hat.
  • Dies zeigt sich […] in den verschiedenen Techniken der materiellen und symbolischen Auslöschung. […] auch in seinen Verfahren und Techniken der Zerstörung […] und in seiner fanatischen Zerstörungspolitik, die darauf abzielt, das Leben der Palästinenser in einen Trümmerhaufen oder einen zur Säuberung bestimmten Müllhaufen zu verwandeln. In Südafrika haben die Trümmerhaufen nie ein solches Ausmaß erreicht.

Im selben Aufsatz vergleicht Mbembe, darüber hinaus, das ehemalige südafrikanische Apartheidsystem mit der Shoa.

Da Mbembe Israel der Apartheid bezichtigt und das ehemalige südafrikanische Apartheidsystem mit der Shoa vergleicht, führt dies zu der berechtigten Annahme, dass er die Haltung des demokratischen Staates Israel gegenüber den palästinensischen Arabern mit denen der Nationalsozialisten während der Shoa gleichsetzt. Ein antisemitisches Bild in Reinform.

Boykottaufrufe gegen den jüdischen Staat haben eine lange Tradition. Von der „Kauft-nicht-bei-Juden-Kampagne“ der Nationalsozialisten, bis hin zu Israel-Boykottkampagnen deutscher Neonazigruppierungen, wie z.B. „Der III. Weg“: Kein Staat der Welt ist in dieser Permanenz solchen Aufrufen ausgesetzt. Zufall? Nein – Das Problem heißt Antisemitismus und es verbietet sich, es z.B. durch Schlagwörter wie „Kunstfreiheit“ zu bagatellisieren.

Das Land Nordrhein-Westfalen muss sich in dieser wiederkehrenden Situation jedoch ernsthaft fragen, ob es ein Kunstfestival fördern möchte, deren Intendantin Aufrufen zu einem Boykott des jüdischen Staates nicht entschieden entgegentritt, sondern sie als Teil der Kunstfreiheit fördert und einen Redner einlädt, der sich shoarelativierend äußert. Wir sind der festen Überzeugung, dass so etwas in Deutschland keinen öffentlichkeitswirksamen Raum haben darf.

Man kann das Agieren von Frau Carp nicht dem Zufall zuordnen. Frau Carp, die sich aufgrund des Protests im Rahmen der Ruhrtriennale 2018 schon als Opfer einer „Hexenjagd“ inszenierte, diffamiert auch dieses Jahr das ausführliche und gut belegte Protestschreiben des FDP-Landtagsabgeordneten Lorenz Deutsch als falsch und zeigte sich überzeugt, dass Mbembe die Eröffnungsrede auf der Ruhrtriennale halten wird. Auf inhaltliche Kritik ging sie dabei freilich nicht ein.

Stefanie Carp hat durch ihr Verhalten im Rahmen ihrer Intendanz dem Kunstfestival einen erheblichen Schaden zugefügt. Sie schadet mit ihren Entscheidungen nicht nur der jüdischen Gemeinschaft, indem sie durch ihre Einladungspolitik antisemitischen Bildern und Argumentationsmustern Vorschub leistet, sondern auch ihren eigenen Fördergebern und damit dem Land NRW. Mehrere hochrangige PolitikerInnen sowie der Antisemitismusbeauftragte des Bundes haben sich schon zu Wort gemeldet und den Auftritt Mbembes deutlich kritisiert.

Bitte nehmen Sie – trotz des verständlicherweise dominierenden Themas „Corona“ – die Sache ernst. Verhindern Sie den Auftritt Mbembes und zeigen Sie Frau Carp die Grenzen auf: Die Absetzung von Frau Carp und die Einsetzung eines Interims-Intendanten ist notwendig, um den bisher entstandenen Imageschaden zu reparieren.

Wir weisen höflich darauf hin, dass wir diesen Brief und Ihre Antwort – wenn Sie es uns nicht anders auferlegen – öffentlich kommunizieren werden. Persönliche Kontaktdaten und Unterschriften würden dabei unkenntlich gemacht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Elio Adler
– Vorsitzender –

Antwort Pfeiffer-Poensgen

Sehr geehrter Herr Dr. Adler,

für Ihr Schreiben vom 20.4.2020, das Sie auch an Herrn Ministerpräsident Armin Laschet gerichtet haben, der Ihnen bereits geantwortet hat, bedanke ich mich. Auch wenn seit Ihrem Brief einige Zeit vergangen ist, was ich zu entschuldigen bitte, möchte ich doch gerne antworten.

Die diesjährige Ruhrtriennale wurde am 22.04.2020 wegen der Corona-Situation durch einen einstimmigen Beschluss des Aufsichtsrates der Kultur Ruhr GmbH abgesagt. In der Folgezeit gab es, wie Sie wissen, eine lebhafte Debatte in den Feuilletons über Prof. Mbembes Positionen zu Israel, aber auch grundsätzlich zu den inhaltlichen Positionen des wissenschaftlichen postkolonialistischen Diskurses. Vieles ist dadurch deutlicher geworden und differenzierter diskutiert worden.

Prof. Mbembe hat sich zum Existenzrecht Israels bekannt und von jeglicher Form des Antisemitismus distanziert. Er hat auch mehrfach erklärt, dass er die BDS-Bewegung nicht unterstützt und seine Meinung zum wissenschaftlichen Boykott Israels geändert habe. Diesen Boykott lehne er nunmehr ab. Gleichwohl sind seine Argumentationsmuster zum Apartheid-Vergleich Israels und seine Vergleiche des Holocausts mit der Rassentrennung der Apartheid nicht nur wissenschaftlich angreifbar, sondern in der Tat objektiv dazu geeignet, in der Gefahr zu stehen, den Holocaust zu relativieren.

Gerne konzediere ich, dass die Intendantin Frau Dr. Carp in ihrer Kommunikation unglücklich agiert hat. Es sollte ihr aber nicht unterstellt werden, dass sie einen Boykott Israels befürworte oder für antisemitische Positionen offen sei. Sie hat auch glaubhaft versichert, dass der von ihr eingeladene Eröffnungsredner Mbembe nicht über Israel oder den Nahostkonflikt reden wollte, sondern über seine Einschätzungen, wie die Krise der Menschheit überwunden werden könne. Der Text ist inzwischen in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht worden und bestätigt dies. Frau Dr. Carp wollte also nicht, wie Sie vermuten, der BDS-Kampagne ein Forum einräumen.

Lassen Sie mich Ihnen versichern, dass ich Ihre geschilderten Sorgen über einen zunehmenden Antisemitismus in Deutschland sehr ernst nehme. Antisemitismus, Rechtsextremismus und Diskriminierung dürfen in keiner Spielart und Verkleidung einen Platz in unserer Demokratie haben. Hier gilt es, den Anfängen zu wehren und entschieden gegenzusteuern. Dies hat oberste Priorität für die Politik der Landesregierung. Insofern schließe ich mich den Ausführungen von Herrn Ministerpräsident Laschet an Sie ausdrücklich an.

Mit freundlichen Grüßen

Isabel Pfeiffer- Poensgen

21.04.2020

Im Vorfeld der Ruhrtriennale 2020 wurden die Intendantin Stefanie Carp und der von ihr geplante Eröffnungsredner Achille Mbembe mit dessen Aussagen in Bezug auf den Staat Israel konfrontiert. Mbembe sowie Carp betonten, dies seien Unterstellungen. Einer Überprüfung würden diese Unterstellungen allerdings kaum standhalten, denn die Realität sähe anders aus. Wir haben einmal genauer nachgesehen:

Mbembe hat das Vorwort des Buches „Apartheid Israel – The Politics of an Analogy“ geschrieben. Dies freilich nicht, um den darin nachfolgenden Texten zu widersprechen, sondern ihnen seinerseits das richtige Framing zu geben.

 

 

 

 

 

 

 

„Um klarzustellen, es ist keine Apartheid im Stile Südafrikas. Es ist viel tödlicher.“

 

 

 

„…die Zeit für eine globale Isolierung [Israels] ist gekommen.“

Alle Erlöse des Buches gehen an Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel (PACBI). PACBI ist offizieller Teil der BDS-Kampagne.

Rede am 12. Mai 2019 im Düsseldorfer Schauspielhaus:

Die umfassende oder auch nur relative Abschließung wird begleitet von periodischen militärischen Eskalationen und dem ständigen Einsatz extralegaler Tötungen. Die über den Raum ausgeübte Gewalt, humanitäre Strategien und eine spezielle Biopolitik der Bestrafung bringen ihrerseits in ihrer Kombination einen eigentümlichen Gefängnisraum hervor, in dem Herrschaft über Menschen ausgeübt wird, die als überschüssig, unerwünscht oder illegal gelten, wobei man jede Verantwortung für deren Leben und Wohlergehen von sich weist.

So sieht klassische Dämonisierung und die Anwendung doppelter Standards aus. Die Hamas foltert und tötet ihre eigene Bevölkerung und ihre Gegner und greift Israel fortlaufend mit Raketen an. Bei Mbembe ist aber nur Israel verantwortlich für „extralegale“ Tötungen und nur Israel betreibt „militärische Eskalation“.

FAZIT:

Mag sein, dass Mbembe niemals explizit einen offiziellen Aufruf der BDS-Kampagne unterzeichnet hat. Allerdings: Was unterscheidet die Forderung nach einer globalen Isolierung von den Forderungen der BDS-Kampagne?
Wieso schreibt man ein Vorwort für ein Buch, dessen Erlös Teilen der BDS-Kampagne zu Gute kommt?

Er steht für Meinungen die dem friedlichen Zusammenleben von Menschen und Völkern schaden. Seine Distanzierung von der antisemitischen BDS-Kampagne ist völlig unglaubhaft. Er benutzt ihr Narrativ und trägt zu ihrer Finanzierung bei.

Mbembe ist KEIN geeigneter Eröffnungsredner für die Ruhrtriennale. Wir bleiben bei der Forderung nach seiner Ausladung und der Abberufung der Intendantin Stefanie Carp.